Führungen in ihren Muttersprachen

Der St. Paulus-Dom in Münster hat weibliche Verstärkung bekommen, die einem beim Betreten der Bistumskathedrale sofort ins Auge und Ohr fällt.

Mit einem sympathischen "hartelijk Welkom!" begrüßt Esther Graftdijk niederländische Besucher, die ganz erstaunt sind, in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden. Mit diesem niederländischen Gruß oder dessen englischer, spanischer oder deutscher Entsprechung begrüßen zurzeit drei junge Frauen die Besucher der Bistumskathedrale und bieten ihnen kostenlose Führungen in den jeweiligen Sprachen an.

Meg Hyland aus St. Andrews (Schottland), Graftdijk aus Haarlem (Niederlande) und Sabine Majer aus Speyer wurden von der internationalen ökumenischen Organisation "ARC" nach Münster geschickt, um dort im Dom Führungen anzubieten. Die Abkürzung "ARC" steht für die französischen Wörter "Accueil" (Empfang), "Rencontre" (Begegnung) und "Communauté" (Gemeinschaft). In den Sommermonaten organisiert "ARC" europaweit Führungen in bedeutenden Kirchen. Neben Münster beschickt die Organisation in Deutschland auch die Kathedralen in Speyer, Konstanz und Erfurt.

"Die Besucher sind immer ganz überrascht, dass eine echte Niederländerin die Führung macht und kein Deutscher, der versucht niederländisch zu sprechen", erzählt Graftdijk lachend. "Alles echt Nederlands halt." Sie ist, wie ihre zwei Mitstreiterinnen 21 Jahre alt und studiert in Amsterdam cultural heritage, das sich mit Studium des kulturellen Erbes übersetzen lässt. Wie die meisten Niederländer ist sie Protestantin und hat sich vorher nicht viel mit dem katholischen Glauben auseinandergesetzt. "Meine erste richtige katholische Messe hatte ich hier im Dom", berichtet sie und ist sehr beeindruckt vom Weihrauch und der Hostie.

Im St.-Paulus-Dom bieten die drei täglich zwischen 10 Uhr und 12 Uhr und zwischen 14 Uhr und 17 Uhr kostenlose Führungen an, deren Inhalte und Länge sie je nach Besuchergruppe und Fragen variieren. "Bis auf sonntags und montags", betonen sie. "Da haben wir frei." Die drei 21-Jährigen erklären den Besuchern ehrenamtlich das, was sie selbst vor Ort über den Dom gelernt haben, und das noch fast täglich bis zum 22. August.

Die drei jungen Frauen wohnen auch gemeinsam im Priesterseminar Borromaeum und führen dort so manch interessantes Gespräch mit den Seminaristen. "Wir haben uns natürlich über den Zölibat unterhalten. Sehr spannend", erzählt Graftdijk weiter. "Ich kann jetzt verstehen, warum für die Jungs das okay ist."

Im Vorfeld haben die drei jungen Frauen selbst an Domführungen teilgenommen und eine umfassende Einführung in die Kunst- und Baugeschichte des Doms erhalten. "Zu Beginn haben wir uns auf eine Abenteuerreise durch den Dom gemacht", berichtet Majer. Die gebürtige Speyerin muss lachen, als sie sich daran erinnert, wie verstaubt die drei nach der Führung aussahen. "Bis in die letzten Winkel sind wir gekrochen", erzählt sie schmunzelnd. "Wir waren danach über und über mit Spinnweben bedeckt. Aber es war super!" Dompropst Kurt Schulte hat ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, zur Geschichte des Domes manches Wissenswerte erzählt und "uns viele Bücher mitgegeben".

Der "ARC" sendet jährlich junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren aus Deutschland, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien aus, um den Besuchern die Gotteshäuser individuell näher zu bringen. Das Motto der Organisation lautet: "Steine zum Sprechen bringen".

Davon profitieren auch die jungen Kirchenführer: Unter ihnen entstehen viele kleine internationale, christliche Gemeinschaften, die in ihrer Freizeit viel gemeinsam Unternehmen.

So berichtet Schottin Hyland von gemeinsamen Museumsbesuchen oder Erkundigungstrips durch Münster. "Wir sind echte Freundinnen geworden." Hyland studiert in St. Andrews mittelalterliche Geschichte ist vor allem am ökumenischen Dialog interessiert. "Ich möchte die Kathedrale zum Sprechen bringen" erklärt sie ihre Motivation für ihren Einsatz in Münster. "Ich möchte die Menschen im Münsteraner Dom willkommen heißen, dem Dom ein Gesicht geben, die menschliche Seite der Kathedrale sein." Dafür nimmt sie es auch in Kauf, dass sie die An- und Abreise selber finanzieren muss, wie alle Teilnehmenden am Programm. Alles Weitere stellt die Organisation.

"Wir verbringen eine intensive Zeit miteinander und bauen eine echte freundschaftliche Basis auf", berichtet Majer. "Ohne ‚ARC’ hätte ich die anderen nicht getroffen. Ich mag Menschen, ich mag Kultur, ich mag Religion", erklärt die Protestantin ihre Teilnahme am Programm. "Durch das Projekt kann ich meinen Horizont erweitern", stellt die 21-Jährige strahlend fest, die in Mainz Kunstgeschichte und Altorientalistik studiert. "Anfangs hatte ich Angst, dass die Mädels nicht so cool sind. Schließlich hocken wir hier vier Wochen aufeinander", beschreibt sie ihre Befürchtungen im Vorfeld der Reise. "Ich bin so froh, dass ich hier bin. Ich treffe hier so tolle Leute, so hatte ich es mir nicht vorgestellt."

Wer als Kirchenführer am Projekt "ARC" teilnehmen will, müsse weder außerordentlich gläubig sein noch vorher schon viel über die Kirchen wissen, erklärt Hyland. "Wir sind Leute, die Lust haben, neue Menschen und neue Sachen kennen zu lernen", beschreibt sie ihre Motivation für das Projekt. "Eine besondere sprachliche Begabung ist für die Teilnahme am Projekt nicht notwendig."

Weitere Informationen zum Projekt von "ARC" sowie Bedingungen für eine Teilnahme sind unter www.arc-deutschland.de zu finden.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de