Freckenhorster Forum
Wirtschaftliches Wachstum muss sich auch an Kriterien einer sozialen Verantwortung orientieren. Das hat der Münsteraner Weihbischof Dr. Stefan Zekorn am Abend des 18. Mai betont.
Der Weihbischof nahm gemeinsam mit Dr. Thomas Rusche, Unternehmer aus Oelde und Inhaber des Herren- und Damenausstatters SIR, sowie mit Dr. Johann Prümers, Vorsitzender der Fachvereinigung der landwirtschaftlichen Genossenschaften RWGV und Aufsichtsratsvorsitzender der Raffeinsen Steinfurter Land eG, in der Katholischen Landvolkshochschule Freckenhorst am 2. Freckenhorster Forum "Wirtschaft trifft Kirche" teil.
Weihbischof Zekorn nannte dabei Kriterien für ein verantwortbares ökonomisches Wachstum: es müsse Nahrung für alle Menschen gewährleisten, den Menschen durch Arbeit ein auskömmliches Leben ermöglichen, ökologischen Anforderungen gerecht werden und nachhaltig sein. An mehreren Beispielen machte der Weihbischof auch deutlich, was kein verantwortbares wirtschaftliches Handeln ist: Das gelte etwa, wenn europäische Fischer vor den afrikanischen Küsten auf Fischfang gingen und damit die Einheimischen der Möglichkeit beraubten, eigene Einkommen zu erzielen. Zekorn kritisierte das Vorgehen europäischer Unternehmen, die in Afrika in großem Maßstab an der Ausbeutung von Bodenschätzen beteiligt seien, während die Bevölkerung weiter in Armut lebe. Auch einige der Lebensgewohnheiten der Menschen in Deutschland wie der übermäßige Verzehr von Fleisch führten dazu, dass etwa in Südamerika der Regenwald Weidenflächen für Rinder weichen müsse, sagte der Weihbischof. Er appellierte an die Verantwortung der Verbraucher, etwa nicht das in Bangladesch zu Hungerlöhnen produzierte T-Shirt zu kaufen. Das Beispiel des Fairen Handels zeige, dass es gelingen könne, den Verbraucher dazu zu bringen, ein teureres Produkt zu kaufen. Fair Trade zeige, dass ein Umdenken sehr wohl möglich sei, betonte der Weihbischof.
Dr. Thomas Rusche sprach sich bei dem Forum gegen die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" aus. Er kritisierte, dass täglich 20.000 Kinder an Hunger stürben, ohne dass diese Nachricht einen Schock auslöse. Rusche, der Wirtschaftsethik an der FU Berlin und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar lehrt, wandte sich zugleich gegen eine Verteufelung wirtschaftlichen Wachstums. "Wachstum ist auch etwas Positives", betonte er und fügte hinzu: "Aber Wachstum allein reicht nicht." Es müsse sich um ein qualitatives Wachstum handeln. Dazu müssten wirtschaftliches Wachstum und der Schutz von Natur und Umwelt miteinander in Einklang gebracht werden. Das sei in Deutschland weitgehend der Fall, aber längst nicht überall in der Welt. Es bestehe die Gefahr, dass die Erde aus dem Gleichgewicht gerate – zum Beispiel durch die verantwortungslose Ausbeutung von Ressourcen.
Gegen die Verteufelung der konventionellen Landwirtschaft setzte sich Johann Prümers zur Wehr. Er wies darauf hin, dass sich 60 bis 65 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Eigentum bäuerlicher Familien befänden.
Prümers begrüßte die Energiewende. Eine Energieversorgung, die zum Teil auf Basis nachwachsender Rohstoffe beruhe, sei allemal besser als Atomenergie, für die es auch nach fünf Jahrzehnten Anwendung immer noch keine überzeugenden Entsorgungspläne geben. Wer aber Landwirte als Tierquäler, Umwelt- oder Gewässerversucher beschimpfe, dürfe sich nicht wundern, wenn die so Angesprochenen eine Abwehrhaltung einnähmen.
Natürlich beschäftigen sich die Landwirte auch mit der Frage der Größe ihrer Betriebe. Dabei könne man durchaus über Obergrenzen diskutieren. Prümers bestritt allerdings, dass etwa das auf einem Biohof produzierte Ei qualitativ besser sei als das auf einer Hühnerfarm. Käfighaltung sei heute passé, sagte er, räumte aber ein, dass die Verfütterung gerade geschlüpfter Hähne ethisch nicht vertretbar sei. Entscheidend sei, dass die Landwirtschaft die Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Produkten versorge. Die Probleme des Hungers in der Welt seien jedoch mehr ein Verteilungs- als ein Herstellungsproblem.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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