Einwanderung und ihre Auswirkungen auf innere Sicherheit
Plätzen, in Schwimmbädern und bei Veranstaltungen fühlen. Dass diese Gleichung nicht aufgeht, werden am Mittwoch, 12. Juli, um 18.30 Uhr Fachleute der Universität Münster und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW bei einem Forum im Franz Hitze Haus Münster darlegen.
Unter dem Titel "Bedrohliche Vielfalt? Ängste und Realitäten in der Einwanderungsgesellschaft" und unter Tagungsleitung von Dr. Christian J. Müller erläutert zunächst Professor Dr. Bernhard Frevel die Kriminalstatistik und die Aussagen, die man aus ihr ableiten kann. Im zweiten Teil wirft Dr. Jens Hellmann aus psychologischer Perspektive einen Blick auf Einwanderung und Fluchtmigration.
Frevel ist Professor für Sozialwissenschaften an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW. Ihm liegt an einem differenzierten und sachlichen Blick auf die Kriminalitätsstatistik. Einige Aussagen der Statistik könnten Aufregung verursachen und die öffentliche Stimmung beeinflussen. Tatsache sei aber: "Es hat keine gravierenden Änderungen der Sicherheitslage durch die Einwanderung der jüngsten Zeit gegeben." Die Lage sei im Gegenteil besser als noch vor fünf Jahren.
Logischerweise bewirke die Zunahme an Migration eine Zunahme an Beteiligung von Zugewanderten an Kriminalität. Allerdings seien bei der Bewertung der Situation Fakten wie beispielsweise Lebensumstände, Alter, Geschlecht oder Traumata in der Gruppe der Zuwanderer zu berücksichtigen. "Wir dürfen Flucht nicht von einem sozialen Phänomen in ein Sicherheitsproblem uminterpretieren", sagt Frevel. Der große Teil der Zugewanderten sei polizeilich völlig unauffällig und bestrebt, auch selbst sicher zu leben. Das dürfe man nicht erschweren, indem man die gesamte Gruppe pauschalunter Tatverdacht stellt.
Dass Menschen überhaupt Ängste vor Fremden entwickeln und diese dann pauschal als Sündenböcke abstempeln, erklärt der Psychologe Hellmann unter anderem mit Kategorisierungen, die Menschen häufig auf andere Menschen anwenden. "Einerseits erleichtert es das Leben, wenn man viele heterogene Menschen in eine nur scheinbar homogene Gruppe packt und sie als solche behandelt", sagt er, "andererseits kann das auch Ängste verstärken, die man mit dieser Gruppe in Verbindung bringt." Die Berichterstattung in den Medien, die Gruppenzugehörigkeiten gerade bei Zugewanderten anders als früher oft benenne, befördere diesen Effekt.
Hellmann plädiert für eine überlegte Ansiedlungspolitik, die Kontakt zwischen Zugewanderten und Einheimischen ermöglicht und Ghettoisierung verhindert. Dezentrale Unterbringung in kleineren Wohneinheiten und möglichst schnelle berufliche Integration förderten zudem den Erwerb von Sprachkenntnissen und letztlich "Kontakt auf Augenhöhe". Positiv bewertet er die Rolle der Kirchen und Wohlfahrtsverbände: "Sie ermöglichen Begegnungen in dauerhaften und einmaligen Projekten und Angeboten."
Das Forum im Franz Hitze Haus ist aus einer Zusammenarbeit mit dem Diözesan-Caritasverband entstanden. Es wird ergänzt durch das Forum "Bereichernde Vielfalt? Aushandlungsprozesse in der Einwanderungsgesellschaft" am Mittwoch, 8. November.
Die Teilnahme an dem Forum "Bedrohliche Vielfalt?" kostet acht Euro, ermäßigt vier. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.franzhitzehaus.de sowie per E-Mail an zahn[at]franz-hitze-haus.de oder telefonisch unter 0251 / 9818445. Unter diesen Kontaktdaten können sich Interessierte auch anmelden.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 07.07.17
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