Frank Haberstroh: Dankbarkeit macht demütig

, Bistum Münster

Themen gibt es viele, Meinungen noch mehr. Nicht immer werden sie sachlich vorgebracht und ausgetauscht. Und viel zu oft bestimmen Empörung, Negativität, Ich-Bezogenheit und gegenseitige Attacken die Diskussionen. „Die Montagsmeinung“, das Meinungsformat des Bistums Münster, soll hier ein anderes Zeichen setzen. Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kirche, die sich dem Bistum verbunden fühlen, setzen sich darin mit Themen auseinander, die für sie und andere relevant und aktuell sind. Die Autorinnen und Autoren lassen es aber nicht bei Klagen und Kritik. Sie haben vielmehr konstruktive Ideen und Lösungsansätze. Diese teilen sie mit uns an dieser Stelle alle 14 Tage montags.

Die heutige Montagsmeinung hat Frank Haberstroh verfasst. Er stammt aus Paderborn, ist Journalist und arbeitet seit 34 Jahren beim Radio. Nach 28 Jahren als Chefredakteur bei Radio WAF ist er kürzlich als kommissarischer Redaktionsleiter zu Radio Bochum gewechselt. Frank Haberstroh lebt mit seiner Familie in Warendorf.

Frank Haberstroh

© Kaup

Bewusstes „Danke sagen“ hilft: Es macht andere glücklich! Und einen selbst auch! 

Das größte Kompliment ist natürlich „Danke, dass es Dich gibt!“ Das „Alltags-Danke“ ist wahrscheinlich die Basis im Miteinander von Menschen. Ein „Danke“ aus Höflichkeit. Die nächste Stufe ist ein „Danke“ in Situationen, in denen andere Menschen nicht unbedingt damit rechnen. Ich nenne es mal ein „Überraschungsmoment-Danke“. 

Wir sollten möglichst keine Chance zum Danke sagen oder Danke schreiben verpassen. Denn ehrliche Dankbarkeit erzeugt Lächeln und somit stets einen persönlichen Glücksmoment. Ein „Danke“ ist das günstigste Geschenk. Es kostet nichts.

Und eine besondere Form von Dankbarkeit äußert sich in Briefen. Von Herzen dankbar sein, mit persönlichen Worten. Einige „Danke-Briefe“ an für mich besondere Mentoren und Unterstützer außerhalb der Familie habe ich vor meinem 50. Geburtstag geschrieben. Und die Reaktionen darauf waren sehr herzlich. 

In aufgeregten Zeiten wie diesen, mit zu viel Neid und Missgunst – vor allem in sozialen Netzwerken, wo negative Energie, Hass, Hetze, Ver- und Beurteilungen unterwegs sind; jeden Tag prasselt mindestens eine neue Hiobsbotschaft medial auf uns ein. Das macht etwas mit uns.

Danke ist ein starkes, kraftvolles Wort. Es hilft, und es öffnet sprichwörtlich auch Türen. Dankbarkeit hilft, unseren Alltag und bestimmt auch unsere Gesellschaft etwas besser zu machen. Das ist sogar wissenschaftlich erforscht.

„Studien belegen, dass Dankbarkeit ein Gefühl des Glücks und anhaltender Zufriedenheit entstehen lässt.“ Dieses Zitat stammt von Willibald Ruch, er war Psychologieprofessor an der Universität Zürich, inzwischen im Ruhestand. Der gebürtige Kärntener hat die Auswirkungen positiver Charaktereigenschaften wie Verbundenheit und Humor erforscht. „Diese zählen zu den fünf wichtigsten Faktoren, die zu unserer Zufriedenheit beitragen.“ Eine seiner Erkenntnisse ist: „Verändern Sie Ihr Leben positiv, indem Sie eine dankbare Haltung entwickeln!“ Im Bereich der Positiven Psychologie erforschte Ruch Charakterstärken und Tugenden sowie die verschiedenen Orientierungen zum Glück.

Das Wissenschaftszentrum der Berkeley Universität in Kalifornien (USA) für Allgemeinwohl („Greater Good Science Center“) erforscht das Thema Dankbarkeit seit dem Jahr 2001. Es ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Dankbarkeit zu den sechs Säulen des Glücks gehört. Dankbare Menschen sind gesünder, besser gelaunt, stressresistenter, leistungsfähiger und zufriedener mit ihrem Leben und ihren sozialen Beziehungen. Das belegen Studien.

Jeder von uns kann in Sachen Dankbarkeit etwas tun! Bei sich anfangen, Vorbild sein. Zuerst Dankbarkeit schenken. Um dankbar zu sein, hilft auch Demut. Ein Fastenimpuls aus der Kirchengemeinde St. Laurentius in Warendorf ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Und den möchte ich an dieser Stelle gerne als Text wiedergeben:

Womit habe ich es verdient, dass ich kein Obdachloser bin?
Womit habe ich es verdient, dass ich eine Schule besuchen kann?
Womit habe ich es verdient, dass ich nicht geistig oder körperlich behindert bin?
Womit habe ich es verdient, dass ich in einem relativ reichen Land lebe?
Womit habe ich all das eigentlich verdient?
All das ist nicht mein Verdienst.
Es ist reiner Zufall. Ich habe einfach mehr Glück gehabt als die anderen.
Bin ich dankbar dafür?
Bin ich bereit, mit denen zu teilen, die weniger Glück hatten?

 

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