Bischof Dr. Felix Genn besucht Overberg-Kolleg in Münster

Der Weg zum Abitur muss nicht immer schnurgerade über die herkömmliche gymnasiale Schullaufbahn führen.

Eine Alternative bietet das Overberg-Kolleg in Münster, ein Weiterbildungskolleg des Bistums Münster, das Bischof Dr. Felix Genn am 2. Juni besucht hat. Ihn erwartete viele Eindrücke und Informationen darüber, wie Erwachsene sich mit unterschiedlichen Startbedingungen auf den verspäteten Weg zum Abitur machen und warum manche über den Fachunterricht hinausgehende unterstützende Begleitung benötigen.

Kollegleiter Heinz Noe und seine Stellvertreterin Sabine Bertram begrüßten den Bischof. Dieser war in Begleitung von Dr. William Middendorf, dem Leiter der bischöflichen Schulabteilung, gekommen. Die Gastgeber informierten sie, dass das Overberg-Kolleg mit seinen rund 350 Studierenden mit seiner Ausrichtung im Bistum Münster einmalig ist. Hier können Erwachsene nachträglich Schulabschlüsse erwerben. Voraussetzungen sind neben der Volljährigkeit die entsprechende Vorbildung, die sich auch im sogenannten Vorkurs nachholen lässt, sowie eine vorangegangene Berufs- oder Familientätigkeit.

Mitglieder des Studierendenausschusses, der die Interessen der Studierenden innerhalb des Kollegs vertritt, führten die Gäste danach durch das Gebäude. Unter anderem zeigten sie ihnen naturwissenschaftliche Fachräume und berichteten über ihre Zusammenarbeit mit der Kollegleitung. "Wir begegnen uns auf Augenhöhe", sagte der Studierendensprecher Silas Sukumar, "die Leitung ist unseren Anliegen gegenüber sehr aufgeschlossen." Als aktuelle Herausforderung bewerteten er und seine Kollegin Sarah Sommerfeld die veränderten Lebensbedingungen der Studierenden. Früher sei das Kolleg vor allem eine Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung gewesen, heute nutzten es viele als Weg, um grundsätzlich im Leben Fuß zu fassen. Insofern habe sich der Bedarf an Beratung und Begleitung erhöht.

In der Aula traf der Bischof anschließend auf vielfältige Gesprächspartner. Bei einem Frühstück tauschte er sich nacheinander mit Muslimen, die das katholische Kolleg besuchen, ebenso aus wie mit Müttern und Vätern, die parallel zur Familienarbeit am Kolleg lernen. Außerdem stellten sich die Togo-Arbeitsgemeinschaft und die Gruppe Vorkurs / Erstsemester vor. Umrahmt wurden die Gespräche von Beiträgen der Schulband und der Theatergruppe.

Für Bischof Genn schloss sich eine Begegnung mit dem Team der Schulseelsorge um Schwester Bärbel Sabel, Schwester Annette Wolf und Dr. Holger Bauer an. Sie berichteten unter anderem von einer neu gebildeten kleinen Gruppe von Studierenden, die die Seelsorge am Kolleg mitgestalten möchten. "Unsere Schulseelsorge lebt von Beziehungen", erzählte Schwester Bärbel, "wir erleben immer wieder, dass sich das Bild von Glaube und Kirche, das die Studierenden haben, positiv ändern kann." Übereinstimmend schilderten die Seelsorger, dass auch und gerade konfessionslose Studierende dem Religionsunterricht gegenüber sehr aufgeschlossen seien.

Auch mit den Beratungslehrerinnen Claire Johannes und Magdalena Pickers kam Genn ins Gespräch. Sie bestätigten ihm, was er zuvor schon im Studierendenausschuss und von der Schulleitung gehört hatte, nämlich den erhöhten Bedarf an Beratung und Begleitung. "Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Gründe dafür, warum Menschen auf dem ersten Bildungsweg ihr Abitur nicht erreicht haben", erläuterte Johannes. Das Kolleg sei ein "Abbild der Gesellschaft" und bedeute für viele Studierende auch einen Halt im Leben. Sie fühlten sich "gesehen, wahrgenommen in einem relativ überschaubaren System."

Bei der abschließenden Begegnung mit dem Lehrerkollegium bedankte sich der Bischof für die "Fülle an Eindrücken", die er mitnehme. "Mein Besuch sollte auch deutlich machen, dass Schule ein Ort der Weitergabe des Glaubens ist", erklärte er, "und das geschieht hier bei Ihnen ganz breit und längst nicht nur im Religionsunterricht." Es sei "schön, dass über das bloße Vermitteln von Wissen hinaus die Studierenden von Ihnen auch eine Begleitung ins Leben erfahren", dankte er den Lehrerinnen und Lehrern. Besonders freue ihn, dass das Kolleg auch Migrantinnen und Migranten Raum biete. "Es ist ermutigend, dass solche Momente eines christlichen Profils bei Ihrer Arbeit immer wieder durchscheinen", sagte der Bischof abschließend.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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