DFI_Doris Leifheit

Ich bin eine Domfrau weil…

Zu Beginn der "Domfrau" – Planung bin ich gefragt worden, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte. Nach Infos und einiger Zeit des Nachdenkens, habe ich mich für die "Domfrau" entschieden. Ich fand es sehr reizvoll, mich für einen bestimmten Ort im Dom entscheiden zu können und diesen den Besucherinnen und Besuchern vorzustellen.

Mein Domort ist das "Triumphkreuz" im Hauptchor. Ausgewählt habe ich es, weil mir dieses Kreuz, anlässlich einer Domführung bei der ein besonderer Blick auf die "Frauendarstellungen" fiel, und der Hinweis der Führerin, dass auch Jesus an diesem Kreuz nicht ein Lendentuch trägt, sondern ein Gewand (Kleid) trägt, sehr beeindruckt hat. Bei immer wiederkehrenden Besuchen des Domes habe ich mich so hingesetzt, dass ich den Blick auf das Kreuz hatte. Es wurde mir immer vertrauter und dann fiel die Wahl fast automatisch.

Das sogenannte "Triumphkreuz" hat eine lange Geschichte. Durch Untersuchungen während der letzten Domrestaurierung ist es sicher, dass dieses Kreuz tatsächlich für den ersten Dom gemacht worden ist und somit auch 750 Jahre alt ist. Damit ist automatisch eine wechselvolle Geschichte verbunden. Einige Punkte möchte ich benennen. Es hat die Widertäuferzeit überstanden, den Dreißigjährigen Krieg, den 1. und 2. Weltkrieg und sicherlich noch vieles mehr. Es ist auseinander gesägt worden, denn die Spuren sieht man bis heute. Es hat lange in einem nicht gerade guten Zustand im Kreuzgang gehangen. Unter Herrn Dompropst Alfers und der Bistumsleitung ist es dann Anfang der 70er-Jahre restauriert worden und hat dann im Jahre 1973 im Hochchor einen würdigen Platzgefunden.

Anlässlich der letzten Domrestaurierung ist auch das Kreuz ein weiteres Mal untersucht worden. Bei dieser Restaurierung, die zum Teil in der Uniklinik Münster im Rahmen einer CT-Untersuchung stattgefunden hat, ist dann das Alter von 750 Jahre bestätigt worden. Gleichzeitig stellte man fest, dass das Kreuz aus heimischem Buchenholz geschnitzt wurde. Insgesamt eine äußerst spannende Geschichte.

Als Domfrau habe ich erlebt, dass alle mir gern zugehört haben, oft überrascht waren und sich immer wieder auch durch Klatschen bedankten. Viele sind auch sehr nachdenklich weitergegangen. Mir selbst sind im Laufe der Zeit Kreuze verschiedenster Darstellung in den Blick gekommen, die ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte. Auch für mich war es eine sehr bereichernde Zeit.


Text: Doris Leifheit
Kontakt: medien[at]bistum-muenster.de