© Magnus Gerritsen

Don´t forget

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

Künstlerin Birthe Blauth startet für Skulptur Projekte 2027 Kooperation mit Akademie Franz Hitze Haus und Pfarrei St. Joseph Münster-Süd.

(K)Ein ganz normaler Donnerstagvormittag auf dem Prinzipalmarkt: Zwischen Passanten, Fahrradfahrern und Lieferverkehr wuselt eine aufgeregte Gruppe in schwarzen T-Shirts vor dem Friedenssaal herum. Dann sammelt sie sich und ruft: „Don’t forget! Eine Skulptur in drei Akten! Get involved!“ Schließlich erklingen die letzten Zeilen aus der Schlussarie der Oper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell.

Es war ein Kickoff der besonderen Art – zum Kunstprojekt von Birthe Blauth, dass sie anlässlich der Skulptur Projekte 2027 als Projekt in Kooperation mit der Akademie Franz Hitze Haus und der Pfarrei St. Joseph Münster-Süd realisieren wird. Gut ein Jahr vor der Installation markierte dieser Moment zugleich den Auftakt einer Crowdfunding-Kampagne. Bereits in der Konzeption wird deutlich: „Don’t forget!“ ist kein statisches Kunstwerk, sondern ein sich über längere Zeit entwickelnder Prozess. Die Arbeit entsteht im Zusammenspiel mit der Stadtgesellschaft und verbindet urbanen und kirchlichen Raum miteinander.

Im Zentrum des Projekts stehen Fragen nach Vergänglichkeit, Zerstörung und Transformation sowie nach der Fragilität kultureller Werte. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Verunsicherungen erhält insbesondere der Akt der Zerstörung eine zusätzliche Dringlichkeit.

Die dreiteilige Dramaturgie entfaltet diese Dimensionen, erklären die Initiatoren: Im Frühjahr 2027 sind Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen eingeladen, Porzellan in die Kirche St. Joseph an der Hammer Straße zu bringen. Das Material fungiert dabei als Symbol für Wertigkeit, Erinnerung, Tradition und bürgerliche Identität. In der Sammlung entsteht ein kollektiver Erinnerungsraum, in dem persönliche Geschichten und gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar werden. Im zweiten Schritt wird das Porzellan im öffentlichen Raum zerstört. Begleitet von Purcells Arie „When I am laid in earth“ verdichtet sich der Moment zu einer Erfahrung von Verlust und Endlichkeit. Die Zerstörung verweist auf das Brüchigwerden von Identität in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und stellt zugleich Bezüge zur Geschichte Münsters her – von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bis zum Selbstverständnis der Stadt als Friedensstadt.

Im Frühjahr 2027 sind Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen eingeladen, Porzellan in die Kirche St. Joseph an der Hammer Straße zu bringen.

© 3D Visualisierung/Manuel Rumpf

Im dritten Schritt werden die Fragmente in eine neue Form überführt. Aus den Scherben entsteht eine dauerhafte Stele vor der Akademie Franz Hitze Haus. Der Transformationsprozess macht sichtbar, dass Neues entsteht – jedoch unter dem Zeichen des Bruchs. In den drei Akten der Skulptur wird deutlich: Jede und jeder Einzelne trägt Verantwortung dafür, ob Werte geschützt oder zerstört werden. Beteiligung sei dabei nicht nur künstlerisches Mittel, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Haltung, betonen die Initiatoren. 

Der Kirchenraum wird dabei als aktiver Deutungsraum verstanden. Die Sammlung in St. Joseph schafft gemeinschaftliche Erinnerung, während Zerstörung und Transformation Fragen nach Kontinuität, Verlust und Neubeginn aufwerfen. Die Akademie Franz Hitze Haus fungiert ergänzend als Ort der Reflexion und des Dialogs. Birthe Blauth ist für ihre sensiblen, ortsspezifischen Arbeiten bekannt, in denen Material, Raum und Zeit in eine präzise Beziehung gesetzt werden. Mit „poem of pearls“ (documenta fifteen, Kassel, 2022) und der Installation „Eternity“ (2024) in der Bremer Liebfrauenkirche machte sie Vergänglichkeit und Zeit als physisch erfahrbare Prozesse sichtbar. In Münster führt Blauth diese Arbeitsweise fort und erweitert sie um eine starke partizipative und gesellschaftspolitische Dimension.

„Don’t forget!“ ist auf Mitwirkung angelegt – konzeptionell wie praktisch. Zur Umsetzung wurde eine Crowdfunding-Kampagne initiiert, die zur Unterstützung einlädt und es ermöglicht, Teil des Projekts zu werden.

Mehr Informationen zu Skulptur Projekte 2027 finden Sie hier.

Text: Pfarrei St. Joseph Münster-Süd
Bild: Magnus Gerritsen - Auftakt auf dem Prinzipalmarkt zum Kunstprojekt von Birthe Blauth, das sie anlässlich der Skulptur Projekte 2027 als Projekt in Kooperation mit der Akademie Franz Hitze Haus und der Pfarrei St. Joseph Münster-Süd realisieren wird.