Firmvorbereitung auf dem Jakobsweg
So eine Firmung erleben die wenigsten: Rund 80 Jugendlichen wird Weihbischof Dr. Christoph Hegge am Dienstag, 13. Oktober, am Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela das Sakrament der Firmung spenden.
Denn der Weihbischof ist zurzeit mit über 400 Pilgern aus den Regionen Borken und Steinfurt auf dem Jakobsweg unterwegs, darunter die Firmlinge. Voraussichtlich am Montagnachmittag, 12. Oktober, wird die Gruppe Santiago de Compostela erreichen.
Unter den Pilgern sind vier Jugendliche aus dem Caritas Kinder- und Jugendheim in Rheine. Drei von ihnen haben sich ebenfalls entschieden, sich am Ende der Wallfahrt firmen zu lassen. Steffen (18) erinnert sich noch, als auf einmal die Einladung des Weihbischofs kam, sich in der Kathedrale von Santiago de Compostela – dem Ziel unzähliger Pilger seit dem Mittelalter – firmen zu lassen. "Ich hatte keine Ahnung, wie das gehen kann, aber mir war schnell klar, dass ich da mitmachen möchte", sagt Lorenzo (18), der zugleich auch getauft wird.
Mit ihrem Wunsch stießen die Jugendlichen bei dem Sozialpädagogen Frank Heße auf offene Ohren. Er ist im Caritas Kinder- und Jugendheim für die religionspädagogischen Angebote zuständig und zugleich ihr Wohngruppenbetreuer. "Zunächst bedurfte es einiger Absprachen mit der Heimleitung, dem Weihbischof, dem Kreisdekanat und weiteren Stellen", erinnert er sich, "aber es gab von allen Seiten sofort grünes Licht für dieses besondere Projekt".
"Die Biographien der Jugendlichen aus der stationären Jugendhilfe machten die Vorbereitung für uns zu einer besonderen Herausforderung", sagt Heße. Auch für die Jugendlichen ist dieser Weg ein Abenteuer. Von April bis September haben sie sich sechs Mal an besonderen Orten außerhalb von Rheine getroffen. "Alles Zeit, die zu meiner Freizeit zählt, in der ich sonst etwas anderes mache", betont Leon (15). Im Kontakt mit Menschen jenseits des Alltags ging es vor allem um eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben und "auch um das Leben der Christen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – letztlich um die Bedeutung der Firmung für den persönlichen Alltag", erklärt Heße.
In diesen Tagen sind die vier Jugendlichen zusammen mit ihren Betreuern Frank Heße und Kristin Paul auf dem Jakobsweg unterwegs. Wie die anderen Jugendgruppen sind sie in einfachen Pilgerunterkünften untergebracht und nähern sich ihrem Ziel in Tagesetappen von etwa 25 Kilometer. Insgesamt müssen sie mindestens 100 Kilometer zurücklegen, um am Ende die Pilgerurkunde zu erhalten.
Der Jakobsweg ist für alle Pilger eine körperliche und psychische Herausforderung. Das Caritas Kinder- und Jugendheim nutzt dies aber ganz bewusst auch als pädagogische Maßnahme. "Die Jugendlichen aus der stationären Jugendhilfe haben oft mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen", erläutert Heße, "doch hier erleben sie, dass sie etwas erreichen können in ihrem Leben. Dadurch erfahren sie Anerkennung, die ihnen an anderer Stelle oft versagt bleibt." Zudem erlebe er, dass die Jugendlichen durch das Wandern offener und empfänglicher würden, auch für religiöse Fragen.
Die Stimmung auf dem Weg ist bei allen Jugendlichen sehr gut. Es habe sich eine lebendige und fröhliche Gemeinschaft entwickelt, freut sich Heße. "Für unsere Jugendlichen ist es eine tolle Erfahrung, dass man sich gegenseitig umeinander kümmert, wenn einer beispielsweise erschöpft ist vom Wandern", sagt der Sozialpädagoge, "das ist konkrete christliche Nächstenliebe."
Unter www.regionalwallfahrt.de sowie unter www.facebook.com/kd.steinfurt und www.facebook.com/bistum.muenster werden während der Pilgerreise täglich Foto-, Video- und Audio-Beiträge mit Eindrücken und Erlebnissen dieser besonderen Reise veröffentlicht.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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