DFI_Ulrike Brentrup
Als Domfrau habe ich mir die Motivplatten (Ahnenschild) derer von Ketteler ausgesucht. Sie ist eine westfälische Adelsfamilie und der Name Ketteler rührt von Kesselhaken her, der sich im Wappen wiederfindet.
Der Kesselhaken war eine Vorrichtung zum Aufhängen des Kessels im offenen Ofen, speziell in großen Kaminen oder über freiem Feuer zum Kochen.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein, war der Fußboden des Domes mit großen Grabsteinplatten durchsetzt. In der Regel waren 5 Bronzeplatten in die Grabsteinplatte eingelassen. In der Mitte das Allianzwappen der Eltern in den Ecken die vier großelterlichen Wappen. Bei der Veränderung des Bodens gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden unter anderem die Bronzeplatten entfernt. 1921 erkannte man den historischen Wert und installierte die erhaltenen Restbestände an die Wände. Diese Platten sind hier stellvertretend für die Domherren von Ketteler.
Heute ist ein Domherr ein geistliches Amt in der katholischen Kirche. Vor dem 19. Jahrhundert bezeichnete der Titel adelige Männer. Domherren waren also nicht unbedingt Kapitulare, ja nicht einmal unbedingt geweiht, sondern nur Beamte geistlicher Fürsten.
Nikolaus Hermann von Ketteler beschloss die Kettelersche Kurie am Domplatz 23 auf seinem Grundstück einen "Kurial Wohnhoff" neu zu bauen. Heute sind dort die Domverwaltung und die bischöfliche Medienabteilung untergebracht.
Sie werden sich evt. Fragen: Warum interessieren mich Bronzeplatten?
Ganz einfach, meine Urgroßmutter war eine geborene Ketteler, allerdings ohne von. Das machte mich neugierig: Sind wir eventuell verwandt?
Frauen schauen oft nach ihren Wurzeln, sie halten die Familien zusammen, geben den Glauben weiter, kümmern sich. Bei meinen Recherchen stellte ich fest: es gab viele Ketteler die sich als Diplomaten, Domherren, Bischöfe, hervorgetan haben.
Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler 1811- 1877, der ein in Münster geb. Adelsspross war, wurde katholischer Arbeiterbischof von Mainz. Er gehörte zu den prägenden Figuren des sozialen Katholizismus im 19. Jahrhundert. Zuerst studierte er Rechtswissenschaften und Sprachwissenschaften, leistete seinen Militärdienst und ging in die juristische Laufbahn Preußens. Er quittierte den Staatsdienst aus Glaubens- und Gewissensgründen und studierte anschließend Theologie. 1844 (33 Jahre alt) wurde er zum Priester geweiht und wurde Bauernpastor in Hopsten 1847/1849. In der Landgemeinde erlebte Ketteler eine erschreckende Armut. Straßenbettelei waren an der Tagesordnung, weil es in der Folge einer verheerenden Missernte zu einer schweren Hungersnot gekommen war. Ketteler ging von Haus zu Haus, um zu erfahren, wo die Not am größten war, und um zu sehen, wer Abhilfe schaffen und etwas geben konnte. Er kümmerte sich aufopfernd um die Verteilung von Almosen und nahm seine Verwandten in Anspruch, um ganze Fuder Roggen nach Hopsten bringen zu lassen.
Seiner Anregung folgend entstand auch in Beckum ein Krankenhaus für die unteren Schichten. Es besteht heute noch.
1850 ernannt Papst Pius Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler zum Bischof von Mainz. Er war Mitglied 1871/72 des deutschen Reichstags. Unter dem Einfluss von Adolph Kolping erkannte er die Bedeutung der Sozialen Frage in der neu entstehenden Industriegesellschaft. Er setzte sich ein für einen gerechten Arbeitslohn, die Verkürzung der Arbeitszeiten, der Gewährung von Ruhetagen, d er Verbot von Kinderarbeit in den Fabriken usw.
Sein Aufruf an die katholischen Arbeiter sich zu organisieren war der Gründeraufruf für die katholischen Arbeitervereine u.a. für die KAB Seine Schriften bestimmen bis heute die Programmatik der Arbeitervereine. Es brachte ihm den Beinamen „Arbeiterbischof“ ein. Sein unermüdlicher Einsatz galt der Linderung des durch Armut, Krankheit und mangelnder Bildung hervorgerufenen Elends. Er hat seinen Glauben gelebt. Er war auch ein Großonkel von Clemens August Graf von Galen 1878-1946, auch bekannt als der Löwe von Münster
Sie sehen eine Familie mit vielen Gesichtern, interessanten Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit standen und stehen. Menschen, die den Mut hatten für ihren Glauben einzustehen und zu kämpfen, sowohl kirchenrechtlich, wie auch gesellschaftlich- und ich habe ihnen nur einen Bruchteil dieser Persönlichkeit beschrieben.
Meine Erfahrungen als DomFrau waren, dass die Menschen sehr interessiert und positiv meinen Ort aufgenommen haben. Ich habe Menschen kennengelernt die von mir gehört hatten und mich nun persönlich kennenlernten.
Die persönliche Herausforderung hat mir sehr gut gefallen. Es war für mich eine Bereicherung und ich hoffe für meine Zuhörerinnen und Zuhörer auch.
Text: Ulrike Brentrup
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