Britta Heithoff: Feste feiern ist Friedensarbeit

, Bistum Münster

Themen gibt es viele, Meinungen noch mehr. Nicht immer werden sie sachlich vorgebracht und ausgetauscht. Und viel zu oft bestimmen Empörung, Negativität, Ich-Bezogenheit und gegenseitige Attacken die Diskussionen. „Die Montagsmeinung“, das Meinungsformat des Bistums Münster, soll hier ein anderes Zeichen setzen. Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kirche, die sich dem Bistum verbunden fühlen, setzen sich darin mit Themen auseinander, die für sie und andere relevant und aktuell sind. Die Autorinnen und Autoren lassen es aber nicht bei Klagen und Kritik. Sie haben vielmehr konstruktive Ideen und Lösungsansätze. Diese teilen sie mit uns an dieser Stelle alle 14 Tage montags.

Die heutige Montagsmeinung hat Britta Heithoff verfasst. Die Mutter von vier erwachsenen Kindern ist gebürtige Münsteranerin und in ihrer Heimatstadt als „Radelnde Redakteurin“ bekannt. Exakt an ihrem 50. Geburtstag erschien zudem ihr erstes von inzwischen fünf Büchern. Seit fast sechs Jahren ist Britta Heithoff Chefredakteurin des MÜNSTER! Magazins, das elfmal im Jahr mit je 100 „starken Seiten der Stadt“ erscheint.

Britta Heithoff

© privat

Feiern Sie gerne? Und haben Sie bisher gedacht, dass das vor allem Ihr persönliches Privatvergnügen, eine Art eher überflüssiges Ausschweifen, vielleicht sogar in irgendeiner Form verwerflich oder verschweigenswert ist? Ganz und gar nicht! Denn „Feste feiern ist Friedensarbeit“ – dieser Gedanke formt sich bei mir mehr und mehr und seit einigen Monaten gehe ich damit auch massiv nach außen und „irritiere“ mein Umfeld mit dieser Aussage.

Zugegeben, ich feiere schon immer gern, das gastfreundliche Haus meiner Eltern wird mich geprägt haben. Unsere Großfamilie lebte bescheiden, aber gefeiert wurde immer. Wenn Menschen zusammenkommen, bin ich dabei: Austausch gefällt mir, macht mich reicher. Auch als Gastgeberin habe ich immer neue Ideen, was der Anlass für ein paar (oder mehr) Menschen um unseren Tisch sein könnte. „Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen“ – mit diesem Sprichwort bin ich groß geworden.

Eine neue Dimension der Erkenntnis, was Feste feiern bewirken kann, kam für mich dazu, als Freunde ihre Silberhochzeit im größeren Kreis im neu fertig gestellten Ferienhaus feierten. Denn neben allen anderen Begegnungen dort durfte ich einen „Mindshift“ live beobachten. Die Nachbarin, die sich während der Bauzeit des Hauses der Freunde massiv gestört gefühlt hatte, kam auf dem Fest per Zufall mit dem Architekten der Immobilie ins Gespräch. Sie, die immerhin der Einladung gefolgt war, bis zu diesem Zeitpunkt aber eine eher ablehnende Körperhaltung zeigte, wurde durch das Gespräch und durch die Situation des Festes plötzlich offener, es brauchte nur wenige Minuten. Sie wechselte die Perspektive, konnte auch die zurückliegende Bauzeit nun versöhnlicher sehen, alles an ihr wurde weicher.

Von einer Grafikerin hat Britta Heithoff sich diese Postkarte gestalten lassen.

© privat

Dieser kleine Moment, von mir an einer Wand lehnend aus dem Off beobachtet, hat aus meiner Sicht das Potenzial für Größeres. Denn wenn durchs „Feste feiern“ immer wieder in neuen Konstellationen Menschen zusammen (wie oben berichtet Nachbarin und Architekt) und in den Austausch kommen, dann ist das aus meiner Sicht auch „Friedensarbeit“ in vielen kleinen Schritten. Egal, ob es um ein paar Familienmitglieder an einem Feiertag zuhause und nur mit ein paar „Bütterkes“ in der Mitte oder um die ganz große, lang geplante Sause geht. (Alles dazwischen ist natürlich mitgedacht.)

Gerade in Zeiten von Home Offices, durchgetakteten Kalendern, digitalen Lösungen, KI- und Datengetriebenheit bekommt das physisch gelebte „Feste feiern“ eine ganz neue Aufgabe und nicht zu unterschätzende Dimension. Ganz zu schweigen von dem enormen Risikopotenzial unserer Gesellschaft, das sich um das Phänomen „Einsamkeit“ dreht. Diese ist nämlich meist eher unsichtbar, und die Einladung zu einer Zusammenkunft gleich welcher Art birgt ungeahnte Möglichkeiten, kann Lichtblick und vielleicht sogar ein „erste Schritt“ raus aus der Einsamkeit sein.

Ja: Feste feiern ist Friedensarbeit. Weil Menschen Menschen zusammenbringen. Weil sie damit ausdrücken: Du bist mir etwas wert. Weil sie Begegnung initiieren, „Bubbles“ durchmischen, Zeit für Gespräche schaffen, Gastfreundschaft leben, Freunde und Fremde zusammenbringen. Feste feiern ist Friedensarbeit, zudem ist es handfeste Demokratiearbeit. Denn Gedankenaustausch, Gespräche und so simple Gesten wie das Klirren der Gläser beim Anstoßen über den Stehtisch hinweg bauen Vorurteile ab, weben zarte Bande und bringen Brückenbau in Gang.

Von einer Grafikerin habe ich mir eine bunte Postkarte gestalten lassen. „Feste feiern ist Friedensarbeit“ steht darauf. Eine Friedenstaube und Konfetti schweben durchs Bild. Gerade ist wieder eine dieser Karten auf dem Postweg zu einem Freund, der eingeladen hat. Und auch wir als Familie haben am kommenden Wochenende wieder Gäste. Weil Feste feiern Friedensarbeit ist.

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