Diözesanrat beschließt künftige pastorale Schwerpunktsetzungen
Auf vier pastorale Schwerpunktsetzungen hat sich der Diözesanrat im Bistum Münster auf seiner Sitzung am 22. September in Münster grundsätzlich verständigt und ein Arbeitspapier dazu verabschiedet. Zum einen soll künftig stärker im Blick sein, dass jede Form von Seelsorge geprägt wird von dem jeweiligen Lebenskontext der Menschen.
Seelsorge soll nahe beim Menschen sein, mit dem Menschen mitgehen und für neue Perspektiven offen sein. Zum zweiten soll das Taufbewusstsein aller Katholiken gestärkt werden; Getaufte sollen mehr Verantwortung übernehmen. Auch sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene künftig als wichtigste Zielgruppe der Seelsorge besonders in den Blick genommen werden. Schließlich sollen in der Seelsorge verstärkt Experimente gewagt werden, Neues soll ausprobiert werden. Wichtig war dem Diözesanrat zu betonen, dass die Evangelisierung das gemeinsame Fundament aller pastoralen Prioritäten ist: „Die Ressourcen und Kräfte sind genau darauf hin zu konzentrieren, dass Kirche ihre Sendung in der Welt von heute verwirklicht", heißt es im Beschluss. Evangelisierung sei nicht eine Priorität unter anderen, sondern „so etwas wie das Fundament und die Identität von Kirche schlechthin".
Im Blick auf die erste Priorität, die sogenannte kontextuelle Seelsorge, unterstreicht der Diözesanrat, dass sie sich „aus bestimmten Gelegenheiten und Zusammenhängen in der Perspektive des Evangeliums" ergebe. Konkret solle es künftig etwa verstärkt darum gehen, dass das Bistum seelsorgliche Begleiter in der Kranken-, Behinderten- und Altenseelsorge ausbilde. Gefragt seien dabei ehrenamtliche oder teilfreigestellte Begleiter, die neugierig, offen, fragend und suchend seien. Auch sollen Ehrenamtskoordinatoren ausgebildet werden, und vor Ort soll die Zusammenarbeit zwischen Pfarreirat und Kirchenvorstand gefördert und verbessert werden.
Hinsichtlich der zweiten Priorität, die Getaufte stärker in die Verantwortung nehmen will, betont der Diözesanrat, dass damit nicht einfach, „die Lücken, die durch fehlende Priester oder fehlende hauptberufliche Ressourcen entstehen, in Form einer stärkeren Verantwortung durch freiwillig Engagierte" gefüllt werden sollen. Vielmehr bildeten freiwillig Engagierte als Getaufte Kirche. Konkret bedeute das etwa, dass Rahmenbedingungen und Strukturen für freiwillig Engagierte mit klar zugeordneter Verantwortlichkeit geschaffen werden müssten. Wege kooperativer Leitungsformen müssten weiter entwickelt werden, Hauptamtliche sollten darin gestärkt werden, ihre Rolle als Ermöglicher und Ermutiger zu schärfen.
Um die dritte Priorität, die junge Menschen als zentrale Zielgruppe der Seelsorge in den Fokus rückt, umsetzen zu können, rät der Diözesanrat dazu, Orte jenseits der Pfarreien zu stärken, die von jungen Menschen besucht werden wie etwa Veranstaltungen oder auch das Internet: „Die Beziehung zu den Menschen ist Ort der Evangelisierung", wird betont. Ziel einer solchen Seelsorge sei es nicht, potentielle Kirchenmitglieder zu gewinnen, sondern „Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass sie gut ins Leben kommen und in dieser Welt gut leben können." Konkret könne etwa daran gedacht werden, die Kinder- und Jugendarbeit in der Pfarrei mit Akteuren anderer Institutionen sowie mit Einrichtungen und Orten zu vernetzen, an denen Kinder und Jugendliche einen Großteil ihrer alltäglichen Zeit verbringen. Besonders sollen auch die jungen Menschen begleitet werden, die in schwierigen Situationen oder an Wende-Punkte stehen. Auch soll es Angebote für benachteiligte Kinder und Jugendliche geben. Ausdrücklich, so betont der Diözesanrat, würden vor dem Hintergrund dieser Schwerpunktsetzung Verantwortliche in der Seelsorge aufgefordert, „Wagnisse einzugehen und Neues auszuprobieren" und dafür Zeit einzusetzen, die dann für anderes nicht mehr zur Verfügung stehe.
Dies soll aber nicht nur für die Seelsorge mit jungen Menschen gelten. Denn insgesamt formuliert der Diözesanrat als vierte Priorität, dass bewusst Experimente gewagt werden sollen und Neues ausprobiert werden soll. „Kirche versteht sich in diesem Zusammenhang als lernende Organisation, die hingeht zu den Menschen, die sich nicht abschottet und Tradition und Innovation nicht gegeneinander ausspielt", heißt es im Beschluss. Konkret sollen etwa Ressourcen bewusst für neue Wege in der Seelsorge eingesetzt werden, eine Vielfalt gottesdienstlicher Formen soll ermöglicht werden, auch außerhalb von Kirchenräumen sollen Orte des gelebten Glaubens entdeckt werden.
Neben der Festlegung auf die pastoralen Schwerpunktsetzungen sprach der Diözesanrat auch über Tätigkeitsfelder, die in Zukunft nachrangig behandelt werden können. Künftig soll die katholische Kirche im Bistum Münster nur insofern in einem Feld tätig bleiben, als die konkrete Einrichtung oder Tätigkeit vor Ort mit der Umsetzung der Prioritäten in Verbindung steht. Das sei eine fundamentale Neuorientierung, betont der Diözesanrat. Daraus folge, das immer auf den Einzelfall geschaut werden müsse. Die Überprüfung solle anhand von Kriterien erfolgen, die sich an den Prioritäten und Posterioritäten orientieren.
Zu Beginn der Sitzung hatten Bischof Dr. Felix Genn und Generalvikar Dr. Norbert Köster über aktuelle Themen und Entwicklungen im Bistum informiert. Themen waren unter anderem der Katholikentag im kommenden Jahr, die Entwicklung von neuen Leitungsmodellen für die Pfarreien sowie die Umstellung des Haushaltes auf die sogenannte doppische Haushaltsführung, die es künftig ermöglicht, das Vermögen des Bistums darzustellen.
Der Diözesanrat ist das oberste synodale Mitwirkungsgremium, durch das die Gläubigen des Bistums an der Leitung des Bistums durch den Bischof teilnehmen. Aus den vielen Feldern kirchlicher Arbeit kommen hier Vertreterinnen und Vertreter zusammen, um an den zentralen Entscheidungen im Bistum mitzuwirken.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 23.09.2017
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Foto: Bistum Münster
