Ausstellung über Gefahren für Schriftgut in Diözesanbibliothek eröffnet

Papier hat keine Stimme, um rechtzeitig vor äußeren oder inneren Bedrohungen zu warnen. Darauf möchte die Ausstellung "Papier ist nicht geduldig. Die Erhaltung von Schriftgut und Grafik" im Foyer der Diözesanbibliothek Münster hinweisen.

Am 21. April wurde sie eröffnet. Elf Schautafeln sowie ausgewählte historische Werke aus der Diözesanbibliothek werden bis Freitag, 3. Juni, im Foyer zu sehen sein.In ihren Grußworten hoben Christel Plenter, Leiterin der Abteilung "Bildung und Spiritualität" im Bischöflichen Generalvikar Münster, sowie Dr. Peter Behrenberg, Leiter der Diözesanbibliothek Münster, die Bedeutung von Papier auch in der heutigen vielfach digitalen Welt hervor. "Ein langer Liebesbrief statt eine kurze SMS, ein flammender Vortrag statt eine Power-Point-Präsentation – das spricht uns auch heute an", verdeutlichte Plenter. Dass Papier aber auch Schattenseiten habe, das wolle die Ausstellung zeigen, ergänzte Behrenberg. "Gleichzeitig können wir lernen, wie diese Schattenseiten erhellt werden können."

In drei Kurzvorträgen erfuhren die rund 50 Gäste Details zur Ausstellung sowie Hintergründe zum historischen Bestand der Diözesanbibliothek. Matthias Frankenstein vom Landesarchiv Nordrhein-Westfalen veranschaulichte zunächst allgemeine Schäden an schriftlichem Kulturgut wie die natürliche Alterung, eine unsachgemäße Lagerung oder Reparaturen mit ungeeigneten Materialien. Ebenso stellte er Maßnahmen zur Schadensprävention vor und verdeutlichte: Auf das richtige Klima, die richtige Verpackung und den richtigen Umgang mit Schriftgut kommt es an. Anhand verschiedener Katastrophen wie dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar oder dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln belegte er die Bedeutung der Notfallvorsorge. Ziel müsse es jedoch sein, durch Präventivmaßnahmen das Risiko eines Schadenfalls zu vermindern, erklärte er.

Über die Schadenserhebung im Bestand der Diözesanbibliothek Münster berichtete der Papierrestaurator Lars Herzog-Wodtke aus Essen. Mit seinem Team war er im vergangenen halben Jahr im Einsatz, um 25.000 Bände der Diözesanbibliothek auf Schäden zu untersuchen. "Wir haben an jedes Buch rund 25 Fragen zum Bestand und den Besitzermerkmalen gestellt und den Band jeweils in eine Schadensklasse eingeordnet", erklärte er. Dabei habe man festgestellt, dass 71 Prozent der untersuchten Bände uneingeschränkt nutzbar seien, 25 Prozent leichte Schäden vorwiesen und lediglich drei Prozent für die Nutzer gesperrt werden mussten. "Das ist ein sehr gutes Ergebnis", bestätigte Herzog-Wodtke.
Auf die einzelnen historischen Bücher in der Ausstellung ging Dr. Kirsten Krumeich, stellvertretende Leiterin der Diözesanbibliothek, abschließend ein. Die Besucher können in drei Vitrinen Handschriften und Drucke der Zeit von 1518 bis 1863 begutachten und feststellen, wie dramatisch sich Wasser und Feuer, Bücherschädlinge und Schimmel auswirken können. Als "materielle Zeugnisse der Kultur" bezeichnete Krumeich diese Unikate. "Sie überliefern uns die Geschichte des intellektuellen Umgangs und der Auseinandersetzung der Menschen mit ihnen", erklärte sie.

Musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung von der "Kleinen Cantorey Münster" gestaltet.
Die Ausstellung "Papier ist nicht geduldig. Die Erhaltung von Schriftgut und Grafik" ist bis Freitag, 3. Juni, im Foyer der Diözesanbibliothek zu den Öffnungszeiten montags bis freitags von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.

Bildunterschrift: Lars Herzog-Wodtke, Papierrestaurator Essen, berichtete von der Schadenserhebung im Bestand der Diözesanbibliothek Münster.


Text: Bischöfliche Pressestelle / 22.04.16
Foto: Ann-Christin Ladermann
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de