Eröffnungsgottesdienst des Weltfriedenstreffens von Sant‘ Egidio
Mit einem Gottesdienst im voll besetzten St.-Paulus-Dom hat in Münster am Samstagabend (9. September) das Weltfriedenstreffen der internationalen Gemeinschaft Sant‘ Egidio begonnen.
Es steht unter dem Motto "Wege des Friedens" und findet bis zum Dienstag in den beiden Städten des "Westfälischen Friedens", Münster und Osnabrück, statt.
Die Geschichte dieser beiden Städte, erläuterte der münstersche Bischof Dr. Felix Genn in seiner Predigt, erzähle, wie viele Wege die Gesandten der einzelnen Völker auf sich genommen hätten, um nach 30 Jahren dem fürchterlichen Kriegstreiben ein Ende zu setzen. "Der Friede von Osnabrück und Münster hat die europäische Landschaft neu gestaltet", sagte Genn. Vor allem habe dieser Friede auch dazu beigetragen, dass die durch die Reformation getrennten christlichen Konfessionen in Eintracht und Frieden ein neues Miteinander suchten.
370 Jahre später dürften wir "mit Dankbarkeit feststellen, dass die Zeit sich gewandelt hat, weil nicht mehr Abgrenzung und Misstrauen im Vordergrund stehen, sondern Respekt, Toleranz und gegenseitiges Wohlwollen."
Genn ging in seiner Predigt auf das Wort aus dem Römerbrief ein: "Bleibt niemand etwas schuldig, nur die Liebe schuldet ihr einander immer". Der Apostel Paulus unterscheide mit dieser Mahnung nicht nach Religion oder Glaubensbekenntnis. Alle Normen, alle Werte, alle Vorschriften für das menschliche Zusammenleben könne man nur erfüllen, wenn man im Mitmenschen den erkenne, dem man seine Liebe schulde. Der Nächste besitze uns gegenüber ein Recht auf Zuneigung und Liebe.
Dies könne auch bedeuten, so der Bischof weiter, andere auf Fehler aufmerksam zu machen und ihnen zu zeigen, wie sie wieder in die Spur der Liebe kommen könnten. Schließlich wüssten wir alle, wie sehr unser hartnäckiger Egoismus, unser Anspruchsdenken oder das Pochen auf das eigene Ich die "Wege zum Frieden" und zueinander blockieren könnten.
Ein Weg zum Frieden sei das interkonfessionelle und interreligiöse Treffen von Sant‘ Egidio, "in einer Zeit, die geprägt ist von der Auseinandersetzung zwischen Völkern und mit Gruppen, die Religion in Verbindung mit Gewalt bringen". Genn machte deutlich, der Aufruf des Apostels gelte auch heute noch unverändert: "Die Liebe schuldet ihr einander immer: Christen untereinander, Christen und Muslime, Muslime und alle anderen, denen wir als Schwestern und Brüder verbunden sind durch die Verbindung mit Gott." Und diese Verbindung werde nicht in Gewalt, sondern in gewaltloser Liebe verwirklicht.
Bildunterschriften:
- Bischof Dr. Felix Genn bei der Predigt im voll besetzten St. Paulus-Dom
- Zahlreiche Priester und Bischöfe feierten die Messe mit, darunter der albanische Kardinal Ernest Simoni und Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 09.09.17
Kontakt: Bischöfliche Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Fotos: Bischöfliche Pressestelle / Thomas Mollen
