Mit der Weltsynode „Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung“ von 2021 bis 2024 hat Papst Franziskus in der Kirche einen weltweiten synodalen Prozess angestoßen, den sein Nachfolger Papst Leo fortsetzen möchte. Wie die Gemeinden vor Ort Synodalität konkret umsetzen können: Diese Überlegungen haben am 21. und 22. September im Mittelpunkt der Werkstatt „Synodalität praktisch“ in Münster gestanden.
Auf Einladung des Bischöflichen Generalvikariats Münster (BGV), der Verwaltung des Bistums Münster, waren am Montagabend und Dienstag tagsüber insgesamt rund 70 Teilnehmende dabei. Mit ihnen gestalteten Dr. Elisa Prkacin und Lisa Rotert vom BGV sowie das Team des Bukal ng Tipan von den Philippinen die Workshops. Dabei handelt es sich um ein pastorales Ausbildungs- und Prozessbegleitungsteam um Dr. Estela P. Padilla. Sie war stimmberechtigtes Mitglied der Weltsynode. Ihr Team unterstützt seit mehr als zwei Jahrzehnten Bistümer in Asien, Australien und Europa beim Wandel zu einer partizipativen und synodalen Kirche. Dabei stehen keine fertigen Lösungen im Zentrum. Das Team vermittelt nach eigenen Angaben vielmehr bewährte synodale Lern- und Entscheidungsprozesse, die Beteiligung fördern, geistlich verankert sind und sich auf unterschiedliche kulturelle und kirchliche Rahmenbedingungen übertragen lassen.
Bei den Teilnehmenden kam das gut an. Pastoralreferentin Lena Hox von der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) Münster bilanzierte: „Mich hat der Workshop zu noch mehr gemeinsamer Entscheidungsfindung inspiriert und in mir die Frage wachsen lassen, wem wir bislang nicht zuhören und wie ich in Zukunft andere Meinungen echt zulassen kann.“ An die konkrete Art und Weise der Gruppenarbeit im Workshop könne sie dabei künftig anknüpfen.
Gisela Gramatke aus Münster, die für das Säkularinstitut St. Bonifatius teilnahm, bewertete insbesondere den Raum für Gespräche und Zuhören, den der Workshop erschlossen habe, als wichtig. „Das gilt ja unabhängig davon, in welcher Gruppe und welchem gemeinsamen Leben ich mich befinde“, sagte sie. Viele der konkreten Ansätze für Gemeinschaft und Sendung, die der Tag gebracht habe, und das Stichwort, „anders mit den Anderen“ umzugehen, nehme sie als hilfreich mit.
Der Steinfurter Kreisdekanatsgeschäftsführer und Diakon Matthias Kaiser unterstrich die Bedeutung von Synodalität als „Haltung der liebenden Aufmerksamkeit“. Als konkrete Methode aus dem Workshop habe er das „Gespräch im heiligen Geist“ als wertvoll erfahren, um „Räume und Gelegenheiten des gegenseitigen Zuhörens zu eröffnen.“ Kaiser zeigte sich überzeugt: „Davon brauchen wir mehr, um uns darauf aufbauend über unsere gemeinsame Mission zu verständigen.“ Und er betonte: „Synodale Haltung fängt immer bei mir selber an. Wenn jeder sie einnimmt, kann sie zu einer gemeinsamen werden.“
Wolfgang Kollek aus Hamm, Diözesanvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Mitglied im Leitungsteam des Pastoralen Raums Hamm-Nord, sagte, in seinen beiden Rollen beschäftige ihn der Sendungsgedanke. „Ehrenamtliche möchten handeln, und dafür brauchen sie Freude an ihrer Tätigkeit und Anerkennung dafür“, sagte Kollek, „genau das bringt Synodalität, wie ich sie verstehe.“ Wenn Ehren- und Hauptamtliche in diesem Sinne auf Augenhöhe handelten, ergäben sich „Möglichkeiten des Tuns.“ Außerdem werde man so viele neue Talente entdecken. Das philippinische Motiv des Tawid-Tanaw (Überschreiten und Wahrnehmen) habe ihn besonders angesprochen: „Man überschreitet Grenzen, indem man über die gewohnte Gemeinde hinaus schaut und hört, und erkennt so neue Perspektiven.“ Diese Idee, die in der KAB teils schon eingeübt werde, habe er als gewinnbringend erlebt.