Ein Ort der Trauer und der Begegnung

Ein Ort der Stille und Ruhe, aber auch der Begegnung soll die Sternenkapelle am Caritas-Wohnheim in Lüdinghausen werden. Doch bis der rund 25 Quadratmeter große schlichte Bau realisiert werden kann, müssen Spenden gesammelt werden.

"Wenn wir 70 Prozent der benötigten 80.000 Euro zusammen haben, können wir beginnen", informierte Ina Große Entrup, Leiterin des Caritas-Wohnheims Lüdinghausen, am Donnerstag, 19. Mai, die beteiligten Gruppen. Mit dem Bau erfüllen sich Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter eine Herzensangelegenheit. Mit im Boot sind auch Nachbarn, die Pfarrei St. Felizitas und der Caritasverband für den Kreis Coesfeld.

Bislang gibt es in dem Wohnheim keinen Raum, an den die Betroffenen sich zurückziehen und trauern können. "Das ist 2012 nach dem ersten Sterbefall in unserem Haus klar geworden. Wir sind gemeinsam in die Kirche gegangen, um für den Verstorbenen zu beten. Es gab aber keine Möglichkeit für unsere Bewohner, irgendwo allein hinzugehen", erzählte der damalige Hausleiter Ingo Emmelmann. Ein Ort in der Nähe, den die Bewohner ohne Begleitung aufsuchen können, wäre in einer solchen Situation sinnvoll. Die Idee für die Sternenkapelle war geboren.

Den Namen haben die Bewohner dem Projekt gegeben. "Die Verstorbenen sind im Himmel, nah bei den Sternen. Sie verbinden viel Positives mit den Sternen", berichtete Emmelmann, der im Dezember 2014 die Leitung des Wohnheims an Ina Große Entrup weitergegeben hat.

Nach und nach nahm das Projekt konkrete Formen an. Eine vierköpfige Gruppe, bestehend aus zwei Mitarbeitern und zwei Bewohnern, arbeitete weiter an dem Vorhaben. Seit 2013 gehen Spenden ein. Einen großen Stern, der in der Werkstatt des Künstlers Johannes Wittstamm entstanden ist, gibt es bereits. Entstanden ist er gemeinsam mit den Bewohnern. "Sie haben im Atelier erlebt, wie er entstanden ist", berichtete der Künstler. Noch hängt der aus rostigem Eisen gearbeitete Stern in einem Raum des Wohnheims.

Ein geeigneter Platz auf dem Gelände des Wohnheims ist ebenfalls gefunden. Er liegt direkt an einem häufig genutzten Fuß- und Radweg an der Stever. "Es wird ein Ort der Erinnerung nicht nur für die Bewohner werden. Auch die Menschen, die vorbeigehen, werden ihn wahrnehmen", sagte Architektin Anne Linnemann-Töns. Die Kapelle ist in Form eines verglasten Quaders schlicht gestaltet, "denn der expressive Stern wird im Mittelpunkt stehen", informierte sie weiter.

Auch Pfarrer Benedikt Elshoff begrüßte das Vorhaben auf dem Gelände des Wohnheims. "Es ist ein Gedanke, der aus dem Leben heraus entstanden sind. Die Sternenkapelle wird ein Ort der Erinnerung, aber auch der Begegnung werden. Wir können uns gut vorstellen, in dem Raum beispielsweise Gottesdienste zu feiern und zu Frühschichten einzuladen", sagte der Seelsorger.

Eine große Überraschung hatte Johannes Böcker, Vorstand des Caritasverbands für den Kreis Coesfeld, im Gepäck. Er machte die Zusage, den bisherigen Spendenstamm von 17.590,81 Euro um 15.000 Euro aufzustocken. Auch Pfarrer Elshoff versprach, dass sich die Kirchengemeinde finanziell in gleicher Höhe an den Kosten beteiligen werde. "Allerdings werden wir unseren Beitrag über verschiedene Aktionen zusammentragen müssen, denn die finanzielle Lage der Pfarrei lässt eine entsprechende Einzelspende nicht zu", erklärte er und fügte hinzu: "Aber wir stehen zu unserem Wort.".

Die Projektgruppe wird nun weiter intensiv in die Öffentlichkeit gehen, um die noch fehlenden 23.409,19 Euro Spenden zu akquirieren. "Jeder kann sich beteiligen. Wir können erst starten, wenn wir die 70 Prozent erreicht haben. Und wir hoffen natürlich, dass das bald sein wird", wünschte sich Große Entrup.

Bild: Ein Modell der Sternenkapelle präsentierten der ehemalige Einrichtungsleiter Ingo Emmelmann, Mitarbeiter Heiner Gesper und Raphaela Kampert-Kurz, Bewohner Sonja Klapprott und Ulrich Weiß, Pfarrer Benedikt Elshoff, Einrichtungsleiterin Ina Große Entrup, Architektin Anne Linnemann-Töns und Caritas-Vorstand Johannes Böcker (von links).

Text: Bischöfliche Pressestelle / 20.5.16
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Foto: Michaela Kiepe / Bischöfliche Pressestelle