Seit nunmehr 60 Jahren engagieren sich auch die münsterländischen Grabesritter mit kontinuierlich starkem Einsatz für die Christen im Heiligen Land. Am Samstag, 20. Juni, begeht die regionale Komturei St. Ludgerus Münster ihr 60-jähriges Jubiläum. Ihr gehören rund 50 Damen und Ritter an, unter ihnen auch Diözesanadministrator Antonius Hamers. „Großprior“ des päpstlichen Ritterordens ist der Münchener Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx. Weniger bekannt ist, dass die Gemeinschaft nicht aus der Zeit der Kreuzzüge stammt. Sie verdankt ihren Ursprung dem seit dem 14. Jahrhundert belegten Brauchtum mittelalterlicher Ritter, am Ort von Kreuzigung und Auferstehung Christi den Ritterschlag zu empfangen. Wichtig für die Entwicklung des Ordens war die Wiedererrichtung des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem im Jahr 1847. Anfangs stand der Papst selbst an der Spitze der Grabesritter. Pius XI. übertrug das Amt des Kardinalgroßmeisters einem Kurienkardinal. Die Komturei Münster, heute eine von 38 Komtureien in Deutschland, wurde 1966 gegründet. Die Ordensmitglieder leisten nicht nur finanzielle Hilfe, sondern verstehen sich auch als spirituelle Gemeinschaft, die sich regelmäßig trifft zu Einkehrtagen, Vorträgen und Gesprächen, zu Wallfahrten, Gottesdiensten und dem monatlichen Friedensgebet. Leitender Komtur ist im Jubiläumsjahr der Mediziner Dr. Wolfgang Clasen, Prior ist Domkapitular Gerhard Theben.
Der Blick richtet sich gerade zum Jubiläum des Ordens auf die prekäre Lage der christlichen Minderheiten in Israel und Palästina. Sie verschärft sich seit Jahren dramatisch, nicht zuletzt durch den Krieg im Gazastreifen und die Angriffe jüdischer Siedler im Westjordanland. Die einheimischen Christen kämpfen um ihr religiöses Erbe, inzwischen auch um das nackte Überleben. „Sollen wir bleiben oder lieber gehen?“, fragen sich viele. Der Ritterorden vom Heiligen Grab mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem an der Spitze verfolgt keine politischen Ziele. Doch die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, Tourismus und Pilgerschaft sind nahezu zum Erliegen gekommen. Umso wichtiger ist die finanzielle Hilfe aus Deutschland und aller Welt. Auch darum wird es beim Jubiläumstreffen Ende Juni in Münster gehen, wenn die Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Cornelia Kimberger (Fürth), über die sehr ernste Lage im Heiligen Land berichtet. Sie steht in ständigem Austausch mit Partnern in Israel und Palästina. Als besonderen Ansporn empfinden es die Grabesritter, dass in der Budgetplanung der Deutschen Statthalterei für 2026 rund 1,7 Millionen Euro für das Heilige Land anvisiert werden: unter anderem für Flüchtlingshilfe und Seelsorgeaufgaben, Bauprojekte, Ausbildungsunterstützung, Schulen und Pfarreien sowie humanitäre Hilfen. Die Unterstützung des Lateinischen Patriarchats umfasste seit Beginn des Gazakriegs unter anderem 1,5 Millionen Mahlzeiten und 700 Tonnen Nahrungsmittel. Patriarch Kardinal Pierbattista Pizzaballa sagte in Jerusalem: „Christus ist nicht abwesend. Er ist da – gekreuzigt in den Verwundeten, begraben unter Trümmern und doch gegenwärtig in jedem Akt der Barmherzigkeit, in jeder Hand, die sich den Leidenden entgegenstreckt.“
Karl Hagemann
