Gedenken an die Ukraine: „Gebete mit Narben“

, Stadtdekanat Münster

Kerzenlicht flackert vor einer Laterne. Darin auf Zetteln aufgeschriebene Namen von Menschen, die ihr Leben verloren haben. Es ist still in der Überwasserkirche in Münster. Am Vorabend des vierten Jahrestages des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine versammelten sich dort viele Gläubige zu einem ökumenischen Friedensgebet.
 

„Vier Jahre vollumfänglicher Krieg Russlands gegen die Ukraine. Vier Jahre ideologische Verblendung, imperialistische Herrschaftsimperium. Vier Jahre unsägliches Leid und Tod.“ Mit diesen Worten begann Pfarrer André Sühling, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Münster das Gebet, und fügte hinzu: „Vier Jahre Terror – und vier Jahre beharrliches Beten um Frieden, Zuversicht und Hoffnung auf bekehrende Herzen.“ Es seien „Gebete mit Narben“, zitierte er eine ukrainische Ordensschwester. Zwischen zerstörten Straßen und verwundeten Herzen stottere das Gebet, protestiere, schweige und schreie zugleich.

Besonders bewegend war der Beitrag von Yurii (16), der heute mit seiner Familie in Greven lebt. Schwer sei es gewesen, Familie und Großeltern in der Ukraine zurückzulassen. „Der Krieg ist sehr schwer für mich. Es tut mir sehr weh, was in der Ukraine passiert“, sagte er. Er denke oft an die Menschen dort – an die Kälte, an fehlenden Strom, an Angst und Hunger. Er sprach von Traurigkeit, Mitgefühl und Wut, aber auch von Dankbarkeit. Seine Großmutter habe die Familie in Deutschland aufgenommen, viele Menschen hätten mit Essen, Kleidung und Unterstützung geholfen. Seine Eltern besuchten Sprachkurse, er selbst gehe zur Schule und lerne Deutsch. Sein größter Wunsch sei Frieden in der Ukraine – und eine gute Ausbildung, um in Zukunft arbeiten und ein ruhiges Leben führen zu können.

Zum Abschluss entzündeten die Teilnehmenden Kerzen als Zeichen der Hoffnung und des Gedenkens. 

Musikalisch gestaltet wurde das Friedensgebet vom Chor „Tscherwona Kalyna“ sowie einem Projektchor, der eigens für das Friedensgebet unter der Leitung von Andreas Wickel gebildet wurde.

Ann-Christin Ladermann
 

Als Zeichen für den Frieden entzündeten die Teilnehmenden des Friedensgebets Kerzen.

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