Bischof ernennt zwei Ansprechpartner für Fälle sexuellen Missbrauchs

Entschieden fortsetzen will das Bistum Münster die Präventionsarbeit im Bereich der sexualisierten Gewalt und die sensible, kompetente Begleitung möglicher Opfer. Deshalb hat Bischof Dr. Felix Genn jetzt mit Bernadette Böcker-Kock und Bardo Schaffner zwei "Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs" benannt.

Damit, so erläuterte der Bischof, setze das Bistum die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für diesen Bereich weiter um, indem für Betroffene Ansprechpartner beiderlei Geschlechts zur Verfügung stünden. Den Leitlinien entspreche es außerdem, dass keiner der beiden in einem Dienstverhältnis zum Bistum stehe.

Zugleich wies Genn auf die Präventionsmaßnahmen des Bistums hin. Hierzu zählten Schulungen von rund 13.500 Personen, die Einforderung eines erweiterten Führungszeugnisses von allen, die hauptamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, und die Einstellung regionaler Präventionsfachkräfte. Sie unterstützen Pfarreien und Institutionen beim Erstellen sogenannter Institutioneller Schutzkonzepte (ISK) für eine systematische Prävention.

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Die neuen Ansprechpersonen begründeten ihre Motivation für ihren Einsatz. "Ich habe mich dazu entschieden, weil ich als Fachanwältin für Familienrecht die Sicht des Opfers und des Täters kenne", erklärte Böcker-Kock, "ich weiß, dass die Nichtbeachtung des Geschädigten ebenso großen Schaden anrichten kann wie die unberechtigte Beschuldigung des vermeintlichen Täters." Beide Positionen verdienten ein Höchstmaß an Beachtung und Sorgsamkeit. "Mir ist daran gelegen, objektiv die erforderlichen Feststellungen zu treffen und für die Betroffenen eine einfühlsame und faire Ansprechpartnerin zu sein", sagte Böcker-Kock.

Schaffner erklärte, für ihn gehörten die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle "zu den bedrückendsten Erfahrungen der letzten Jahre." "Dass sich die Kirchenleitung ihrer Verantwortung stellt und mit umfassenden Maßnahmen dafür Sorge tragen will, dass sich solche schlimmen Ereignisse nie wiederholen, und ebenfalls dafür Sorge tragen will, dass die Opfer dieser Gewalt möglichst die Hilfe bekommen, die sie brauchen, möchte ich unterstützen", kündigte er an. Er habe sich auch zur Verfügung gestellt, "weil ich darauf vertraue, dass meine langjährigen Beratungserfahrungen es mir ermöglichen, ein adäquater Gesprächspartner zu sein."

Der 66-jährige Schaffner ist seit März Rentner. Zuvor war er von 2002 bis 2016 Dozent am Institut für Lehrerfortbildung in Mülheim und davor von 1990 bis 2002 Referent in der Hauptabteilung Schule und Erziehung des Bischöflichen Generalvikariates Münster. Zudem hatte der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder und Großvater als Berater in der Ehe- Familien- und Lebensberatung des Bistums sowie von 1977 bis 1990 Referent und stellvertretender Leiter des Bischöflichen Jugendamtes Münster gearbeitet. Studiert hat er Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie und ein Diplom in Pädagogik erworben. Ergänzend erwarb er sich Zusatzqualifikationen in Beratung, Supervision und der Arbeit mit Gruppen.

Bernadette Böcker-Kock ist 52 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Coesfeld-Lette. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hatte sie das Referendariat in Münster absolviert und mit der zweiten juristischen Fachprüfung abgeschlossen. Seit 1993 ist sie in Coesfeld als Rechtsanwältin tätig, seit 1999 zusätzlich als Fachanwältin für Familienrecht. Seit November 2014 ist Böcker-Kock darüber hinaus Notarin mit dem Amtssitz in Coesfeld.

"Dank Ihres jeweiligen beruflichen Hintergrunds bieten wir Betroffenen sowohl juristische als auch pädagogisch-supervisorische Kompetenz an", freute sich Bischof Genn. Abschließend bedankte er sich bei Böcker-Kock und Schaffner für die Bereitschaft zum Engagement auf einem schwierigen Feld.

Bernadette Böcker-Kock und Bardo Schaffner haben sich auch in einem Videointerview zu ihrer neuen Aufgabe geäußert. Zu finden ist es hier: https://youtu.be/wZ4TNTbsXkA.

Wer sich wegen eines Falls von sexualisierter Gewalt im Bereich des Bistums Münster an die Ansprechpartner wenden möchte, erreicht sie unter folgenden Telefonnummern: Bernadette Böcker-Kock: 0151 / 63404738, Bardo Schaffner Schaffner: 0151 / 43816695.

Bildunterschrift: Konsequentes Engagement auf einem schwierigen Feld: (von links) Bischof Dr. Felix Genn, Bernadette Böcker-Kock und Bardo Schaffner

Text: Bischöfliche Pressestelle / 23.05.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Anke Lucht