„Antisemitismus ist Angriff auf Menschenwürde und Demokratie“

, Bistum Münster

Wie kann der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden? Und was können die Kirchen dazu beitragen? Fragen, auf die bei einem Gespräch im Rahmen des NRW-Tages am 29. August Antworten gesucht wurden – unter anderem von Münsters Bischof Dr. Heiner Wilmer. Mit ihm auf der Bühne an der Überwasserkirche standen Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen), NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, sowie Moderatorin Eva-Maria Jazdzejewski von Münster Marketing. 

Sprachen auf der Bühne an der Überwasserkirche über gesellschaftlichen Zusammenhalt (von links): NRW-Ministerin Verena Schäffer, Moderatorin Eva-Maria Jazdzejewski, Bischof Heiner Wilmer und Präses Adelheid Ruck-Schröder.

© Bistum Münster

Beim Blick auf „80 Jahre NRW“ zeigte sich Wilmer dankbar, in einem Land zu leben, in dem freiwilliges Engagement geschätzt werde. „Das Ehrenamt ist der Kitt unserer Gesellschaft“, erklärte der Bischof. Wilmer würdigte all diejenigen, die sich in ihrer Freizeit für andere einsetzen: „Vor ihrem Engagement haben ich einen Riesenrespekt.“

Zusammenhalt, sagte die Präses der westfälischen Landeskirche, habe immer etwas mit Nächsten-, aber auch mit Selbstliebe zu tun: „Zusammenhalt kann dort wachsen, wo wir uns selbst und andere sehen.“ Ministerin Schäffer nannte dafür als Beispiel aus jüngster Vergangenheit die teils dramatischen Waldbrände: „In dieser Situation haben Menschen einfach mit angepackt: Feuerwehrleute, das THW, aber auch Landwirte mit notwendigem Gerät.“ Sie erwähnte als weitere Beispiele die Eltern, die Zeit in die Vereine der Kinder investieren, oder Nachbarn, die aufeinander Acht geben: „Der Zusammenhalt in NRW funktioniert gut“, ist die Überzeugung der Politikerin.

Schon während der Pilgertage vor seiner offiziellen Amtseinführung hatte Bischof Wilmer viel Rücksicht und Zusammenhalt im Bistum Münster erlebt: „Es war schön zu sehen, wie Diversität gelebt wird – getreu dem Evangelium: Im anderen erkenne ich meinen Nächsten.“

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmenden, im Austausch bleiben zu wollen, wenn es um die gemeinsame Verantwortung für die Gesellschaft geht. „Wir müssen miteinander reden und auch andere Perspektiven aushalten“, betonte Präses Ruck-Schröder und bezog sich dabei insbesondere auf das Thema Wehrpflicht.

Zusammenhalt impliziere auch Gerechtigkeit, fügte Schäffer an. Die Ministerin machte sich für gleiche Bildungschancen stark – unabhängig von sozialer Herkunft: „Jedes Kind und jeder Jugendliche hat ein Recht auf die beste Bildung.“

Abschließend wollte Moderatorin Eva-Maria Jazdzejewski wissen, wie man die Kirche zusammenhalte? Für Präses Ruck-Schröder spielt der Glaube an Gott und Jesus Christus als Fundament eine wichtige Rolle – egal, ob evangelisch oder katholisch. „Die Ökumene ist eine heilige Pflicht“, brachte es Bischof Wilmer auf den Punkt.  

Weil das Motto des NRW-Tages „Demokratie lebt. Vielfalt verbindet.“ vor den Landtagswahlen in einigen Bundesländern an Aktualität gewonnen hat, nutzten die Gesprächsteilnehmenden die Gelegenheit, rechte Strömungen zu verurteilen. Bischof Wilmer fand klare Worte: „Antisemitismus ist ein Angriff auf die Menschenwürde und auf die Demokratie: Antisemitismus ist eine Sünde!“ Ministerin Schäffer ergänzte diese deutliche Aussage: „Hass und menschenverachtende Einstellungen dürfen wir als demokratische Gesellschaft nicht akzeptieren, sie gefährden unser Zusammenleben!“

Gudrun Niewöhner