Christoph Schulze-Bilk kandidiert für Kirchenvorstand
Sich heute in der Kirche engagieren? In einer Institution, von der sich immer mehr Menschen abwenden? Christoph Schulze-Bilk tut genau das.
Und er widerspricht dem Klischee: "Man denkt immer, die Kirche ist eine Institution. Aber Kirche ist mehr. Kirche, das sind wir, die Menschen, die sich in ihr engagieren, zum Gottesdienst gehen." In diesem Sinne ist der Wettringer selbst auch Kirche: Seit sechs Jahren sitzt er für die katholische Kirchengemeinde St. Petronilla, Wettringen, mit ihren 5.832 Mitgliedern im Kirchenvorstand. Die Arbeit für eine der kleinsten Pfarreien im Bistum Münster macht ihm so viel Spaß, dass er sich für die Kirchenvorstandswahlen am 7. und 8. November erneut hat aufstellen lassen.
Zum Engagement in der Kirche hat Schulze-Bilk eine klare Meinung: "Einfacher ist es natürlich, auf die Kirche zu schimpfen." Gerade jetzt sei die Stimmung gegen Kirche eingestellt. "Kirchliche Strukturen sind mit Fehlern behaftet, es wird daran gearbeitet. Und Menschen bleiben Menschen, die machen halt Fehler. Aber deswegen ist der Inhalt doch nicht verkehrt", platzt es aus Schulze-Bilk heraus. Er ist überzeugt: "Wenn man etwas verändern will, muss man aktiv mitarbeiten, sich aufstellen, in Gremien wählen lassen." Zwar könne man die Welt nicht von heute auf morgen ändern, aber kleine Schritte tun, findet der 45-Jährige und ergänzt: "Außerdem ist die Stimmung bei uns ist gut, wir haben Demokratie pur. Pfarrer Christoph Backhaus ist einer von elf, also nicht von oben herab, und leitet die Sitzungen souverän."
Der Kirchenvorstand besteht aus dem Pfarrer und je nach Größe der Gemeinde aus sechs bis 16 gewählten, ehrenamtlichen Mitgliedern. Das Gremium entscheidet über Investitionen, Bauvorhaben, Immobilien, den Betrieb der Kindergärten und des Altenheims, die Einstellung von Mitarbeitern, die Vermögensverwaltung und vieles mehr. Alle drei Jahre wird die Hälfte der Mitglieder neu gewählt, für eine Amtszeit von sechs Jahren. Dieses Verfahren soll die Kontinuität sichern. In Wettringen stehen im November fünf der zehn Sitze zur Wahl.
"Ich möchte die Kirche am Ort halten und ihr vor allem ein Gesicht geben", erklärt Schulze-Bilk, der aus der Bauernschaft Bilk stammt. Die Gemeinde St. Michael, die 2005 mit St. Petronilla in Wettringen zur Pfarrgemeinde St. Petronilla fusioniert ist, ist seine Heimatkirche. "Wir haben keine Priester mehr, deshalb werden Kirchen zu immer größeren Einheiten zusammengefasst", erklärt der passionierte Landwirt. Er sieht das kritisch: "Die Identifikation geht verloren und je größer so eine Kirchengemeinde wird, desto unübersichtlicher wird sie."
Bei kleineren Einheiten bekomme man schneller mit, wo der Schuh drückt, und die Gemeinde finde sich dort auch wieder. Deshalb engagiere er sich im Kirchenvorstand: Er möchte "Ansprechpartner für die Belange vor Ort sein, mitgestalten". Ob es nun die kaputte Lampe ist oder der Bau eines behindertengerechten Eingangs, Schulze-Bilk möchte das umsetzen, was gerade anliegt. Gleichzeitig fordert er die Kirchenoberen dazu auf, Verantwortung abzugeben und "den Laien mehr zutrauen. Sie machen ihre Aufgabe gut."
Man merkt ihm an, dass ihm Kirche wichtig ist, auch wenn die Beziehung zu ihr nicht immer leicht war. "Ich bin in die Kirche reingewachsen. Anfangs hat es mir nicht viel Spaß gemacht", räumt er ein. Aber er habe als Kind keine Wahl gehabt, musste zur Kirche gehen. Mittlerweile ist er von derer Botschaft überzeugt. "Da kommt einer auf die Erde und macht uns das Angebot: Ich nehme euch mit zu mir – egal wer und wie ihr seid", das ist für Schulze-Bilk eine sehr beruhigende Zusage Gottes. "Natürlich weiß keiner, wie es weitergeht. Aber ich glaube daran", erklärt er. Daher liegt dem Familienvater auch viel daran, dass seine drei Kinder als Messdiener ihren Platz in der Kirche gefunden haben. "Wenn sie aufgestellt sind, dann gehe ich mit", sagt er, "ich möchte ihnen zeigen, dass ich dahinter stehe. Ich will ihnen das Christsein vorleben und nicht sagen: Du musst da jetzt hingehen."
Familie und Freunde liegen ihm sehr am Herzen. So unternimmt er viel mit seiner Frau, dem 15-jährigen Sohn und den zehn und zwölf Jahre alten Töchtern: Schwimmengehen, Spiele-Nachmittage, Fahrradausflüge. Früher spielte er leidenschaftlich Fußball, jetzt ist er mit seiner Frau öfter auf der Tribüne zu finden und feuert seine Kinder auf dem Platz an. Auch die Nachbarschaft hält Schulze-Bilk hoch. Wenn etwas anliegt, ist er dabei und packt auch mit an.
Braucht er dann mal eine Auszeit, weiß er, wo er sie findet. "Die Kirche ist für mich ein Fels in der Brandung, dort finde ich Ruhe, kann auftanken und gewinne Abstand zum Trubel um mich. Das ist phantastisch", freut sich der Ur-Bilker. Der Glaube gibt ihm Halt und windet sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Sein Gottvertrauen vermittelt ihm Ruhe und Gelassenheit im Alltag. "Ich muss nicht alles tun und erklären", glaubt er, "Gott hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Was ich tun muss, das ist, mich zu entscheiden."
Und das hat Christoph Schulze-Bilk getan. "Die Kirche ist für mich wie ein Schiff, das in Bewegung ist", beschreibt er, "es ist eine spannende Geschichte, zu sehen, wie es mit ihr weitergeht. Es macht auf jeden Fall Spaß, am Projekt Kirche mitzuarbeiten."
Text: Bischöfliche Pressestelle
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