Debbie Coetzee-Lachmann spricht über ‚Ankommen in Deutschland‘
Mit der Fähigkeit, Brücken zwischen "menschlichen Inseln" zu bauen, verglich die Dr. Debbie Coetzee-Lachmann am Montag, 14. März, in der Familienbildungsstätte in Rheine die gewaltige Integrationsleistung, die angesichts der vielen Flüchtlinge in den kommenden Jahren auf die deutsche Gesellschaft warten wird.
"Wir schaffen das!", daran ließ die Sprachwissenschaftlerin keinen Zweifel. Die geistige Auseinandersetzung mit Problemen, die immer wieder nachhaltigen Lösungen, die Erinnerung an die schmerzhaften Erfahrungen in der eigenen Geschichte und das Sozialsystem seien dafür beste Voraussetzungen, betonte Debbie Coetzee-Lachmann.
Um mit dem "Brückenbau zwischen den menschlichen Inseln" beginnen zu können, müsse man die Verschiedenheiten der Gesellschaften erkennen. Deutlich unterscheide sich die vom Individualismus geprägt deutsche Gesellschaft von kollektivistisch geprägten Kulturen, aus denen viele Menschen vor Krieg und Gewalt flüchten. Oberste Priorität in letztgenannten Kulturkreisen habe nicht das Wohlergehen des Einzelnen, sondern das der Gemeinschaft.
Das Lächeln sei "ein emotionales Muster kollektivistisch geprägter Kulturen". Ausdruck finde dieses in einer geringeren Selbstverantwortung. Die "freundliche Unverbindlichkeit" stehe konträr zur deutschen Gesellschaft, in der man meine, was man sage: "Wenn ich in meiner südafrikanischen Heimat von Freunden die Zusage habe, meine kranke Mutter zu besuchen, so meldet sich vielleicht einer bei ihr. Wenn ich in Deutschland die Zusage habe, melden sich gleich alle", nannte Debbie Coetzee-Lachmann ein Beispiel.
Eine wichtige Rahmenbedingung für das gegenseitige Verständnis sei der Sprachunterricht. Um Missverständnissen vorzubeugen, empfahl Debbie Coetzee-Lachmann, den Flüchtlingen immer wieder zu erklären: "Wir machen das in Deutschland so, weil…" Gleichzeitig forderte sie von den Flüchtlingen Verantwortung für die eigene Integration: "Sie müssen neugierig darauf sein, wie die deutsche Gesellschaft tickt."
Mit den Anregungen zum ‚Ankommen in Deutschland‘ von Debbie Coetzee-Lachmann begann die Vortragsreihe des Lenkungskreises ‚Flüchtlingsarbeit Kirchen/Caritas‘, die bis in den Herbst hinein Ehrenamtlichen Anregungen und Mut für die Integrationsarbeit geben soll. Mit dem Thema ‚Miteinander – in guter Nachbarschaft‘ setzt die aus Rheine stammende und im ‚Café-Welcome‘ in Trier arbeitende Gisela Lohmöller die Reihe am Dienstag, 12. April, um 19.30 Uhr im Paulushaus der Pfarrei St. Dionysius in Rheine fort.
Bildunterschrift: Über das ‚Ankommen in Deutschland‘ und die damit möglichen Missverständnisse zwischen kollektivistisch und individualistisch geprägten Kulturen referierte am Montag, 14. März, die Sprachwissenschaftlerin Dr. Debbie Coetzee-Lachmann in der Familienbildungsstätte in Rheine.
Foto: FBS
Text: Bischöfliche Pressestelle / 15.03.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
