Bischof Genn feiert Silvestergottesdienst
"Als Kirche leben wir in einem gewaltigen Umbruch." Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am 31. Dezember im Silvestergottesdienst in der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti in Münster betont.
"Strukturen und Wertevorstellungen, selbst die kirchliche Lehre, werden hinterfragt, haben sich gewandelt, bedürfen der Begründung. Dieser Prozess scheint mir nicht abgeschlossen und wird im neuen Jahr weitergehen", sagte der Bischof.
Er erinnerte daran, dass im Bistum Münster in diesem Jahr der Diözesanpastoralplan in Kraftgesetzt worden sei, "mit dem wir in unseren Gemeinden inhaltlich Akzente setzen wollen, Kirche vor Ort lebendig zu halten, auf die Suche zu gehen nach den vielen guten Geistesgaben, die angesichts der stürmischen Zeit übersehen werden könnten." Das Bekenntnis: "Ich glaube", habe schon in der Aufklärung ein großes Wagnis dargestellt. Und das gelte auch heute noch. "Ich frage mich nur, ob wir nicht heute eine zweite Aufklärung nötig haben", sagte der Bischof. Denn es sei zu fragen, ob die Kräfte der Vernunft ausreichten, menschliches Leben zu gestalten und zu sichern, "oder bedarf es gerade des Lichtes, das der Glaube schenkt, um über unsere tiefe Wahrheit als Mensch aufzuklären, vom Glauben her den Schlüssel zu empfangen, die großen Fragen der Menschheit zu lösen?" Christen seien in besonderer Weise herausgefordert, Mut zu haben, sich ihres Verstandes zu bedienen, "der vom Glaubenslicht erleuchtet worden ist."
Der Bischof sagte weiter, dass er bisweilen den Eindruck habe, "dass wir uns viel zu viel binnenkirchlich verhalten, statt mit der Botschaft des Evangeliums einzutreten in den Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften." Er zitierte Dietrich Bonhoeffer, der schon 1944 gesagt habe: "Die Kirche muss aus ihrer Stagnation heraus. Wir müssen auch wieder in die freie Luft der geistigen Auseinandersetzung mit der Welt. Wir müssen es auch riskieren, anfechtbare Dinge zu sagen, wenn dadurch nur lebenswichtige Fragen aufgerührt werden." Zwar liege es auf der Hand, dass sich daraus viele Streitpunkte ergäben, wenn die Logik des Glaubens auf andere gesellschaftliche Gewissheiten treffe. Es bedeute auch geistigen Widerstand gegenüber manchen Meinungen in gesellschaftlichen und politischen Fragen. Eine liberale Gesellschaft könne aber nur bestehen bleiben, wenn sie einer konservativen Erziehung folge, ihre geistigen Grundlagen bewahre und zur Richtschnur ihres Handelns mache. "Was haben wir da als Christen und Kirche alles zu bieten, stehen wir doch im unmittelbaren Kontakt mit dem Wort, das von dem kommt, der das Leben ist, der das Leben bewahrt", sagte Bischof Genn.
Er ging auch darauf ein, dass Papst Franziskus die Christinnen und Christen auffordere, sich ihrer Sendung bewusst zu werden und deshalb mit Freude und Zuversicht das Evangelium zu verkünden. Bischof Genn: "Dies ist nicht eine Aufgabe, die nur denen zusteht, die als amtliche Verkünder tätig sind. Es ist die Aufgabe der ganzen Kirche, und jeder Christ/jede Christin ist dazu gerufen. Mission ist die Wesensgestalt der Kirche. Kirche ist Mission." Missionar könne man aber nur dann sein, "wenn unser Herz voll ist vom Herrn". Freude, so sagte der Bischof in Anlehnung an das Apostolische Schreiben "Die Freude des Evangeliums" von Papst Franziskus, bedeute dabei nicht, dauernd mit strahlenden und lachenden Gesichtern herumzulaufen: "Freude ist viel tiefer als der äußere Ausdruck. Aber sie ist auch dann spürbar, wenn jemand nicht lacht und trotzdem zufrieden und gelassen sein Wort und seine Taten setzt."
Der Bischof dankte allen Christinnen und Christen im Bistum Münster für ihren Dienst im vergangenen Jahr und ermutigte sie, auf diesem Weg weiter zu gehen.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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