Das Kolping-Bildungswerk startet mit seinem Pilot-Projekt

Sie haben junge Menschen im Alter bis 25 Jahre aus prekären Lebenssituationen im Blick. Menschen, die durch alle Raster der Hilfe gefallen sind. Menschen, die es eigentlich nicht gibt. Und doch sind sie da. Nicht nur in den Großstädten, sondern auch im ländlichen Bereich wie im Kreis Coesfeld.

Es sind sicherlich nicht so viele, aber jeder von ihnen hat "Respekt" verdient. Und genau unter diesem Motto startete am Dienstag, 3. Mai, offiziell das Projekt "Respekt – Mach dein Ding!" des Kolping-Bildungswerkes Diözesanverband Münster.

An den Standorten Coesfeld, Dülmen, Lüdinghausen, Münster und Nottuln bieten die neuen 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hilfe aus einer Hand an. In jeder Stadt gibt es eine offene Anlaufstelle. Zudem stehen zwei Wohnmobile zur Verfügung, um aufsuchend tätig zu werden. "Das sind unsere rollenden Gesellenheime", sagt der Kolping-Diözesanvorsitzende Harold Ries. Ausgestattet mit Dusche und Toilette können die Mitarbeiter den Betroffenen kurzfristig Hilfe anbieten.

Das Projekt gründet darauf, dass junge Menschen wieder Vertrauen finden. Sowohl zu anderen Menschen als auch in sich selbst. Dazu nehmen die Sozialpädagogen, Erzieher und Psychologen sie an die Hand. Sie wollen zwischen den Betroffenen und bestehenden Hilfsangeboten eine Brücke bauen. Andrea Arndt, Leiterin des Projekts, vermutet zwischen 100 und 400 so genannte entkoppelte Jugendliche an den Standorten. "Das größte Pfund, mit dem unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wuchern können, ist Zeit", erläutert sie weiter. Die Arbeit richte sich nach den Ressourcen und nicht nach den Defiziten der Menschen, die im Projekt Hilfe suchen. "Wir fragen: Was kannst du?", erläutert die 47-Jährige. Ein Erfolg wäre es, wenn annähernd eine Perspektive erreicht würde, die der junge Mensch erreichen möchte.
Es ist das größte Projekt des Kolping-Bildungswerks. "Es passt sehr gut zu uns und zu den Ideen von Adolph Kolping", betont Ries. Denn es ginge darum, junge Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ihnen den Weg zur Bildung zu ermöglichen und Halt in der Gesellschaft zu geben. Die Strukturen sowohl im Verband als auch in den Kolpingsfamilien seien bestens geeignet. "Wir verfügen über Netzwerke, haben traditionell gute Kontakte in die Firmen, und es finden sich in den Kolpingsfamilien viele engagierte Ehrenamtliche", sagt Ries.

Von bundesweit 18 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Respekt-Pilotprojekten engagiert sich nur das Kolping-Projekt als einziges im ländlichen Raum. "Dass wir uns einbringen können, ist auch ein Verdienst von Karl Schiewerling", betont Diözesangeschäftsführer Uwe Slüter. Denn der Bundestagsabgeordnete, der sich als arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion engagiert, macht sich seit vielen Jahren für die Belange schwer erreichbarer Jugendlicher stark. "Deutschlandweit gibt es 21.000 junge Menschen, davon allein 8500 minderjährige Obdachlose, die durch das Raster unseres Systems fallen. Da ist auch der ländliche Bereich betroffen, obwohl wir im Kreis Coesfeld eine Arbeitslosenquote von lediglich 2,9 Prozent haben", weiß der Politiker. Und er führt weiter aus: "Es ist wichtig, heute solche Wege zu gehen, denn sonst erreicht niemand mehr diese jungen Menschen."

Gemeinsam mit ihm hoffen auch die Verantwortlichen in den beteiligten Städten und der Landrat des Kreises Coesfeld, Dr. Christian Schulze Pellengahr, dass das Projekt, das bis Ende 2017 befristet ist, später weitergeführt werden.

Bild:
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kolping-Projekts "Respekt – Mach dein Ding!" sind in Coesfeld, Dülmen, Lüdinghausen, Münster und Nottuln Ansprechpartner für schwer erreichbare junge Menschen.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 03.05.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Michaela Kiepe/Bischöfliche Pressestelle