Fortbildung zur Prävention sexualisierter Gewalt für Kirchenmusiker
Wenn die Chorleiterin oder der Chorleiter einem Chorkind eine Hand auf den Bauch legt, kann das eine Atemübung sein – oder ein Übergriff. Weil Kirchenmusikerinnen und –musiker mit Blick auf die Prävention sexualisierter Gewalt vor ganz eigenen An- und Herausforderungen stehen, hat die Stabsstelle "Prävention sexualisierter Gewalt" im Bistum Münster jetzt erstmals einen Präventionskurs speziell für diese Zielgruppe veranstaltet.
Zwei Tage lang widmeten sich 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bistum unter Anleitung von Ursula Bergel und Maria Wagner in der Domsingschule in Münster dem schwierigen Thema.
Die Präventionsordnung der nordrhein-westfälischen Bistümer gebe vor, alle kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu tun hätten oder in einer Leitungsfunktion seien, im Blick auf Prävention sexualisierter Gewalt zu schulen, erklärte Bergel. Dabei könne es auch berufsspezifische Angebote geben.
Vor diesem Hintergrund, schildert Wagner, habe sie diese Schulung speziell für Kirchenmusiker bei der Stabsstelle angeregt. Die Pastoralreferentin – selbst Kirchenmusikerin – weiß, dass diese Tätigkeitsgruppe in Gemeinden manchmal etwas aus dem Blick gerät. Kursteilnehmer Ulrich Grimpe vom Referat Kirchenmusik des Bistums Münster bestätigt das: "Manchmal ist ihr Status etwas unklar, und oft sind sie auch seelsorgerisch tätig, was aber kaum gesehen wird." Unsicherheit bezüglich des Themas der Fortbildung sei durchaus vorhanden. Entsprechend wichtig sei es, die Teilnehmer auch von ihren Erfahrungen und Anliegen erzählen lassen.
Neben diesem Austausch ging es am ersten Fortbildungstag vor allem darum, Ursachen für eine Kindeswohlgefährdung darzustellen sowie sich mit Täter- und Opfer-Typen und Täterstrategien auseinanderzusetzen. Mit Zahlen und Fallbeispielen verdeutlichte Bergel – Diplom-Sozialarbeiterin, die im Bereich Kinderschutz in einem Jugendamt tätig ist –, dass Missbrauchsfälle kein Einzelfall sind.
Am zweiten Tag richtete die Gruppe laut Referentinnen den Blick auf die kirchlichen Institutionen. Die Teilnehmer sollten "für ihre eigene Arbeit in diesen Strukturen sensibilisiert und zur Selbstreflexion angeregt werden", erklärt Maria Wagner. Gegebenenfalls könne man dann ändern, was sich als Gewohnheit in den Beruf eingeschlichen habe, aber nicht mehr zeitgemäß sei. "Das dient ja auch dem Schutz der Mitarbeiter", begründet Ursula Bergel. Zugleich sollten diese ihren eigenen Gefühlen trauen.
Diese Anliegen trugen die Teilnehmer natürlich mit – zum Beispiel Christiane Timphaus. "Ich habe immer gedacht, ich mache meinen Beruf seit 25 Jahren, was soll mir passieren", schildert die Organistin und Chorleiterin aus Warendorf, "aber bei der Fortbildung habe ich festgestellt, dass Prävention sexualisierter Gewalt auch eine Frage des Selbstschutzes ist." Ihr Kollege Bereichskantor Bernhard Ratermann, ebenfalls aus Warendorf, ist überzeugt, dass er nach der Fortbildung auch als Multiplikator wirken kann: "Was ich anreiße, gibt ja auch ein Echo in der Berufsgruppe." Allerdings habe er auch große Betroffenheit empfunden angesichts der dargestellten Fallbeispiele.
Dass die Teilnehmer trotz der Betroffenheit angesichts des schwer verdaulichen Themas gut arbeiten konnten, führen die Referentinnen unter anderem auch auf den bewusst ausgewählten Tagungsort zurück. Die Atmosphäre der Domsingschule mit den Chor- und Probenräumen sei den Teilnehmern schnell vertraut geworden.
Vielleicht auch deshalb fiel das Fazit der Referentinnen positiv aus. Ursula Bergel wies darauf hin, dass "es viel Betroffenheit gab, aber auch viele sensibilisiert ins Nachdenken kamen." Maria Wagner wiederum freut sich neben der großen Teilnehmerzahl darüber, "dass so viel Reflexion stattgefunden hat und wir so die Eigenwahrnehmung der Teilnehmer stärken konnten, was ja dann zu einer neuen Haltung führen kann." Stärke vermitteln – zum Schutz der Schwachen.
Bildunterschrift: Mit einem schwer verdaulichen Thema setzten sich die Kirchenmusikerinnen und –musiker in vertrauter Atmosphäre auseinander.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 03.07.16
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