Bürger können kostenlos die Vorträge der Wissenschaftler besuchen

Sie sind ein besonderes Merkmal gotischer Baukunst: Hohe Fenster, die mit ihren bunten Scheiben für eine ganz besondere Atmosphäre im Kirchenraum sorgen.

600 Quadratmeter Glas sind im Xantener Dom verbaut, die ältesten Fenster stammen aus der Zeit um 1290, andere wurden, um Kriegsschäden zu ersetzen, erst vor rund 50 Jahren eingesetzt. Sie alle haben gemeinsam, dass an ihnen der Zahn der Zeit nagt, Kerzenruß und Vandalismus setzen ihnen ebenso zu wie die Kraft der Elemente. Seit 2006 werden die Fenster daher konserviert und direkt dokumentiert.

Dennoch gibt es bislang keine moderne wissenschaftliche Arbeit über die Fenster im Xantener Dom, wie die stellvertretende Leiterin des Stiftsmuseums, Elisabeth Maas, und Dr. Jens Lieven von der Ruhr-Uni Bochum feststellen mussten. "Der Forschungsstand ist außerordentlich schlecht", sagt Lieven, "Ende des 19. Jahrhunderts haben sich zwar Wissenschaftler mit den Fenstern beschäftigt, aber das ist lange nicht mehr aktuell und in modernen Publikationen wird immer auf den alten Forschungsstand verwiesen." So wuchs gemeinsam mit dem Museum und der Dombauhütte die Idee, ein Kolloquium zu den Glasmalereien von St. Viktor zu starten, mit Diskussionen und Vorträgen von Experten unterschiedlicher Disziplinen.

Inzwischen haben diese Ideen Gestalt angenommen: Am Donnerstag, 21. September, und am Freitag, 22. September, dreht sich in Xanten alles um die Glasmalerei. Und zwar nicht nur für die Forscher, sondern für alle Bürger, die den Vorträgen lauschen möchten der Eintritt ist immer frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Mehr als zehn Vorträge und Besichtigungen sind geplant, die Ergebnisse sollen innerhalb eines Jahres in einem Sammelband erscheinen.

Einen Vortrag wird zum Beispiel, gemeinsam mit Professor Dr. Sebastian Strobl, Wiebke Schneppel von der Fachhochschule Erfurt halten. Sie arbeitet derzeit in der 2006 eingerichteten Glaswerkstatt und schreibt ihre Masterarbeit über eines der Heiligen-Fenster aus dem 16. Jahrhundert. In ihrem Vortrag (Freitag, 11.45 Uhr, Stiftsmuseum) spricht sie über die Glasrestaurierung im 19. und 20. Jahrhundert. "Anders als in anderen Zeiten wollen wir heute konservieren und nicht kopieren", sagt sie. Und das sei wichtig, denn weltweit seien nur noch rund zwölf Prozent der gotischen Fenster erhalten – entsprechend seien auch die Fenster im Xantener Dom von großer Bedeutung.

Das komplette Programm des Glaskolloquiums gibt es im Stiftsmuseum und online auf der Seite www.stiftsmuseum-xanten.de im Internet.

Bildunterschrift: Wiebke Schneppel (sitzend) arbeitet an einem mittelalterlichen Fenster des Xantener Doms. Sie nimmt ebenso am Kolloquium teil wie (hinten, von links) Elisabeth Maas, Dr. Jens Lieven und Johannes Schubert, Leiter der Xantener Dombauhütte.

Text: Bischöfliches Generalvikariat
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer