Der Wasserschaden ist die erste große Problemsituation, die das vor knapp einem halben Jahr ernannte Beauftragtenteam zu bewältigen hat. Neben Barbara Hemping-Bovenkerk leiten seither Irene Lappe und Veronika Tarnow anstelle eines Pfarrers die Geschicke der Pfarrei. Begleitet werden sie durch die Verwaltungsreferentin Yvonne Markwart und den Kamp-Lintforter Pfarrer Joachim Brune als sogenannter moderierender Priester. Hintergrund für diese Leitungsform ist der allgemeine Priestermangel, durch den nicht mehr jede Pfarrei mit einem eigenen Pfarrer besetzt werden kann. Das Seelsorgeteam wird vor Ort durch Pastor Suneel Kumar Pasupula ergänzt.
„Ich fühle mich allerdings nicht wie eine Notlösung“, betont die ehemalige Chemielaborantin Irene Lappe, „ich engagiere mich seit mehr als 30 Jahren im Pfarreirat und unsere Gemeinde ist mir wichtig. Trotz des Priestermangels muss das Kirchenleben weitergehen. Zudem setzen wir als Laien in der Gemeindeleitung eine Tradition fort, die ihre Ursprünge bei den Ur-Christen hat“, betont sie. Veronika Tarnow, geschäftsführende Vorsitzende des Kirchenvorstands, nickt zustimmend: „Wir erleben insgesamt, dass die Laiinnen und Laien stärker in den Blick genommen werden und Verantwortung übernehmen“, sagt sie. Dabei möchte sie nicht verschweigen, dass „die Amtskirche den Ehrenamtlichen da schon etwas zumutet“. Denn von den Leiterinnen werde viel Fachwissen verlangt, wenn sie etwa mit dem Bauausschuss beraten müssen, es um die Gemeindefinanzen oder Personalentscheidungen geht. „Die Entscheidung liegt letztlich bei den Gremien, unsere Aufgabe ist es, ihnen zuzuarbeiten“, erklärt Veronika Tarnow. Ihr kommt dabei zugute, dass sie mehr als 30 Jahre lang beim Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) beschäftigt war und gerade im Bereich Personal viel Wissen mitbringt. „Damit wäre man als Ehrenamtlicher ohne Vorkenntnisse womöglich schnell überfordert“, sagt sie.
Solange die Quirinuskirche eine Baustelle ist, werden die sonntäglichen Gottesdienste in der St.-Antonius-Kirche gefeiert. „Auch darüber haben wir im Beauftragtenteam beraten, die Gremien haben dann umgehend zugestimmt“, erklärt Barbara Hemping-Bovenkerk. Das aktuelle Beispiel zeige, dass die Gemeinde auch ohne einen leitenden Pfarrer weiterlebt. „Unsere Überschrift ist ,Das packen wir an‘ – und danach handeln wir. Man merkt, dass auch in den Gremien angekommen ist und allen an einer fruchtbaren Zusammenarbeit gelegen ist“, sagt die Pastoralreferentin.
Die Beauftragung zur Gemeindeleitung gilt insgesamt vier Jahre. Dann stehen wieder Pfarreirats- und Kirchenvorstandswahlen an, nach denen jeweils ein Mitglied pro Gremium in das Beauftragtenteam entsandt werden, um die Geschicke der Pfarrei weiter zu lenken.
Christian Breuer

