Domkapitular Böcker online sehr aktiv

Während andere in seinem Alter Socken stricken oder im Garten arbeiten, surft der emeritierte Münsteraner Domkapitular Walter Böcker lieber im Internet. "Ich weiß keinen Freund, der das Internet nutzt", sagt er.

Ob bei Facebook oder auf der eigenen Homepage – in Sachen Online-Präsenz macht dem fast Achtzigjährigen keiner etwas vor. Via Internet sucht er den Kontakt zu Menschen und kann damit seinen Beruf und seine Hobbys verbinden. Am 20. August feiert Walter Böcker seinen 80. Geburtstag – und wird dann sicher auch viele Glückwünsche via Facebook erhalten.

Schon sehr früh hat Böcker Zugang zum Internet gefunden. Als Seelsorgeamtsleiter im Bischöflichen Generalvikariat (BGV) in Münster – eine Funktion, in der er zwanzig Jahre von 1984 bis 2004 tätig war – und Geistlicher Beirat des Diözesankomitees machte er sich sehr früh mit den neuen Techniken vertraut. Auch inhaltlich setzte sich Böcker immer wieder mit dem Thema "Kirche und Medien" auseinander. Walter Böcker ist der Meinung, dass "wir uns auch als Seelsorger verstärkt im Internet auskennen müssen und es nutzen sollten". Als Diözesanseelsorger lag dem emeritierten Domkapitular schon immer der Kontakt zu Menschen und die Kommunikation mit Menschen am Herzen: "Ich mache gerne da mit, wo die Menschen sind!"

Und ganz vielen Menschen ist Walter Böcker im Laufe seines priesterlichen Dienstes in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen begegnet. Alle Funktionen und Ämter, die er bekleidet hat, aufzuzählen, ist unmöglich. Geboren 1934 in Lünen, war er nach seiner Priesterweihe 1962 zunächst Kaplan in Duisburg. 1968 wurde er Diözesanjugendseelsorger sowie Diözesanpräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Leiter des Referates Jugendseelsorge und Jugendbildung im BGV. 1973 wurde er Bundespräses der Frauenjugend im BDKJ und Rektor des Jugendhauses Düsseldorf. 1981 wurde er Propst an der Basilika in Xanten und an der Propsteikirche St. Viktor, ehe er 1984 die Leitung der Hauptabteilung Seelsorge im BGV übernahm und gleichzeitig Dompfarrer wurde. 1987 wurde er Domkapitular am St.-Paulus-Dom in Münster. Von 2002 bis 2004 war er Geistlicher Beirat des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, dem obersten Laiengremium.

Junge Leute, Frauen und Laien – Walter Böcker hatte für alle Gruppen in der Kirche immer ein offenes Ohr und hat auch den Austausch über schwierige Themen nie gescheut. Kommen heute allerdings neue technisch-komplizierte Dinge auf ihn zu, greift er gerne auf die Kompetenzen der jüngeren Generation zurück, die hiermit aufgewachsen ist. So erklärten ihm die Enkel seiner Freunde die Bedeutung von WLAN und was eine SIM-Karte eigentlich ist. Medienkenntnis und Medienkompetenz hält der emeritierte Domkapitular für wichtig, "damit man weiß, wie man die Medien gut und gezielt einsetzen kann." Seiner Ansicht nach sollten besonders junge Menschen lernen, richtig mit den Internet und auch mit den Gefahren im Netz in Zeiten von NSA-Affären und Abhörskandalen umzugehen: "Das Abhören sogar unter ‚Freunden’ ist ein Riesenproblem."

Böcker selbst hat vor solchen Problemen jedoch keine Angst. Er nutze das Internet, um Menschen zu erreichen, auch und gerade die, die kaum Kontakt zur Kirche haben. Seine Privatsphäre sieht er dabei nicht in Gefahr. Vielmehr bietet ihm das Netz die Möglichkeit, zu kommunizieren und Menschen kennen zu lernen. Vor allem Facebook nutzt er als eine Plattform, auf der er seinen Beruf als Seelsorger auch im "Ruhestand" weiter ausüben kann. Durch das Einstellen und Teilen von Inhalten bekommt er Kontakt zu Menschen, die er sonst nicht erreichen würde: "Das Teilen und Herausgeben von Einträgen ist für mich auch ein Instrument der Seelsorge."

Auch als Informationsquelle nutzt Walter Böcker das Netz, vor allem Google und Facebook. "Als Emeritierter ist man von vielen Infos abgeschnitten", bedauert er. Durch seinen Computer oder sein Ipad bekäme er vieles mit, was er sonst gar nicht wissen würde. "Und die Kommunikation über das Internet reicht ja sogar bis hin zum Papst", lacht Böcker. Indem er sich etwa jüngst die Fotos und Texte von der Ministrantenwallfahrt nach Rom auf der Facebookseite des Bistums Münster angeguckt habe, fühle er sich besonders verbunden mit den Messdienern und erinnere sich daran, dass er selbst in den Achtzigern die Wallfahrt nach Rom geleitet hat, sagt er.

Aber nicht nur für seinen Beruf und seine Berufung nutzt er das Internet. Auf seiner Homepage stellt er etwa seine beiden Spitze Benni und Blacky vor und hält über E-Mail und Facebook Kontakt zu Züchtern und Tierliebhabern. Auch seine Verbindung zum St.-Paulus-Dom wird deutlich. So kann man einen Rundgang durch den Dom zu Münster machen, es findet sich eine umfangreiche virtuelle Dombibliothek, eine ausgewählte Linkliste sowie das Domgeläute. In einem Gästebuch lädt er zu Einträgen ein.

"Das Internet und auch die Kommunikation über das Netz ist gut und nötig, ersetzt aber nicht den persönlichen Kontakt", betont Walter Böcker. Seinen 80. Geburtstag feiert er deswegen nicht wie man vielleicht vermuten würde über einen Video-Chat, sondern mit eingeladenen Gästen im Franz-Hitze-Haus in Münster. Auf die Frage nach seinen Wünschen antwortete er schnell: "Ich habe wirklich alles, ich brauche nichts!" Deswegen ruft er seine Gäste auch in diesem Jahr zu einer Spende für den Stiftungsfonds "Kinder in Not" der Caritas auf.

Wer nicht zu seinem Geburtstag eingeladen wurde oder nicht daran teilnehmen kann, der kann Walter Böcker aber eben auch auf anderen Wegen erreichen. Ob auf seiner Facebook-Pinnwand oder im Gästebuch seiner Homepage (www.boecker.st-paulus-dom.info) – der emeritierte Domkapitular freut sich über jeden Kontakt und wird den sicher zahlreichen Gratulanten auch auf diesen Wegen antworten.

Text: Lena Höckerschmidt
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de