DFI_von Tils
Beim Bibelkreis wurde ich gefragt, ob ich Interesse hätte, bei den Domfrauen mitzuwirken. Da ich auf die Begegnung mit den anderen Domfrauen und auf die Gespräche mit den Dombesuchern gespannt war und mich außerdem gefreut habe, den Dom einmal aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen, habe ich mich dafür entschieden und als Domort die heilige Katharina gewählt.
Mit der Katharina von Alexandrien fühle ich mich auch dadurch verbunden, dass ich bei den Katharinenschwestern in Münster/Kinderhaus wohne.

Die aus Sandstein gefasste Figur befindet sich an der Nordseite des Mittelschiffs am mittleren Pfeiler gegenüber der Kanzel. Sie wurde um 1540 von Johann Brabender gefertigt, dessen Werke der Spätgotik im Übergang zur Renaissance zuzuordnen sind. Katharina hält in ihrer rechten Hand ein aufgeschlagenes Buch – die Neigung des Kopfes, der mit einer Krone geschmückt ist, und ihr Gesichtsausdruck deuten ein Lesen an. An ihrer linken Seite lehnt ein großes Schwert, auf dessen Parierstange ihre linke Hand liegt. Ein zerbrochenes Rad befindet sich an ihrer rechten Seite – der Standbeinseite.
Katharina von Alexandrien ist eine der bekanntesten Heiligen. Sie wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche als Märtyrin verehrt. Katharina gehört neben Margareta, Barbara und Dorothea zu den vier großen heiligen Jungfrauen und zählt zu den 14 Nothelfern. Sie wird bei Krankheiten der Zunge und der Sprache um Hilfe gebeten. Ihr Gedenktag ist der 25. November.
Der Legende nach war Katharina die Tochter des heidnischen Königs Costus und seiner Frau Sabinella aus Zypern. Nachdem sie zahlreiche Männer stolz abgelehnt hatte, führte ein Einsiedler sie zum christlichen Glauben und wies sie auf Jesus Christus als wahren Bräutigam hin. Katharina reiste nach Alexandrien, wo der römische Kaiser Maxentius während eines Feldzugs auch von Christen heidnische Opfer verlangte.
Katharina weigerte sich und bestand darauf ihre Argumente für das Christentum in einer Diskussion darzulegen. In einem Redewettstreit, zu dem der Kaiser seine 50 besten Gelehrten und Philosophen aufgeboten hatte, konnte Katharina alle Gelehrten von ihrem Glauben überzeugen. Alle ließen sich taufen und wurden dafür vom Kaiser auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Von Katharinas Intelligenz und Schlagfertigkeit beeindruckt, bot Maxentius ihr die Ehe an. Als Katharina sich weigerte, ließ er sie auspeitschen und ins Gefängnis werfen. Folterwerkzeug ihres Martyriums sollte das Rad sein. Auf Katharinas Gebet hin wurde das Folterinstrument zerstört. Dieses Wunder brachte das Volk, die Garde und sogar die Kaiserin, die sich daraufhin selbst zu Christus bekannte, auf Katharinas Seite. Letztendlich wurde Katharina enthauptet. Faszinierend in der Auseinandersetzung mit der Hl. Katharina ist für mich ihr Mut, ihre Klugheit und ihre Überzeugungskraft im Glauben.
Als Domfrau konnte ich den Dom als Ort der Begegnung erleben. In den Gesprächen mit den Besuchern habe ich erfahren, dass viele großes Interesse an der heiligen Katharina haben und ihr Name sehr beliebt ist. Vielen Menschen war es wichtig, von sich selbst und ihrer Geschichte zu erzählen. So durfte ich viele interessante und für mich bereichernde Gespräche führen. Gefreut habe ich mich auch, dass einige von meinen Freunden und Bekannten sich für die Domfrauen interessiert und mich im Dom „besucht“ haben.
Der Austausch mit den anderen Domfrauen und der gute Zusammenhalt der Gruppe und besonders das gemeinsame Segensgebet zu Beginn und am Ende bedeuten mir viel.
Text: Marietheres Stockhofe-Fernandes
Mail: Frauen[at]bistum-muenster.de
