In rund 150 Städten in Deutschland und Europa erinnert der „Engel der Kulturen“ als Bodenintarsie an ein respektvolles, interkulturelles und interreligiöses Miteinander. Nun auch in Coesfeld – am Pavillon im Schlosspark in direkter Achse zur Gedenkstele an die Deportation der letzten jüdischen Coesfelder.
Die Schulseelsorger Matthias Bude und Philipp Lammering luden das Künstlerpaar Carmen Dietrich und Gregor Merten mit ihrer rollenden Skulptur „Engel der Kulturen“ für das Kunstprojekt in die Kreisstadt ein. Der 1,50 Meter große und rund 85 Kilogramm schwere Stahlring zeigt die Symbole von Christentum (Kreuz), Islam (Halbmond) und Judentum (Davidstern). In der Mitte dieser Anordnung erscheint – unbeabsichtigt, aber symbolträchtig – die Silhouette eines Engels. Seit 2008 steht das Projekt für Toleranz, Demokratie, Verständigung und kulturelle Vielfalt.
Rund 230 Schülerinnen und Schüler von städtischen und bischöflichen Schulen nahmen an diesem Projekttag teil. Die Stationen – Schulzentrum, Stadttor, ehemalige Synagoge, Marktplatz und Schlosspark – griffen jeweils unterschiedliche Themen auf. Am Stadttor, Sitz der Flüchtlingsinitiative, beeindruckten junge Geflüchtete aus Afghanistan und der Ukraine mit persönlichen Statements. „Wir sind alle Menschen und müssen uns gegenseitig unterstützen, unabhängig von Religion oder Herkunft“, sagte ein 21-Jähriger. Eine junge Frau ergänzte: „Schulunterricht ist in Deutschland selbstverständlich, für uns ist er ein Geschenk.“
Die Bodenintarsie am Eingang zum Schlosspark erinnert die Menschen künftig an den „Engel der Kulturen“.
An der ehemaligen Synagoge trugen Schülerinnen des St.-Pius-Gymnasiums ein Gedicht zur jüdischen Geschichte vor und musizierten das Stück „Jerusalem aus Gold“. Künstler Gregor Merten dankte ihnen mit dem Aufruf: „Wir müssen Widerstand gegen Unterdrückung leisten und die Stimme erheben, damit sich Geschichte nicht wiederholt.“
Auf dem Marktplatz sprach Martin Althoff, Geschäftsführer der Alexianer IBP GmbH, über die Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Wohnungslosigkeit. „Demokratie ist das beste, aber auch das schwierigste System“, sagte er und rief die jungen Menschen zu einem gerechten Miteinander auf.
Den Abschluss bildete die Station im Schlosspark. Bürgermeisterin Eliza Diekmann-Cloppenburg, Kreisdechant Jörg Hagemann, Sharon Fehr von der jüdischen Gemeinde Münster und Mohammed Khail vom Islamischen Kulturverein Coesfeld betonten in ihren Ansprachen die Bedeutung gegenseitigen Respekts. Religion dürfe nicht trennen. Gemeinsam gelte es, Zeichen gegen Hass zu setzen. Der Engel stehe für Frieden, Freiheit und Miteinander. Hagemann zitierte am Ende Margot Friedländer: „Es gibt kein christliches, jüdisches oder muslimisches Blut, es gibt nur menschliches Blut.“
Zum Abschluss verlegten die Beteiligten die blaue Bodenintarsie, die bei der letzten Kunstaktion in Kassel ausgebrannt wurde. „So verbinden wir die Menschen in unterschiedlichen Städten“, erklärte Gregor Merten und fügte hinzu: „Dieser Tag gibt uns Kraft. Die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Thema hat uns begeistert.“ Beim Ausbrennen der Intarsie für die nächste Stadt halfen Jugendliche sowie Sharon Fehr und Mohammed Kahil mit.
Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf der Internetseite des Kunstprojektes.
Michaela Kiepe
Bild oben: Gemeinsam stehen sie für Toleranz, friedliches Zusammenleben und gegenseitigen Respekt (von links): Mohammed Khail, Gregor Merten und Carmen Dietrich, Sharon Fehr, Jörg Hagemann, Matthias Bude, Eliza Diekmann-Cloppenburg und Philipp Lammering.