Einsatz für die Umwelt aus dem Glauben heraus

Schöpfungsverantwortung: ein großes Wort für eine elementare Aufgabe. Marie-Christin Beckers stellt sich dieser: Seit Februar, also seit etwas mehr als 100 Tagen, ist sie Referentin für Schöpfungsverantwortung im Bistum Münster.

Als Referentin für Schöpfungsverantwortung erlebt Marie-Christin Beckers die Verbindung von Konzeptarbeit mit praktischen Ergebnissen vor Ort als besonders erfüllend.

© Bischöfliche Pressestelle / Anke Lucht

Ihr beruflicher Schwerpunkt begleitet sie lange. Aufgewachsen in Krefeld am Niederrhein, habe sie schon als Kind die Natur als etwas Besonderes erlebt, erzählt sie. Bei Wanderungen und Pilgerwegen mit Familie und Freunden entwickelte sie früh das Gefühl, dass die Schöpfung Schutz verdient. Ihre Jugend, in der die Fridays-for-Future-Bewegung ihre Blütezeit erlebte, verstärkte diese Position.

Trotzdem war das Engagement für Klima- und Umweltschutz für Beckers nie nur eine politische Frage, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. „Das fügte sich mit meiner Spiritualität zusammen“, sagt sie. Denn der christliche Glaube, mit dem sie aufgewachsen ist, bildet die Grundlage ihres Verständnisses von Schöpfungsverantwortung.

Wohl auch deshalb absolvierte sie parallel zum Lehramtsstudium Geografie und katholische Religionslehre in Münster den Masterstudiengang „Theologie und Globale Entwicklung“ an der RWTH Aachen. Nach dem Masterabschluss an beiden Universitäten blieb sie in der theologischen Wissenschaft – nun am Standort Dortmund, aber weiter in Münster wohnend.

Erste Einblicke in ihren heutigen Arbeitsplatz gewann sie 2024 bei einem Praktikum in der Abteilung Weltkirche, zu der das Sachgebiet Umwelt und Klima zählt. „Vor allem wegen des herzlichen Miteinanders“ habe ihr die Tätigkeit sehr gut gefallen. Ergänzend zur Mitarbeit an einem Forschungsprojekt in Dortmund und ihrer laufenden Promotion bewarb sie sich daher erfolgreich auf die vom Bistum Münster ausgeschriebene halbe Stelle.

Zu ihren dortigen Aufgaben gehört die zeitgemäße Weiterentwicklung der ökofairen Zertifizierung für Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen. Darüber hinaus wirkt Beckers am bundesweiten Projekt „Klimafasten“ mit und ist im Sachgebiet Ansprechpartnerin für alle theologischen Fragen zum Umweltschutz. Auch die Beteiligung am Programm Schöpfungszeit im September und Oktober gehört zu ihrem Arbeitsfeld.

Zwei halbe Stellen, eine Promotion: Langeweile kennt Marie-Christin Beckers nicht. Sie freut sich, bei allen Tätigkeiten naturwissenschaftliche Perspektiven auf Umweltfragen mit deren theologischer Dimension verbinden zu können. „Der Schöpfungsgedanke bietet einen guten Ausgangspunkt für den Umweltschutz“, findet sie.

Sich hauptberuflich für ein Thema einzusetzen, das sie Zeit ihres Lebens begleitet, motiviert die 28-Jährige. Sinnstiftende Arbeit sei ihr wichtig, sie wolle dazu beitragen, „dass Kirche im Umweltschutz eine Vorreiterrolle einnimmt“. Außerdem schätzt Beckers an ihrer Stelle die Verbindung von Konzeptarbeit und konkreter Verwirklichung vor Ort. „Es erfüllt mich, wenn dank dieser Verbindung Verbesserungen in die Tat umgesetzt werden“, sagt sie.

Welche Herausforderungen warten, ist der 28-Jährigen bewusst. Sie nennt beispielhaft den Wandel der ehrenamtlichen Strukturen und den Rückschritt, den Teile von Politik und Gesellschaft im Umwelt- und Klimaschutz machen. „Deshalb möchte ich erst recht einen Beitrag leisten, Engagement wach zu halten und weitere Menschen anzustiften“, sagt sie, „außerdem habe ich die Hoffnung, dass trotz des politischen Backlashs sich weiter Menschen in der Kirche für diese Zukunftsthemen einsetzen. Gläubige finden im christlichen Glauben dafür ein gutes Wertefundament.“ Auf dieses Fundament baut Marie-Christin Beckers – damit das große Wort Schöpfungsverantwortung im Alltag verankert wird und wirkt.

Anke Lucht