Ein Pilger- und Radkreuzweg
Dass ein Kreuzweg neu errichtet wird, ist schon selten; dass er zwei Nationen verbindet, kommt ebenfalls kaum vor; dass aber seine Stationen so angelegt sind, dass man die Wege dazwischen gut auf dem Fahrrad zurücklegen kann, gibt es fast nirgendwo.
Vor diesen Hintergründen hat das Bistum Münster nach Emmerich am Rhein eingeladen, wo Weihbischof Wilfried Theising am Sonntag, 30. August, den neuen Pilger- und Radkreuzweg einweihen wird, der die Ortsteile Hüthum und Elten verbindet.
"Es ist sehr schön, hier Symbole christlichen Glaubens in der Öffentlichkeit präsent zu sehen", lobte Weihbischof Theising vor Journalisten, "der Kreuzweg ist eine Einladung, sich an die letzten Stunden im Leben von Jesus Christus zu erinnern". Die Stationenkette sei auch eine Gelegenheit, sich gemeinsam auf den Weg zu machen und sich angeregt durch die auf den Reliefs dargestellten Motive mit Themen zu befassen, die sonst eher zu kurz kämen, ergänzte der örtliche Pfarrer Theo van Doornick. Bei Aspekten wie Vorverurteilung, Unterstützung oder Trauer gebe es Bezüge zum Leben heutiger Menschen, so dass die Stationen auch Einladung zum Nachdenken oder zur Aufarbeitung seien.
Ein Heft mit Gebeten und Impulstexten ist demnächst bei der Pfarrgemeinde St. Vitus erhältlich, ein Faltblatt mit Informationen und einer Stationenkarte liegt bereits in den örtlichen Kirchen. Nicht nur Christen aus der Pfarrei und dem Umland wird der Pilger- und Radkreuzweg ansprechen, sind sich die Initiatoren sicher: Er ergänze aber auch das touristische Angebot der Radelregion Niederrhein um eine ansprechende Nuance.
Der Pilger- und Radkreuzweg im Nordwesten Emmerichs besteht aus 15 Stationen, die auf einer Gesamtstrecke von 20 Kilometern verteilt sind und dabei mehrere Kilometer entlang der deutsch-niederländischen Grenze führen. Eine Station steht oben auf einem Deich auf der niederländischen Seite. An den Haltepunkten befindet sich jeweils eine Granitstele, in die Bronzereliefs der vom Künstler Walter Mellmann gestalteten Kreuzwegstationen eingearbeitet sind. Zweisprachige Tafeln beschreiben die einzelnen Stationen.
Mellmann (1910-2001) war ein Bildhauer und Grafiker, der überwiegend in Osnabrück lebte und wirkte. Er schuf weltliche und kirchliche Werke unter anderem aus Bronze, Ton, Holz und Sandstein, erklärte Kuratorin Susanne Figner vom Museum Kurhaus Kleve. Die Reliefs für den Emmericher Radkreuzweg seien Abgüsse eines Werkes, bei dem der Künstler "sich in einer gewissen Abstraktion auf das Wesentliche konzentriert" habe, zugleich aber "eine große Emotionalität und Agilität in der Darstellung" zum Ausdruck bringe: "Der Betrachter kann die physischen Leiden Jesu nachvollziehen", hob Figner hervor.
Die Idee zu dem Radkreuzweg stammt von Berthold Heuberg, dem 2010 verstorbenen Pfarrer der Kirchengemeinde. Er hatte den Gedanken, der Stationenweg möge dazu beitragen, dass die zu einer Pfarrei zusammengeschlossenen Orte Hüthum, Nieder- und Hochelten gut zusammen wachsen. Heuberg hatte sich anlässlich seines silbernen Priesterjubiläums Geld für diesen Zweck schenken lassen, das die Erben nach seinem plötzlichen Tod für den Pilgerpfad zur Verfügung stellten.
Mit großem Engagement sorgten einige Aktive vom Heimatverein Hüthum-Borghees, vom Verschönerungsverein Elten von 1897, vom Staninslaus-Kolleg und von der Kirchengemeinde St. Vitus dafür, dass der Plan von Pfarrer Heuberg schließlich umgesetzt werden konnte. Bei der Aufstellung der Stelen hatte die Stadt Emmerich geholfen.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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