Bischof Genn spricht bei Feierlichkeiten für den heiligen

Vor allem wegen seiner Demut und als barmherziger Beichtvater ist Jean-Marie Vianney bekannt geworden. An den Feierlichkeiten zum Hochfest des 1925 heiliggesprochenen "Pfarrer von Ars", der von 1786 bis 1859 lebte, hat in Ars-sur-Formans bei Lyon Münsters Bischof Dr. Felix Genn teilgenommen.

Auf Einladung seines dortigen Amtskollegen Pascal Roland, Bischof von Belley-Ars, hielt er am 3. August einen Vortrag und feierte am 4. August eine Heilige Messe.

Mit dem Vortrag "Priester-Sein – eine spannende Berufung" wandte sich Genn vor allem an Priester, schließlich wird der "Pfarrer von Ars" als ihr Schutzpatron verehrt. Genn stellte zunächst das Leben des Heiligen anhand der Schwerpunkt "Beichte" und "Flucht" als "spannungsvolle Einheit" dar. Vor diesem Hintergrund benannte er Spannungselemente im Leben heutiger Priester, beispielhaft die Spannungsfelder zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen einer herausgehobenen Position des Priesters und seiner Gemeinschaft mit der Gemeinde sowie zwischen der Lehre der Kirche und dem Leben der Gläubigen.

Aus diesen Spannungsmomenten könne manchmal durchaus der Drang zur Flucht aus dem Amt erwachsen. Gerade in der Eucharistie aber zeige sich "die Mitte des priesterlichen Dienstes, die Halt und Gleichgewicht gibt", betonte Genn. Er ergänzte: "Wir kommen aus der Spannung nicht heraus, weil wir existenziell mit unserem Amt, das nicht eine bloße Funktion ist, in die Spannung zwischen Mensch und Gott hineingestellt werden. So sind wir herausgefordert und bestimmt, für den Einzelnen in der Gemeinde und für die Gemeinde im Gebet, Opfer und Verzicht, in demütiger Stellvertretung und Hingabe zu leben." Dies habe der "Pfarrer von Ars" als "Heiliger des Bußsakraments" vorgeführt. Die Spannungen im Leben eines Priesters seien nur auszuhalten, weil es um Jesus Christus gehe, "weil er alleine es ermöglicht, dass wir immer wieder offen zu den Menschen hingehen und darin die Wunder seiner Gnade erfahren dürfen, weil wir nur von ihm her die Liebe empfangen, die er den Menschen schenkt, selbst denen, die uns mitunter feindselig, gleichgültig, abstoßend sind."

In der Heiligen Messe bezog sich Genn in seiner Predigt besonders auf die Barmherzigkeit. Schließlich standen die Feierlichkeiten insgesamt im Zeichen des "Jahrs der Barmherzigkeit", das Papst Franziskus ausgerufen hat. "Die Botschaft des Pfarrers von Ars ist die Botschaft des Reichtums der Göttlichen Barmherzigkeit", sagte Genn.

Im "Jahr der Barmherzigkeit" könne man sich neu bewusst werden, dass die "Macht des Bösen" in jedem Menschen stecke, und sich die Bedeutung von Vergebung verdeutlichen. "Wenn wir bereit sind zur Vergebung, dann legen wir den anderen nicht mehr auf diese eine Tat fest, die er in der Vergangenheit begangen hat", sagte Genn, "wir eröffnen ihm den Raum der Zukunft und zeigen ihm, dass wir ihn als den sehen können, der zu mehr fähig ist als zu dieser Tat, die uns verletzt hat." Durch Vergebung ermögliche man anderen, anders zu sein und zu leben. Indem sie anderen im Bußsakrament Vergebung und Erbarmen ermöglichen könnten, sei Priestern ein großes Geschenk in die Hand gegeben, sagte der Bischof abschließend.

Text: Bischöfliche Pressestelle/10.08.16
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