Ein hoffnungsvoller Ort
Dreimal, manchmal viermal in der Woche fährt Barbara Rosema-Tepe bei ihrem Vater vorbei. Meistens auf dem Rückweg vom Einkaufen. Sie schaut, ob alles in Ordnung ist, die Kerze auf dem Grab brennt. "Es hat es verdient", sagt die Tochter, lächelt und schneidet mit einer Rosenschere weiter an der kleinen Lorbeerhecke auf dem Saerbecker Friedhof.
Die Sommerblumen sind schon raus. Barbara Rosema-Tepe hat winterharte Bodendecker mitgebracht: "Das ist jetzt so die Zeit." Zum 1. November, dem Fest Allerheiligen, bepflanzen viele die Gräber ihrer Angehörigen neu. Auch damit wollen sie der Verstorbenen gedenken. Eine gute Tradition, findet Barbara Rosema-Tepe.
Gerade das Erinnern macht für die gläubige Katholikin den Friedhof zu einem hoffnungsvollen Ort: "Er verbindet Leben und Tod." Weil der Saerbecker Friedhof zentral im Ort liegt, kommen viele eben mal vorbei. Besonders für die Älteren ist so Gelegenheit, ohne Verabredung andere zu treffen, ein Pläuschchen zu halten, sich über "Gott und die Welt" auszutauschen.
Auf dem Friedhof, weiß Barbara Rosema-Tepe, die einige Jahre Mitglied im Pfarreirat von St. Georg war, hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Seit November 2008 gibt es eine Gedenkstätte für Sternenkinder, für Kinder, die vor oder direkt nach der Geburt gestorben sind. Erst kürzlich wurde eine Gemeinschaftsgrabanlage eingeweiht. Damit reagierte der Friedhofsausschuss im Kirchenvorstand auf die sich verändernde Bestattungskultur. Außerdem wurden die Gruften der alten Saerbecker Bauernfamilien mit deren Einverständnis verkleinert. So wurde Platz für künftige Beerdigungen geschaffen.
Wie sehr sich auch die Frömmigkeit gewandelt hat, lasse sich an den Grabsteinen erkennen. Als ihr Vater 1993 starb, musste es ein dunkler, polierter Stein mit einem Kreuz sein. Ganz klassisch. Wenn Barbara Rosema-Tepe heute über den Friedhof blickt, sieht sie moderne Skulpturen, wahre Kunstwerke, die oftmals persönlich gestaltet sind – wie die übergroßen Legosteine auf einem Kindergrab oder das winzige Lenkrad am Grabstein des jungen Mannes, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Schon unzählige Male ist sie an beiden Gräbern vorbeigegangen. Für Barbara Rosema-Tepe bleiben sie immer besonders: "Man hält inne."
Die Blumen auf dem Grab ihres Vaters sind inzwischen verteilt, die Erde frisch gelockert. Zum Schluss wird der Sandweg vor der Grabstätte schnell noch geharkt – eine Eigenart der Saerbecker, über die Barbara Rosema-Tepe selbst ein wenig schmunzelt: "Einer muss damit anfangen, dann machen es alle…"
An Allerheiligen wird sie mit ihrer Mutter und dem Rest der Familie zum Friedhof gehen, eine Kerze anzünden. Ihr Enkel Oskar wird dabei sein und den Uropa besuchen. Abends dann, wenn der Tag fast vorbei ist, macht sich Barbara Rosema-Tepe gerne erneut auf den Weg: "Die vielen rot-leuchtenden Grabkerzen in der Dunkelheit – das ist ein beeindruckendes Bild mit Gänsehautcharakter." Und ein sichtbares Zeichen, dass die Verstorbenen nicht vergessen sind…
Stichwort: Allerheiligen und Allerseelen
Am 1. November feiert die katholische Kirche das Fest Allerheiligen. Sie sieht in einem Heiligen einen Christen, der den Glauben konsequent gelebt hat. In den Heiligen hat sich nach katholischem Verständnis die Erlösung Christi verwirklicht. Daher weist die Verehrung der Heiligen letztlich auf Christus hin.
Am folgenden Tag gedenkt die Kirche aller Verstorbenen. Der Allerseelentag (2. November) etablierte sich vom französischen Benediktinerkloster Cluny ausgehend um die Jahrtausendwende. In Allerseelenandachten, die oftmals bereits am Nachmittag von Allerheiligen stattfinden, halten die Gläubigen Fürbitte für die Toten, in Prozessionen ziehen sie zu den geschmückten Gräbern, um dort Kerzen anzuzünden.
Beide Feste - Allerheiligen und Allerseelen - gründen in dem christlichen Glauben, dass Jesus Christus durch sein Leben, Sterben und Auferstehung allen Menschen ein Weiterleben nach dem Tod ermöglicht hat. Damit haben diese beiden Tage einen österlichen Charakter.
Bildunterschrift: Weil ihre beiden Geschwister auswärts wohnen, kümmert sich Barbara Rosema-Tepe zusammen mit ihrer Mutter um das Grab ihres 1993 verstorbenen Vaters auf dem Saerbecker Friedhof.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 27.10.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Gudrun Niewöhner
