Michaela Büth begleitet Menschen mit Vergesslichkeit

, Kreisdekanat Coesfeld, Stadtdekanat Münster

Mit einem freundlichen „Guten Tag“ begrüßt Michaela Büth eine Bewohnerin im Altenzentrum am Südpark. Sie setzt sich zu ihr, schaut ihr in die Augen und wartet. Nach einem Moment antwortet die ältere Dame: „Können wir in den Garten gehen?“ Büth lächelt. „Das bekommen wir hin.“ Sie holt den Rollator, hilft der Bewohnerin auf und begleitet sie langsam zum Fahrstuhl.

„Das habe ich gelernt: Langsamkeit“, sagt Büth. Als Seelsorgerin und Spiritual-Care-Fachkraft begleitet sie mehr als 500 Menschen in den fünf Altenzentren der Caritas Münster. Jeden Tag ist sie in einer anderen Einrichtung unterwegs. Viele Bewohnerinnen und Bewohner leben mit kognitiven Einschränkungen. Michaela Büth vermeidet jedoch das Wort Demenz und spricht lieber von Vergesslichkeit. Dafür hat sie einen Grund: „Ich möchte auf den Menschen und seine Ressourcen schauen und nicht auf eine Krankheit.“

Immer mehr Menschen mit Vergesslichkeit ziehen in die Einrichtungen ein. Deshalb ist es der gelernten Krankenschwester und Pastoralreferentin besonders wichtig, ihnen mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen. Büth begleitet die Menschen spirituell und schaut mit ihnen situativ, was für sie in diesem Moment von Bedeutung ist. Die 56-Jährige feiert Gottesdienste, spendet Sterbesegen, gestaltet Abschiedsfeiern. „Zuerst einmal bin ich da und höre zu. Nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern auch ihren Angehörigen und den Mitarbeitenden“, berichtet sie.

Michaela Büth spricht mit einer Bewohnerin, die von hinten dargestellt ist.

Pastoralreferentin Michaela Büth richtet als Seelsorgerin in den Altenzentren den Blick auf die Fähigkeiten und die Würde von Menschen mit Vergesslichkeit.

© Bistum Münster

Die Gottesdienste feiert sie in der Kapelle oder auf der geschützten Station, manchmal ganz unkompliziert am Kaffeetisch im Gemeinschaftsraum. Vertraute Gebete und Lieder gehören dazu, aber auch Rituale und Symbole. Immer wieder erlebt sie Momente, die sie berühren und bewegen. In der Begleitung von Menschen mit Vergesslichkeit gehe es darum, sich auf ihre Lebenswelt einzulassen. „Ich gehe mit in ihre Welt und knüpfe an das an, was sie mir erzählen und was sich gerade zeigt.“

Dabei begegnen ihr neben den schönen Dingen des Alltags auch immer wieder Themen wie Verlust und Trauer, sowohl bei den Bewohnerinnen und Bewohnern als auch bei ihren Angehörigen. Der Abschied vom eigenen Zuhause, der Verlust vertrauter Fähigkeiten oder der Tod eines geliebten Menschen beschäftigen viele Menschen. Es geht um Emotionen und Nähe, um Begegnungen von Mensch zu Mensch. Für Büth zählt vor allem die Haltung, mit der sie anderen begegnet. „Und der Respekt vor dem, was sie in ihrem Leben erlebt haben und wie sie damit umgegangen sind.“

Für sie gehört Demenz mitten in die Gesellschaft. „Wir können auch anders darauf schauen“, sagt sie. Statt Menschen auf ihre Einschränkungen zu reduzieren, dürfe der Blick auf ihre Kraftquellen und ihre Persönlichkeit gerichtet werden. „Wie wollen wir als Gesellschaft Menschen in ihrer geistigen Fragilität des Alters begegnen?“, fragt Büth.  Sie lasse sich auf die im wahrsten Sinne des Wortes „ver-rückte“ Welt ihres Gegenübers ein und bekomme in diesen Begegnungen viel geschenkt.

Nur da zu sein, klinge zunächst einfach. Tatsächlich erfordere es viel Aufmerksamkeit und Präsenz. „Ganz da sein und auch mal gemeinsam schweigen und Schwere aushalten“, sagt Büth. Es seien der gegenwärtige Moment und die liebevolle Haltung in der Begegnung, durch die der Mensch als Person gesehen und in seiner Würde anerkannt werde. „Die Haltung zählt.“

Fortbildung zur demenzsensiblen Seelsorge

Im Vorfeld des Welt-Alzheimertages (21. September) laden Ulla Büssing-Markert vom Bistum Münster und Petra van Husen von der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld zu einem Fortbildungstag unter dem Titel „Demenz hat Zukunft“ ein. Er findet am Dienstag, 15. September, ab 9 Uhr in der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld statt. Die Veranstaltung richtet sich an seelsorgliche Begleitende, hauptamtliche Seelsorgende, Mitarbeitende in Einrichtungen der Altenhilfe sowie Engagierte in Gemeinden und pastoralen Räumen. Gemeinsam mit der Dozentin Antje Koehler, Seelsorgerin in der Gerontopsychiatrie, beschäftigen sich die Teilnehmenden mit der Frage, wie demenzsensible Seelsorge gelingen kann, wo bestehende Hürden liegen und was Begegnungen mit Menschen mit Demenz erleichtert.

Anmeldungen sind per E-Mail an yvonne.gattnar[at]kolping-ms.de möglich. Weitere Informationen im Internet gibt es unter Demenz hat Zukunft - Kolping Bildungsstätte Coesfeld

Michaela Kiepe