Freiluft-Gottesdienst mit grandioser Aussicht
Für seine Berge ist der Niederrhein wahrlich nicht bekannt – wer dennoch seinen Blickwinkel ein wenig ändern möchte, kann dies unter anderem auf der "Halde Norddeutschland" versuchen.
Den immerhin rund 100 Meter hohen Hügel, bestehend aus dem Abraum der ehemaligen Zeche Niederberg, hatte das Kreiskomitee der Katholiken in Kreis Wesel zur Feier eines Gottesdienstes ausgewählt.
So versammelten sich am Dienstag, 3. Mai, rund 50 Gläubige unter freiem Himmel, um gemeinsam die Messe zu feiern. Auch das Wetter spielte größtenteils mit, ab und an wurde die Sonne zwar von Wolken verdeckt, aber Regen blieb aus. Dennoch scherzte Kreisdechant Stefan Sühling, der den Gottesdienst zelebrierte, zur Begrüßung: "Ich habe mich immer gefragt, warum es Halde Norddeutschland heißt. Jetzt ist es mir klar: Hier ist es so windig wie an der Küste und auch etwas kühler als unten im Tal." Weder der zwischendurch in das Mikrofon pfeifende Wind, noch die zahlreichen Sportler, die auf der Nebenwiese trainierten, störten die Gläubigen, gemeinsam zu feiern, musikalisch unterstützt durch den Chor "TonArt".
Der ungewöhnliche Ort wurde mehrfach thematisiert. Schon in einem ersten Impuls hatten Margret Mölders und Beate Hemmers nicht nur über den veränderten Blickwinkel, sondern auch die Symbolik der Halde gesprochen. Sie sei ein Gesteinshaufen, der für die Kohleindustrie unnütz war, jedoch habe sich jemand erfolgreich Gedanken gemacht, wie dieser künstliche Hügel den Menschen nützlich sein könne. Das lasse sich auf das Leben übertragen. Auch auf den ersten Blick unnütze Dinge könnten sich doch als nützlich erweisen.
Sühling erinnerte in seiner Predigt daran, dass Berge in der Bibel immer wieder wichtige Orte gewesen seien, angefangen vom Empfang der Zehn Gebote durch Mose auf dem Berg Sinai bis zum Treffen von Jesus und seinen Jüngern auf dem Ölberg. "Der Berg hat viele Funktionen, er ist ein Sehnsuchtsort, ein Ort der Utopie und der Gottesbegegnung", sagte Sühling, "und auf dem Berg sind wir heute versammelt, um uns stärken zu lassen in der Hoffnung, dass das Leben mit Gottes Hilfe gelingen kann."
Alfred und Annett Sturm, beide aus Kamp-Lintfort, waren nach dem Gottesdienst begeistert. Bei einer warmen Suppe, die Caritas-Mitarbeiter auf die Halde gebracht hatten, erzählte Annett Sturm: "Die Idee, hier zu feiern, ist großartig. Es war ein schöner, offener Gottesdienst. Bei der Predigt konnte man zuhören und gleichzeitig betrachten, wie die Wolken über den Himmel ziehen, das war eine schöne Erfahrung." Michael van Meerbeck, Vorsitzender des Kreiskomitees, freute sich ebenfalls über den Erfolg: "Wir wollen", sagte er zum Konzept der Gottesdienste an einem besonderen Ort, "das zu einer Tradition machen und jedes Jahr einen neuen, spannenden Ort zum Feiern finden."
Bild: Halde - Rund 50 Katholiken hatten sich auf der Halde Norddeutschland versammelt, um an diesem ungewöhnlichen Ort gemeinsam den Gottesdienst zu feiern.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 04.05.16
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Foto: Christian Breuer / Bischöfliche Pressetselle
