Dioezesanrat berät über Finanzentwicklung

"In wenigen Jahren stehen wir an einem Wendepunkt der Kirchensteuereinnahmen", das hat der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung und Finanzchef im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Ulrich Hörsting klargestellt:

"Der Zeitpunkt, an dem die Einnahmen des Bistums die Ausgaben nicht mehr decken, wird kommen". Hörsting erläuterte den 45 Mitgliedern des Diözesanrats am Freitag, 24. Oktober 2014, im Franz-Hitze-Haus in Münster die Finanzentwicklung des Bistums. Der Diözesanrat ist das oberste synodale Beratungsgremium des Bistums.

"Die positive Einnahmesituation der letzten Jahre darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der demografische Wandel und die hohen Kirchenaustrittszahlen erheblichen Einfluss auf den Etat haben werden", sagte Hörsting und empfahl der Bistumsleitung und dem Diözesanrat, rechtzeitig einen Sparkurs einzuschlagen.

Die gute Einnahmesituation der letzten Jahre sei zum Teil zum Aufbau von Rücklagen verwendet worden. Diese solide Finanzpolitik der letzten Jahre gebe die Chance, den Sparkurs behutsam einzuleiten, schilderte Hörsting. Für 2014 rechne der nordrhein-westfälische Teil des Bistums Münster mit einem Überschuss von zwei Millionen Euro. "Die Rücklagen ermöglichen einen gleitenden Übergang, lösen das Problem aber nicht, weil nicht mehr ‚bessere Zeiten’ zu erwarten sind", sagte Hörsting.

Das Bistum stehe in der Pflicht, Tarif- und Sachkostensteigerungen einzuplanen und die Versorgungslasten abzusichern. Höhere Kosten verursachten auch die technischen Entwicklungen, etwa im Bereich Datenverarbeitung und Informationstechnologie. In jüngster Zeit seien zudem neue Stellen für die Entlastung der Priester und Kirchenvorstände eingerichtet wordenund damit Mehrkosten hinzugekommen, indem Verbundleitungen geschaffen und Verwaltungsreferenten eingestellt worden seien.

Der Finanzchef rechnete vor, dass sich in 2014 die Personalkosten des Bistums auf 122,3 Millionen belaufen. Die Personalkosten würde 70 Prozent des Haushalts ausmachen. Der Unterhalt der etwa 3.000 Gebäude in den Kirchengemeinden und im Bistum belaufe sich auf rund 55 Millionen Euro.

Generalvikar Norbert Kleyboldt machte deutlich, dass nicht alle Immobilien zu unterhalten seien: "Wir müssen uns von Gebäuden trennen. Von Pfarrhäusern, die nicht mehr benötigt werden, aber auch von Kirchen, deren Unterhalt unsere Möglichkeiten übersteigen". Das Bistum könne auch wegbrechende Mittel der öffentlichen Hand nicht ersetzen. "Ich wünsche mir, dass wir auch im Diözesanrat nach Wegen suchen, welche Schwerpunkte im Haushaltsplan zu setzen sind", sagte Kleyboldt.

Auf eine neue Informationsschrift der Deutschen Bischofskonferenz zur Kirchensteuer verwies Bischof Dr. Felix Genn. In den letzten Monaten habe es in der Öffentlichkeit Irritationen zum neuen Erhebungsverfahren der Kirchensteuer auf die Kapitalertragssteuer gegeben. "Dabei wird keine neue Kirchensteuer eingeführt und keine bestehende Kirchensteuer erhöht. Es ändert sich lediglich das Verfahren, in dem die bereits zuvor in gleicher Höhe bestehende Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer erhoben wird", betonte der Bischof.

Genn stellte auch eine Publikation der deutschen Bischöfe zur Sterbehilfe vor. Die medizinische, pflegerische und seelsorgliche Begleitung Schwerstkranker und Sterbender müsse im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen. Eine Hilfe bei einer Selbsttötung dürfe es nicht geben. "Die katholische Kirche spricht sich nachdrücklich gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zur Selbsttötung aus", stellte Bischof Genn klar. Diese Haltung sei keine Sonderethik der Kirche, sie schütze Humanität. Der Bischof bat die Diözesanratsmitglieder, sich engagiert in die derzeit laufende Debatte um die Sterbehilfe einzubringen.

Zu Beginn der Diözesanratssitzung hatte Genn von seinem Besuch in der Partnerdiözese Tula in Mexiko und vom engagierten weltkirchlichen Engagement berichtet, das dort von den Partnerschaftsinitiativen geleistet werde. Ebenso beeindruckt schilderte der Bischof seine jüngsten Besuche in sozialen und karitativen Einrichtungen des Bistums, etwa im Vinzenzwerk in Münster oder in den Caritas-Ausbildungsstätten in Rheine, wo junge Menschen auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden. "Wir dürfen im sozialen Engagement, das auch von sehr vielen Ehrenamtlichen geleistet wird, nicht nachlassen." Generalvikar Kleyboldt ergänzte, dass viele Pfarreien und ehrenamtliche Gruppen in der Hilfe von Flüchtlingen eingebunden seien. Dort, wo schnelle Hilfe benötigt werde, ermögliche das Bistum unbürokratische Unterstützung.

Die Diözesanratsmitglieder berieten darüber hinaus über den Diözesanpastoralplan und die darin enthaltene "Option für die Einladung zum Glauben". Einer Personalie folgte der Diözesanrat einstimmig: Hugo Uebbing aus Rees wird den Vorstand des Diözesankomitees der Katholiken als Diözesanratsmitglied ergänzen.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de