Bischof Wilmer legt Treueeid ab

, Bistum Münster, Offizialatsbezirk Oldenburg

Der künftige Bischof von Münster, Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (65), hat am 16. Juni in Düsseldorf vor NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen den Treueid abgelegt. Ein Teil des Bistums Münster, der Offizialatsbezirk Oldenburg, liegt in Niedersachsen.

Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ

© Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl

Ministerpräsident Hendrik Wüst

© Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl

Der Treueeid geht zurück auf das Reichskonkordat zwischen dem früheren Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl. Er soll deutlich machen, dass Bischöfe sich dem Grundgesetz und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet wissen. Die Amtseinführung von Bischof Wilmer als Bischof von Münster ist am Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr im St.-Paulus-Dom in Münster.

Der Text des Treueeids, den Bischof Wilmer in der Staatskanzlei sprach, lautet: „Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, Deutschland, dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Land Niedersachsen Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildeten Regierungen zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte.“

In seiner Ansprache sagte Bischof Wilmer, dass es beim Treueeid, der manchem vielleicht anachronistisch vorkomme, um gegenseitige Wertschätzung gehe. Kirche und Staat versicherten einander den Willen zu einer guten Zusammenarbeit: „Dabei eint uns das gemeinsame Ziel, dem Gemeinwohl und den Menschen zu dienen.“ Der Kirche gehe es dabei um alle Menschen, „unabhängig von deren Religion oder Weltanschauung, deren Herkunft, deren Leistungsfähigkeit oder deren Alter“. Wilmer unterstrich, dass die Kirche als „ältester Global Player“ nur multilateral denken und handeln könne. Als Weltkirche wisse sie um ihre weltumspannende Verantwortung in der Ökologie, im Sozialen und in der Wirtschaft.

Der Bischof ging in seiner Ansprache auf die Herausforderungen ein, vor denen Deutschland heute steht: „Nicht wenige Menschen glauben, dass Populisten am linken oder rechten Rand die Lösung sein können. Unsere Demokratie, die Menschen, die in ihr Verantwortung tragen, und alle, denen die Demokratie am Herzen liegt, werden dadurch herausgefordert. Es ist mir wichtig, an dieser Stelle zu betonen, welch großen Respekt ich vor allen Männern und Frauen habe, die sich für unsere Demokratie einsetzen. Die Demokratie ist zweifellos die beste aller Staatsformen, weil sie allein der Würde, der Freiheit und der Verantwortung des Menschen gerecht wird.“ 

Wilmer dankte allen, die sich auf den verschiedenen Ebenen für den Staat einsetzen. Insbesondere hob er das politische wie kirchliche Engagement auf der kommunalen Ebene hervor: „Gerade diese unteren Ebenen müssen unbedingt gestärkt und in ihrer Leistungsfähigkeit erhalten bleiben.“ Er nahm Bezug auf die Katholische Soziallehre. Sie sei seit mehr als 130 Jahren der Beitrag der katholischen Kirche zum gemeinsamen Streben mit dem Staat für das Wohl des einzelnen Menschen und für das Gemeinwohl. Auch in Zukunft werde die Kirche mit ihren Einrichtungen „dazu beitragen, dass die Ideale unserer Soziallehre nicht bloße Theorie bleiben“.  Kirche und Staat seien beide den Menschen verpflichtet, die ihnen anvertraut sind. „Ich darf Ihnen versichern, dass ich meinen Beitrag dazu gern leisten möchte – in der Zusammenarbeit mit Ihnen und im Vertrauen auf Gott“, sagte der Bischof.

Ministerpräsident Wüst sagte in seiner Rede: „Wir leben in Zeiten großer Herausforderungen und tiefgreifenden Wandels. Viele Menschen suchen in diesen Zeiten besonders nach Halt und Orientierung. Mit Heiner Wilmer erhält das Bistum Münster einen Bischof, der den Menschen nahe ist, Brücken baut und den Dialog sucht. Die Kirchen leisten Tag für Tag einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt und zum sozialen Miteinander in Nordrhein-Westfalen – in Kitas und Schulen, in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Ich bin überzeugt, dass Heiner Wilmer mit seiner Erfahrung und seiner Nähe zu den Menschen wichtige Impulse für das kirchliche und gesellschaftliche Leben in Nordrhein-Westfalen setzen wird.“

Begleitet wurde Bischof Wilmer von Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers, Dompropst Hans-Bernd Köppen, dem Ständigen Vertreter des Diözesanadministrators, Dr. Klaus Winterkamp, dem Offizial des Offizialatsbezirks Oldenburg, Weihbischof Wilfried Theising, Prälat Prof. Dr. Felix Bernard (Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen) und Prof. Dr. Burkhard Kämper (Stellvertretender Leiter des Katholischen Büros NRW).

Dr. Stephan Kronenburg

Fotos: Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl