Caritasverband Tecklenburger Land zieht positive Bilanz
Integration ist etwas Individuelles. Kinder mit Migrationshintergrund haben deutlich höhere Chancen auf Bildung und Teilhabe, je besser ihre Eltern die Möglichkeiten der neuen Heimat kennen. Und Mütter sind dabei ein wichtiger Schlüssel.
Zu diesen Ergebnissen kommt der Caritasverband Tecklenburger Land nach Abschluss des Pilot-Projektes "EMMI".
Drei Jahre lang haben sich der katholische Wohlfahrtsverband und die beiden Kooperationspartner Bildungswerk Ibbenbüren und Großtagespflegestelle "Die Krümelmäuse" dem Thema "Elternbildung und -beratung für Mütter mit Migrationshintergrund mit Kindern im Alter von 0 bis drei Jahren", kurz EMMI, gewidmet. Mehr als 60 Frauen und deren Familien haben davon profitiert.
Zwei von ihnen sind Mariam Hamedi und Suhair Mannaa aus Syrien. Seit acht beziehungsweise neun Jahren leben sie mit ihren Familien in Deutschland. Das Projekt "EMMI" hat ihnen viele neue Türen geöffnet. "Am Anfang war es für mich sehr schwer, in Deutschland Kontakt zu bekommen", schaut Suhair Mannaa zurück. Ihre Deutschkenntnisse waren schwach, sie wusste fast nichts über das Leben hierzulande. "Heute habe ich auch Kontakt zu deutschen Frauen, zum Beispiel zu den Müttern der Freundinnen meiner Töchter." Sie betont: "Die EMMI-Gruppe hat viel dazu beigetragen, dass ich mich getraut habe, andere Menschen anzusprechen." Rathaus, Stadtbücherei Sportvereine – all diese Dinge lernte sie durch die Gruppe kennen.
Als noch junge Mutter und Ehefrau musste Mariam Hamedi in Deutschland zurechtkommen. "Bei der Kindererziehung habe ich mich manchmal überfordert gefühlt", sagt sie. In der EMMI-Gruppe fand sie Kontakt zu anderen Müttern und stellte fest, dass diese manchmal ganz ähnliche Probleme hatten. "Ich habe viele Tipps bekommen. Das hat mir Sicherheit gegeben", sagt sie. Sie traute sich schließlich, Unterstützung durch eine ehrenamtliche Elfe des Caritasverbandes in Anspruch zu nehmen. Auch den Gang ins Rathaus und den Umgang mit Behörden scheut sie heute nicht mehr. Im Gegenteil: Nun ist sie selbstbewusst genug, andere Frauen mit Migrationshintergrund zu beraten. Als sogenannte Multiplikatorin gibt sie ihr Wissen weiter.
Barbara Hugenroth hat als Mitarbeiterin der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder die EMMI-Gruppen begleitet. "Ich fand es spannend zu sehen, was das mit den Müttern gemacht hat", sagt die Sozialarbeiterin. Schon bald hätten sich die Frauen gegenseitig geholfen und ihre vielfältigen Stärken eingebracht. "Die Frauen sind selbstbewusster geworden", sagt sie. Sie bedauert, dass das Projekt zunächst nicht weitergeführt werden kann. "Wir konnten Bildung und Austausch einen sicheren Rahmen geben. Das hat dazu geführt, dass die Frauen sich öffnen konnten für das Thema Integration." Das Projekt habe gezeigt, dass ein längerer und vertraulicher Kontakt zu einer Gruppe nötig ist, um diese Bereitschaft zu erreichen.
"Es geht um Information und darum, wie man Vertrauen zu einem neuen Land entwickelt. Ich glaube, dass das nur in einer Gruppe gelingen kann", betont Christiane Fließ, Leiterin der Beratungsstelle. Sie ist überzeugt, dass die Erkenntnisse aus dem EMMI-Projekt hilfreich sein werden, wenn es in einigen Jahren darum geht, die nun ankommenden Flüchtlinge dauerhaft zu integrieren.
Zum Thema
Pilot-Projekt "EMMI"
Das mit Mitteln des Diözesan-Caritasverbandes geförderte dreijährige Pilot-Projekt "Elternbildung und -beratung für Mütter mit Migrationshintergrund mit Kindern im Alter von 0 bis drei Jahren", kurz "EMMI" bestand aus zwei Bausteinen: Einer regelmäßigen Austauschgruppe von Müttern, die einen Deutsch- und Integrationskursus beim Bildungswerk Ibbenbüren absolviert haben und deren Kinder in der Großtagespflegestelle "Krümelmäuse" betreut wurden, sowie der psychologisch-pädagogischen Begleitung durch die Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kindern. In der "EMMI"-Gruppe vertieften die Frauen ihre Sprachkenntnisse, lernten Angebote und Institutionen in ihrem Sozialraum kennen und fanden Austausch über vielfältige Themen der Kindererziehung. Insgesamt 64 Frauen aus Syrien, Russland, Nigeria, Rumänien, Albanien, Irak, Polen und Libyen besuchten in der Zeit von Frühjahr 2013 bis Herbst 2015 für jeweils einige Wochen die angebotenen Müttergruppen. Viele von ihnen nutzen seither verschiedenste Angebote des Caritasverbandes und des Deutschen Roten Kreuzes, der Tafel und des Sozialkaufhauses, in Sportvereinen und Institutionen sowie des Bildungspaketes für Familien.
Bild:
Suhair Mannaa (2.v.l.), hier mit ihrer jüngsten Tochter Sedrah, und Mariam Hamedi würden sofort wieder eine "EMMI"-Gruppe besuchen. Christiane Fließ (l.) und Barbara Hugenroth von der Caritas-Beratungsstelle sind überzeugt, dass die Arbeit mit Frauen ein Schlüssel zur Integration ist.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 09.05.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Caritas
