Fortbildung zum Umgang mit Aggressionen bei Demenzerkrankten
Die Anforderungen in der Pflege steigen drastisch. Vor allem die steigende Zahl von Demenzerkrankten stellt die Fachkräfte in den stationären und ambulanten Pflegeinrichtungen vor neue Herausforderungen.
Auf neue und ungewohnte Situationen entsprechend zu reagieren, ist das Ziel einer Fortbildung am Dienstag (25. Februar 2014) im Franz-Hitze-Haus unter Leitung von Dr. Elisabeth Philipp-Metzen. "Seit sieben Jahren werden diese Kurse im Franz-Hitze-Haus angeboten, und der Bedarf ist ungebrochen", sagt die zweite Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Münster.
"Wie gehe ich mit einer Situation professionell um, in der der Erkrankte nicht kooperiert?" bringt Philipp-Metzen die zentrale Frage der Fortbildung auf den Punkt. Denn die Pflegekraft muss sich häufig mit aggressivem Verhalten der Erkrankten auseinander setzen. Demenzerkrankte, so Philipp-Metzen, fühlten sich oft bedroht. "Sie erkennen beispielsweise abends in Fensterspiegelungen einen Unbekannten, oder sie sehen in ihren Räumen Mäuse. Das führt geradezu zu panischen Reaktionen", so die Referentin. Dies könne aggressives Verhalten auslösen, oder die erkrankte Person wolle einfach nur weg, die Einrichtung verlassen. "In beiden Fällen lassen sie sich nur schwer vom Pflegepersonal beruhigen", sagt Philipp-Metzen.
Während der Fortbildung im Franz-Hitze-Haus liegt ein Schwerpunkt somit in der präventiven Arbeit der Fachkräfte. "Häufig hängen Ängste mit der persönlichen Biografie zusammen", erklärt die Referentin. Gerade traumatische Erfahrungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs seien bei Demenzerkrankten ausgesprochen gegenwärtig.
Für das Pflegepersonal bedeute dies, dass gerade die biografischen Merkmale der Pflegebedürftigen berücksichtigt werden müssten. "Im Vorfeld müssen bereits die methodischen Grundprinzipien erarbeitet werden", erläutert Philipp-Metzen. Dazu gehöre auch eine dem Erkrankten angepasste Kommunikation und eine entsprechende Gestaltung des Umfelds sowie Deeskaltions-Strategien. "Das Pflegepersonal muss erkennen, wann Handlungsbedarf besteht", sagt Philipp-Metzen. Dies gelte insbesondere, wenn die Pflegeperson sich selbst oder andere gefährde. Somit sind ein Schwerpunkt dieser Ausbildung Trainings zu konkreten Situationen der Versorgung dementiell Erkrankter.
"Die Belastung des Pflegepersonals nimmt im Berufsalltag ständig zu", sagt die Referentin. Demenz sei kein Phänomen nur in den Pflegeeinrichtungen, sondern nehme einen immer breiteren Raum in allen Bereichen der Gesellschaft ein. Somit sei der Umgang mit Demenzerkrankten heute selbstverständlicher Bestandteil der Pflegeausbildung. "Sorgen bereiten die Krankenhäuser", erklärt Philipp-Metzen. Der Anteil demenzerkrankter Patienten in den Krankenhäusern steige enorm, die Häuser seien strukturell häufig nicht entsprechend aufgestellt.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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