Für Euthymia brennt immer eine Kerze

, Bistum Münster, Kreisdekanat Steinfurt

Im Erzählen kommen die Erinnerungen: „Das war alles sehr aufregend.“ Den hochsommerlichen Tag im Oktober vor 25 Jahren wird niemand aus der Familie Üffing vergessen. Besonders nicht Regina und Josef Üffing. Der Neffe von Schwester Maria Euthymia und seine Frau waren mit ihren Söhnen auf dem Petersplatz dabei, als die Ordensfrau aus Halverde 2001 in Rom seliggesprochen wurde. Regina und Josef Üffing waren sogar ganz oben, haben Papst Johannes Paul II. Reliquien und eine Kerze gebracht. Der Höhepunkt eines langen Prozesses, den die Familie mit vielen Fotos in einem dicken Album festgehalten hat.

Zwei Ordner mit Fotos und Briefen erinnern Familie Üffing an ihre Tante, Groß- und Urgroßtante Schwester Maria Euthymia.

© Bistum Münster

Josef Üffing war 17 Jahre alt, als seine Tante starb. Oft gesehen hat er sie nicht. Nach ihrem Eintritt ins Kloster, kehrte Schwester Maria Euthymia nie wieder ins Elternhaus zurück: „Das war damals wohl so“, sagt der 88-Jährige, der mit seiner Frau und der Familie des jüngsten Sohnes auf dem Ursprungshof der Üffings in Hopsten-Halverde lebt. Einmal im Jahr besuchte die Verwandtschaft Euthymia im Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster. „Das war für uns immer ein Erlebnis“, kramt der Senior gedanklich in seiner Kindheit. Die Tante sei allerdings immer sehr zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern gewesen: „Sie mochte nicht gerne so viele Menschen um sich herum.“ 

Seine Frau Regina hat die Selige selbst nicht kennengelernt, aber später viel über sie gehört und gelesen. Heute ist die 83-Jährige wahrscheinlich eine der treuesten Verehrerinnen von Schwester Euthymia: „Sie ist der Mittelpunkt unserer Familie. Neben ihrem Bild brennt bei uns in der Küche immer eine Kerze.“ Und auch in ihr tägliches Gebet schließt Regina Üffing die Clemensschwester ein. 

Der Haarzopf von Schwester Maria Euthymia, den sie sich mit dem Ordenseintritt 1934 abschneiden lassen musste, wird bis heute aufbewahrt.

Im Seligsprechungsprozess wurde die ganze Familie befragt. Die Briefe, die Schwester Euthymia zwischen 1938 und 1953 an ihre Mutter und die Geschwister in Sütterlin-Schrift verfasst hat, waren für die zuständige Diözesankommission zudem eine wichtige Quelle. Und auch ihr Haarzopf, den sie sich mit dem Ordenseintritt 1934 abschneiden lassen musste, wird bis heute an einem geheimen Ort aufbewahrt.

Mit Sohn Matthias, seinen Brüdern und den Familien fühlen sich auch die nachfolgenden zwei Generationen weiter eng mit Schwester Maria Euthymia verbunden: „Es macht uns, aber auch die ganze Gemeinde schon stolz, eine so beeindruckende Frau in der Familie und im Ort zu haben.“ Besonders berühren den 57-Jährigen immer wieder die vielen Danksagungen am Grab von Euthymia auf dem Zentralfriedhof in Münster: „Die Menschen bitten sie um Hilfe und Unterstützung – und stellen anschließend kleine Zettel, Bilder oder Steine auf die Grabplatte.“

Während des Seligsprechungsverfahrens Mitte der 1980er Jahre und auch danach war der Menschenauflauf in Halverde groß. Auch heute kommen manchmal noch ganze Busse mit Gläubigen vorgefahren. Die kleine Ortskirche, aber auch das Elternhaus am Langenacker sind seit der Seligsprechung zu Pilgerstätten geworden. In Euthymias Taufkirche St. Peter und Paul wird der Ordensfrau mit einem besonderen Gemälde gedacht. Ein nach Euthymia benannter Weg mit Stationen zu ihrem Leben verbindet außerdem Kirche und Elternhaus und wird von vielen Ehrenamtlichen aus dem Dorf gemeinsam gepflegt – darunter selbstverständlich auch die Familie. Anfang oder Ende ist je nach Laufrichtung am Kreuz im Vorgarten vom elterlichen Hof. Gezimmert hat es Tischlermeister Matthias Üffing in der eigenen Werkstatt.

Zum Gedenkgottesdienst mit Münsters Bischof Dr. Heiner Wilmer anlässlich des 25. Jahrestages der Seligsprechung werden die Üffings am Sonntag, 4. Oktober, nahezu komplett nach Münster fahren. Enkelin und Tochter Marie wird als Ministrantin dabei sein. Je älter die 20-Jährige wird, desto mehr Nähe spürt sie zur Urgroßtante und deren leiser Botschaft. Marie Üffing ist überzeugt: „Schwester Euthymia ist eine Friedensbringerin. Mit ihrem selbstlosen Einsatz für andere kann sie auch heute ein Vorbild sein.“ 

Gudrun Niewöhner