Das Kirchenfoyer im Herzen Münsters wird zehn Jahre alt

Im Untergeschoss des Kirchenfoyers an Münsters Salzstraße haben sich ein paar junge Mütter getroffen, die das Angebot eines ruhigen Wickel- und Stillzimmers inmitten des städtischen Trubels zu schätzen wissen. Oben blubbert die Kaffeemaschine, während Stammgast Werner Merschmann auf ein kurzes Schwätzchen hereinschaut.

Mitarbeiterin Adeltraut Steinhoff erklärt einer Besucherin kurz, wie sie zur Stadtbücherei findet. Eine typische Momentaufnahme im Kirchenfoyer. Seit zehn Jahren gibt es dieses Angebot des Stadtdekanates. Aus diesem Anlass wird Weihbischof Stefan Zekorn am kommenden Freitag, 8. März 2013 um 18 Uhr einen Gottesdienst in der Lambertikirche feiern. Und am Samstag, 9. März 2013 folgt aus Anlass des Jubiläums zwischen 10 und 16 Uhr ein Aktionstag auf dem Lamberti-Kirchplatz.

"Einladend, freundlich, dienend", so sei das Angebot, hat jemand im Gästebuch vermerkt. "Es macht Kirche faszinierend erfahrbar", steht da, und genau das scheinen die Menschen zu spüren, die seit einem Jahrzehnt in einem ehemaligen Ladenlokal einen niederschwelligen und gastfreundlichen Ort im Herzen der Stadt vorfinden. Mehr als 135.000 Besucherkontakte hat das Kirchenfoyer in dieser Dekade gezählt.

"Wir sind ein Gasthaus für Leib und Seele", lächelt der Leiter der Einrichtung, Josef Rauschel. Hierher darf jeder mitbringen, was ihn gerade bewegt: Sei es der Wunsch nach einer heißen Tasse Kaffee, den im vergangenen Winter etwa etliche der in der Stadt bettelnden Roma-Frauen hatten. Sei es die Suche nach Gesprächspartnern, um sich übers Wetter und das Tagesgeschehen hin zu tasten zu Sorgen, die viel tiefer liegen: "Ärger über die etablierten Kirchen, Einsamkeit, Fragen zu Religion und Glaube", hört Hans Dieter Weber, der seit fünf Jahren wie die pensionierte Pfarrsekretärin Adeltraut Steinhoff zu den 80 Ehrenamtlichen zählt, die wöchentlich zwei Stunden Zeit, Lebenserfahrung, Wissen und vor allem ihre Authentizität als Christen in den Dienst der Sache stellen. "Diese Freiwilligen sind unser Schatz", freut sich Josef Rauschel über die "Kirche mit Gesicht".

Geburtstage sind auch zum Rückblick da: 2003 wurde die Idee eines Raumes Wirklichkeit, in dem Kirche mit den Menschen ins Gespräch kommen kann – leicht zugänglich, nicht auf den ersten Blick "kirchlich", eben auf eine andere Art Kirche. Außerhalb von Pfarrgemeinden und ganz auf "Verkündigung durch Gesprächsbereitschaft und Präsenz" ausgerichtet. Die Vision, die unter anderem Weihbischof em. Friedrich Ostermann, Generalvikar Norbert Kleyboldt, Stadtdechant Ferdinand Schumacher und der damalige Lamberti-Pfarrer Michael Scharf von Citypastoral hatten und das bis heute wirkende Konzept des ersten Leiters des Kirchenfoyers, Franz-Thomas Sonka, haben sich als tragfähig erwiesen. Kamen zu Beginn gut 700 Menschen im Monat in die hellen Räumlichkeiten in der Nachbarschaft der Stadt- und Marktkirche, sind es heute mehr als doppelt so viele.

Viele von ihnen brauchen eine Auskunft, manche ein ruhiges Plätzchen, um Zeitung zu lesen, wieder andere nehmen die Angebote von Ausstellungen, Kirchenführungen, Alltags-Exerzitien oder Beratungsstunden wahr oder möchten auf ihrem Jakobsweg einen Stempel ins Pilgerbuch. "Doch vor allem die Suchenden wollen mehr", spüren Josef Rauschel und die andere Mitglieder des Teams. Viele Besucher des Kirchenfoyers bringen den Wunsch mit, dass Glaubenskrisen und Einsamkeit, Beziehungsprobleme und auch die Entfremdung von der Institution Kirche in einem angstfreien Raum geäußert werden dürfen. "Sie suchen Zuhörer, die sie nicht bewerten", sagt Rauschel. Und er betont, dass alle "Interessierten, die die Faszination dieser neuen Art, Kirche zu sein, als Ehrenamtliche mitgestalten möchten, herzlich willkommen sind."

 

Text/Foto: pbm
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