Festakt zum 80-jährigen Bestehen des Religio Staatsministerin Grütters
"Das Museum Religio kann sich auch in der zunehmenden religiösen und kulturellen Vielfalt in Deutschland behaupten":
Mit diesen Worten würdigte Prof. Monika Grütters in einem Festakt am Donnerstagabend (23. Oktober 2014) das "Westfälische Museum für religiöse Kultur" aus Anlass des 80-jährigen Bestehens des früheren Heimathauses Münsterland.
Das Religio spreche gläubige Christen, aber auch Konfessionslose an. Darüber hinaus sei es offen für unterschiedliche Perspektiven, sagte die Staatsministerin für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt weiter. Sie lobte "Es grenzt nicht aus, sondern verbindet." Damit trage das Haus nicht nur zur Bewahrung des kulturellen Erbes, sondern auch zur Verständigung in der pluralistischen Gesellschaft bei. In einem sehr persönlichen Teil ihrer Rede bekundete Grütters als in Münster aufgewachsene Katholikin außerdem, dass das das Museum für sie eine wichtige Orientierungshilfe gewesen sei.
Gegründet worden ist das Haus 1934 als Wallfahrts- und Heimatmuseum. Sein Gründer Dr. Paul Engelmeier habe es verstanden, das Haus während der nationalsozialistischen Diktatur mit Ausstellungen guter religiöser Volkskunst und vorbildlichen Handwerks offen zu halten, sagte die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Anja Schöne in ihrem Festvortrag. Engelmeier hatte 1930 als bekennender Katholik den 69. Deutschen Katholikentag nach Münster geholt. Nach der Machtergreifung hatten ihn die Nationalsozialisten seines Amtes als Dezernent für Handel und Handwerk der Stadt Münster enthoben, weil er sich 1930 geweigert hatte, Adolf Hitler die Westfalenhalle zur Verfügung zu stellen
Mit den Krippenausstellungen habe Engelmeier, führte Schöne weiter aus, eine bis heute fortgesetzte Tradition begründet. Allerdings habe Engelmeier den Begriff Krippe im Laufe der NS-Zeit mehrfach ändern müssen , zunächst in "Weihnachtssitten im Münsterland", danach in "Weihnachtssitten in der Volkskunst" und in "Weihnachtsbräuche im Münsterland und später noch einmal in "Deutsche Weihnacht". Die nach dem Zweiten Weltkrieg weitergeführte Tradition der Krippenausstellungen erreichte in den 1970-er und 1980-er Jahren ihren Höhepunkt, als 1983 rund 43.000 Besucher das Museum besuchten.
Mit der Profilierung des Hauses als Westfälisches Museum für religiöse Kultur, die mit der Umbenennung in Religio 2011 auch nach außen sichtbar wurde, habe es sich auf eine Kernkompetenz konzentriert, sagte Schöne. Es habe sich "als Religionsmuseum aus christlicher Perspektive positioniert". Religio verstehe sich explizit als Angebot für alle Konfessionen und Religionen und gebe auch Glaubensfernen die Möglichkeit, sich zu informieren. Prunkstück der Ausstellung ist auch weiterhin das Telgter Hungertuch, das 1623 als Fastentuch von dem Burgmann Henrich Vos und seiner Ehefrau Catarina Droste gestiftet worden war.
Generalvikar Norbert Kleyboldt überbracht die Grüße von Bischof Dr. Felix Genn und bekundete seine eigene große Verbundenheit mit dem Museum. Die Krippenausstellungen zur Weihnachtszeit hätten ihn sehr geprägt, bekannte Kleyboldt. Der Generalvikar bescheinigte dem Museum einen besonderen Charme, der sich in großer Beliebtheit und Bescheidenheit im öffentlichen Erscheinungsbild dokumentiere. Eher bescheiden seien auch die finanziellen Mittel. Umso höher sei das Engagement des gesamten Museumsteams einzuschätzen, das anspruchsvolle Ausstellungen realisiere. Mit seinen Glückwünschen verband Kleyboldt die Hoffnung, dass das Museum den Charme und seine Wurzeln erhalte und weiterhin alle Religionen in den Blick nehme.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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