Friedensschule und Bistum Münster fördern wegweisendes Bildungsprojekt

Mit 46 Schülerinnen und Schülern und sieben Lehrkräften ist die neue ‚St. Dominic Savio Secondary School’ in Tosamaganga in Tansania gestartet.

Unter ihren ersten Schülern sind auch neun mittellose Vollwaisen. Die Friedensschule und das Bistum Münster unterstützen die Einrichtung dieser Internatsoberschule, deren Besuch zu Abschlüssen führt, die Zugang zu einer Berufsausbildung oder einem Studium geben.

"Ich bin völlig begeistert, was hier seit meinem letzten Besuch geleistet wurde", lobt Sebastian Aperdannier, der zusammen mit seiner Kollegin Joana Reppenhorst vom Referat ‚Freiwilligendienste im Ausland’ im Bischöflichen Generalvikariat Münster die neue Schule in Trägerschaft des Bistums Iringa besucht hat: "Auch dies ist ein wegweisendes Bildungsprojekt". Wo vor Kurzem noch nur zwei herunter gekommene Nebengebäude einer früheren Klosteranlage standen, umrahmen nun etliche renovierte und Neubauten einen weitläufigen Schulhof. An manchen Gebäuden sieht man noch Handwerker bei der Arbeit, die Fenster eindichten oder Treppen einschalen.

Aber der Schulbetrieb läuft. In einem Computerraum stehen und sitzen drei Dutzend Jungen vor den zahlreichen Bildschirmen. Einige recherchieren im Internet, bearbeiten Texte, Bilder oder Präsentationen. Viele spielen aber auch, denn jetzt, am späten Nachmittag, entscheidet jeder selbst, ob er noch Schulaufgaben macht oder schon Freizeit hat.
Father Aidan Ulungi, Direktor der neuen Schule, führt die Besuchergruppe begeistert durch das großzügige Gelände. Er war es, der diese Idee einer Oberschule federführend zur Realisierung trieb, die auch verarmte Kinder aufnimmt, deren Eltern tot sind. Denn er suchte eine Perspektive für die Waisen unter den Absolventen jener Mittelschule in Iringa, deren Konzeption Vorbild für die neue Oberschule ist. Dort sind die Eltern der übrigen Schüler bereit, ein erhöhtes Schulgeld zu zahlen, weil die Schule derart gute Arbeit leistet, dass der Notenschnitt der Absolventen landesweit zur Top 30 zählt. Der Mehrbetrag ergänzt um Spenden von Paten im Bistum Münster ermöglicht dort die schulische Grundbildung der mittellosen Waisenkinder.

"Hier entsteht das neue Bettenhaus für die Jungen, dort jenes für die Mädchen", zeigt der Geistliche. Denn fast alle Secondary Schools in Tansania laufen ganztags mit Internatsbetrieb. Vorerst schlafen die Schülerinnen und Schüler noch behelfsmäßig jeweils in großen Schlafsälen mit acht oder mehr Doppelstockbetten.

Ein großes Problem war die Versorgung mit Wasser und Elektrizität, weshalb das Projekt vor zwei Jahren für kurze Zeit ins Stocken gekommen war. Um den Bedarf dieser großen Einrichtung mit demnächst 500 oder mehr Schülern plus Schulpersonal decken zu können, mussten etliche große Tanks mit vielen Kubikmetern Fassungsvermögen her, außerdem eine Pumpstation und ein Wasserkraftwerk. Der umtriebige und gut vernetzte Geistliche schaffte es, mit Unterstützung einer Schweizer Hilfsorganisation, des Bistums Münster und weiterer Förderer auch diese Herausforderung zu bewältigen. An einem stets Wasser führenden, kleinen Fluss in der Nähe wurde das Nötige errichtet: Wasser und Strom sind da.

Neben dem ersten Klassenraum ist auch ein erster naturwissenschaftlicher Fachraum fertig. Seine karge Ausstattung ist ausbaufähig: "Wir nennen das hier unser mobiles Labor", sagt Father Ulungi und weist augenzwinkernd auf einen einzelnen Schrank, der Utensilien für den Chemieunterricht enthält. Arbeitstische oder Sitzgelegenheiten fehlen hier noch gänzlich.

Auch eine Bibliothek gibt es, aber die Regale an den Wänden sind leer. "Der Klassensatz mit Lehrbüchern, den wir haben, ist an die Schüler verteilt", erklärt der Priester. Hier ist Abhilfe in Sicht: Die Münstersche Friedensschule strebt eine Partnerschaft mit der neuen Schule an und stellte bereits 4.000 Euro für die Anschaffung von Lehrwerken zur Verfügung.

"Um diese neue Schule zu unterstützen, werden wir hier wohl auch Einsatzstellen für Freiwillige einrichten", kündigte Aperdannier an. Geschieht dies, kommen künftig zunächst einige der Freiwilligen, die bislang in der Mittelschule in Iringa tätig sind, jeweils für zwei Tage pro Woche nach Tosamaganga, um auch hier Schüler zu begleiten, beim Unterricht zu assistieren oder Arbeitsgemeinschaften anzubieten.

In der Endausbaustufe soll die Schule zehn Klassenzimmer plus mehrere Fach- und Nebenräume haben. Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Bald schon kommt der nächste Jahrgang mit 100 Schülern, die in zwei Klassen aufgeteilt werden. Unter ihnen werden 35 Absolventen der Mittelschule in Iringa sein, darunter neun Vollwaisen. Die Räume werden passend fertig, da ist Father Ulungi sicher. Aber der Geistliche bittet um Spenden, um die Ausstattung der Schule zu vervollständigen oder die geplanten Sportanlagen herrichten zu können. Zudem sind Paten gesucht, die sich regelmäßig an den laufenden Schulgebühren für die mittellosen Vollwaisen beteiligen.

Spenden für die St. Dominic Savio Secondary School Tosamaganga sind möglich über die Bistumskasse Münster, IBAN DE29400602650002000100 bei der Darlehenskasse Münster, BIC: GENODEM1DKM. Um Spenden eindeutig zuordnen zu können, ist es erforderlich, als Verwendungszweck "8.9430.39270.UK16/Secondary" anzugeben. Wer eine Spendenquittung benötigt, sollte auch die eigene Adresse vollständig im Verwendungszweck eintragen.

St. Dominic Savio Secondary School Tosamaganga
Die ‚St. Dominic Savio Secondary School’ in Tosamaganga in Tansania öffnete 2015 mit 46 Schülerinnen und Schülern und einem Klassenraum. Als Oberschule führt sie zu Abschlüssen, die zur Aufnahme einer Berufsausbildung oder eines Studiums berechtigen. Unter den Schülern sind mittellose Vollwaisen. Deren Erziehung soll zum einen durch erhöhte Schulgelder mit finanziert werden, die Eltern der übrigen Schüler zahlen, weil die Schule zu überdurchschnittlichen Abschlüssen führt. In der seit zehn Jahren bestehenden ‚St. Dominic Savio Pre & Primary School’ in Iringa, deren Konzept als Vorlage diente, wurde dies erreicht, indem sehr gute Lehrkräfte langfristig verpflichtet wurden. Zum anderen sollen für die Waisen in der Oberschule Paten gefunden werden, die sich regelmäßig am Schulgeld einzelner Schüler beteiligen. Ein Team von aktuell sieben Lehrern unterrichtet die Oberschüler. Unterstützt wurde die Einrichtung der ‚St. Dominic Savio Secondary School’ von der Friedensschule Münster, die eine Schulpartnerschaft anstrebt, und vom Bistum Münster. Benannt ist auch diese Schule nach dem Heiligen Dominikus Savio, einem charismatischen und engagierten Schüler, der im 19. Jahrhundert in seiner Schule die pädagogisch-jugendpastorale Arbeit mit armen Jugendlichen unterstützte und sich als mutiger Friedensstifter einen Namen machte, bevor er bereits als Jugendlicher verstarb. Er wurde 1954 heilig gesprochen.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de