Erfolgreiche Starthilfe ins Berufsleben

Der Verein "Ausbildungspaten im Kreis Recklinghausen" hat am Donnerstagabend, 21. September, mit einem Fest im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Paten und Jugendliche standen zusammen

mit den Förderern des Projekts sowie Vertretern aus der Politik. Auch Weihbischof Dieter Geerlings, der den Verein als Beiratsmitglied unterstützt, war gekommen. "Aus dem Raum der Kirche hat sich hier etwas in die Gesellschaft entwickelt, das ist wunderbar", sagte Geerlings.

Das Projekt startete bereits 2003. Martin Merkens, der damals in der Regionalstelle Recklinghausen im Referat Kirche und Arbeitswelt arbeitete, brachte es mit Unterstützung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) auf den Weg. "Es war für einen katholischen Verband die ideale Sache, Jugendlichen bei der Arbeitsplatzsuche zu helfen und sie dabei zu unterstützen, dass sie auch dabeibleiben", sagt Merkens, der heute Referent in der Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Münster ist. Der Bedarf sei schon damals gewaltig gewesen: "In den Abschlussklassen an den Hauptschulen waren es immer nur ein oder zwei, die einen Ausbildungsplatz hatten."

Der Verein hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Fanden sich im ersten Jahr 15 Paare zusammen, wuchs die Zahl schnell auf 100. Es stellte sich zudem heraus, dass es nicht reicht, junge Menschen während der Ausbildung zu begleiten, damit sie ihre Lehrzeit durchhalten. Die Jugendlichen hatten große Schwierigkeiten, überhaupt eine Lehrstelle zu finden. Die Ausbildungspaten setzten ihre Hilfe daher schon bei der Lehrstellensuche an. 2007 übernahm der neu gegründete Verein die Trägerschaft. "Wir haben es geschafft, das Projekt über Kirche hinaus und mit vielen Partnern nachhaltig auf die Beine zu stellen. Das macht mich sehr zufrieden", resümiert Initiator Merkens.

Der Verein blickt auf 594 Patenschaften zurück, die Haupt- oder Gesamtschüler mit ehrenamtlichen Erwachsenen geschlossen haben. Aktuell laufen 87 Patenschaften. 63 Prozent der jungen Menschen schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab. In seiner Begrüßung sprach Vereinsvorsitzender Dieter Korte allen Beteiligten seinen Dank aus. "Natürlich kann dieses Fest ihr Herzblut, das sie in die Unterstützung der Jugendliche investieren, nicht aufwiegen", sagte Korte und schloss mit einem Ausblick: "Eines ist gewiss: Die Jugendlichen, die unserer Unterstützung bedürfen, werden uns in den nächsten Jahren nicht ausgehen."
Dorothee Feller, Regierungspräsidentin in Münster und Schirmherrin des Vereins, versprach in ihrer Festrede: "Ich werde ihr Anliegen und ihre Arbeit tatkräftig unterstützen." Soziale Herkunft entscheide immer noch über Zukunftschancen junger Menschen. In den Kindergärten im Ruhrgebiet erhalten fünf Prozent mehr Kinder Sprachförderung als im übrigen NRW: "Auch viele Kinder mit deutscher Familiensprache sind betroffen."

Vorsitzender Korte nahm fünf Ehrungen von Wegbegleitern des Projekts vor. Neben dem Ideengeber und Vereinsvorsitzendem Merkens dankte Korte auch den ehemaligen Vorstandmitgliedern Anne Althoff, Gudrun Gabriel und Heike Wiesmann-Habsick, die zehn Jugendliche betreut hat.

Bis heute ist Aron Egbers (28) seiner Patin Dagmar Nitsch-Musikant sehr dankbar. Mit ihrer Hilfe fand der damalige Gesamtschüler aus Marl vor zwölf Jahren eine Stelle als Industriemechaniker: "Ich würde nicht dastehen, wo ich jetzt stehe." Aktuell überlegt er, zu studieren oder für den Meister nochmal die Schulbank zu drücken. "Ich haben buchstäblich Entwicklungshilfe geleistet", blickt Dagmar Nitsch-Musikant auf ihr ehrenamtliches Engagement zurück. Und auch heute noch steht sie ihrem Paten zur Seite, dem wegen einer Werksschließung zum Jahresende der Job gekündigt worden ist: "Ich habe ihm schon eine Rechtsberatung vermittelt und werde weiter zu ihm stehen. Aron ist ein Teil meiner Familie geworden."

Bildunterschrift: Vorsitzender Korte ehrte fünf Wegbegleiter des Projekts: Neben dem Ideengeber und Vereinsvorsitzendem Merkens dankte Korte auch den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Anne Althoff, Gudrun Gabriel und Heike Wiesmann-Habsick.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 22.09.2017
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Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michael Richter