Bildungsangebote prägen Biografien

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

„Stilte“ und „Claustrum“ steht in großen Lettern in den Gängen der Benediktiner-Abtei von Egmont an Zee. Ein Mönch führte jüngst 15 Studierende der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Münster und Mitglieder des Interessiertenkreises am Berufsbild PastoralreferentIn durch das Kloster und eröffnete damit eine Exkursionswoche in die Niederlande. Im Sommersemester 2026 bot das Institut für Religionspädagogik und Pastoraltheologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Diakonat und pastorale Dienste im Bistum Münster (IDP) ein besonderes Hauptseminar mit der Exkursion an: Gott ohne Relevanz? – Auf (post-)säkularer Spurensuche in Utrecht und Amsterdam. Die Teilnehmenden trafen mit pastoralen Praktikern und Praktikerinnen zusammen und dachten über neue Formen von Leben und Glauben, Stille und Spiritualität nach.

Die Niederlande zählen zu den am meisten säkularisierten Ländern der Welt. Religionssozio-logische Studien stellen einen starken Rückgang von klassischen religiösen Glaubensüberzeugungen fest. Kirchen werden reihenweise geschlossen und anders verwendet: als Hotel, Theater, Bar. Zugleich entstehen neue Formen von Sinnsuche, Lebenskunst, Spiritualität und Kirche, die sich nicht mehr einfach in den Kontrast „religiös oder säkular“ einsortieren lassen. Erfahrungen von Heiligem, Tiefgründigen brechen manchmal in ganz alltäglichen Lebensformen auf. Die Teilnehmenden fragten sich: Stecken darin Impulse und Aufbrüche für Theologie, Kirche und Seelsorge von morgen?

Beim Besuch der Seemanns-Mission in Amsterdam sprach einer der Pastoral Workers über jene Momente, wenn Seelsorgende mit Nützlichem wie etwa Handy-Ladekarten an Bord zu den Seemännern gehen. Die Kontaktaufnahme geschehe über scheinbare Kleinigkeiten oder Small-Talk. So wachse Vertrauen – und dann würde es oft sehr existenziell. „Das Weltliche bringt uns rein, das Geistliche hält uns da.“

Ausbildungsreferent Christoph Schulte vom IDP schätzt und fördert Bildungsangebote mit Exkursionen und Netzwerkpartnern: „Wir wollen eine Pastoral mit hoher Lebensweltorientierung stärken.“ Die Lernorte für künftige Pastoralreferentinnen und -referenten reichten vom säkularen Musikclub über das Sozialprojekt im Brennpunkt-Viertel bis zum Kapellchen im Rotlicht-Viertel, das Ruhe- und Liturgie-Raum und zugleich Tee-Stube sei. „Wer gelernt hat, an säkularen Orten nach Spuren von Transzendenz oder Sinnfragen zu suchen, kann später im Beruf viel offener und vorurteilsfreier auf kirchenferne Menschen zugehen“, sagt Schulte. In fremden Kontexten seien die Kurse des IDP nicht die Gastgeber, die die Regeln bestimmen, sondern Gäste. So werde eine Haltung des aktiven Zuhörens und nicht der fertigen Antworten geschult.

Das erste Jahr in der Berufseinführung – wie geht‘s da so?

Bei einem weiteren Angebot des Interessiertenkreises in diesem Frühsommer trafen die Mitglieder der Runde auf Pastoralassistentin Kieu Mi Do, die gerade ihr erstes Jahr in der Berufseinführung erfolgreich absolviert hat. Sie berichtete in der Reihe „Berufsbiographien kennen lernen“ von ihren Erfahrungen im pastoralen Dienst: „Das erste Jahr der Berufseinführung ist kunterbunt und geprägt von vielen neuen Begegnungen: In der Schule, in der Pfarrei und im Pastoralen Raum die Menschen kennenlernen, die sich ehrenamtlich oder hauptberuflich dort bewegen." Die religionspädagogische Qualifikation habe ihr praktische Methoden und didaktische Skills an die Hand gegeben, die sie exzellent in der pastoralen Arbeit gebrauchen könne. Do erzählte auch von ihren Motivationen für den hauptamtlichen Seelsorgedienst und ihre geistlichen Quellen. „Und was total wichtig ist: Neugierig sein auf die Menschen und sich überraschen lassen von dem, was Menschen bewegt“, sagte sie.

Ausbildungsreferent Schulte erläuterte, dass es schließlich darum gehe, die Gegenwart mit dem Hoffnungshorizont des Evangeliums aufzuhellen. Den Mitgliedern des Interessiertenkreises sage er oft: „In krisenhaften Weltzeiten sollen sich die Pastoralassistentinnen und -assistenten mit Kompetenzen zurüsten, die sie zu möglichst krisenfesten Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern machen.“ Dazu zähle auch das Geistliche Leben; Spiritualität sei ein Kompetenz- und somit Bildungsbereich, der besprechbar sein und bleiben müsse. Denn, so habe es der Benediktiner in Egmont gesagt: Jenseits des „Claustrums“, des geschlossenen Klausurbereichs eines Klosters, seien Neugierige und Suchende, Fragende und glaubend Zweifelnde. Es gelte: „Onder deze mensen moeten we zijn.“ („Unter diesen Menschen müssen wir sein.“).

Im IDP sind Institutsleiterin Maria Bubenitschek sowie Ausbildungsreferentin Sara Krüßel und Ausbildungsreferent Christoph Schulte für die Berufseinführung verantwortlich. Mehr Informationen und Kontaktdaten lassen sich hier finden: IDP - Institut für Diakonat und Pastorale Dienste.

Text und Bilder: IDP/Christoph Schulte