Geistlicher Themenabend: Sebastian Dunkelberg liest den Galaterbrief
Neutral oder langweilig vorgetragen, das hat das Wort Gottes nicht verdient. Dessen ist sich der Schauspieler und Regisseur Sebastian Dunkelberg sicher. Dass es auch anders geht, zeigt der Hamburger beim zweiten Geistlichen Themenabend im St.-Paulus-Dom in Münster.
Am Mittwoch, 15. März, um 19.30 Uhr trägt Dunkelberg unter dem Leitwort "Glaube, der befreit" den Galaterbrief des Apostels Paulus vor.
Dunkelberg, der nach dem Abitur Priester werden wollte, drei Jahre Theologie und Philosophie studiert hat bevor er sich dann aber für eine Schauspiel- und Gesangsausbildung entschied, hat sich intensiv mit den Texten der Bibel beschäftigt. "Wir hören in der Liturgie immer nur Ausschnitte. Viele Menschen fragen sich, warum sie sich die alten Texte anhören sollen, die doch scheinbar keinen Bezug zu ihrem Leben haben", hat Dunkelberg beobachtet. Er hat sich gefragt, was passiert, wenn er die Texte im Ganzen liest, wenn der dramaturgische Bogen sichtbar wird und "bekannte" Stellen mit Aha-Erlebnis im Zusammenhang zu hören sind. "Plötzlich werden sie hochaktuell und gehen mich etwas an. Ich muss mich zu ihnen verhalten: Gottes Wort spricht wirklich zu mir", erklärt der in Reinbek lebende Schauspieler.
Die Paulusbriefe begeistern den 53-Jährigen schon lange. "Alle haben immer Angst vor Paulus und seiner ‚abgehobenen‘ Sprache. Ich habe mich gefragt, wie das sein kann. Früher müssen ihn die Menschen doch auch verstanden haben", erzählt Dunkelberg. So habe er die Perspektive beim Lesen gewechselt und nicht 2000 Jahre philosophisch-theologische Paulus-Rezitation mitgedacht. Auf diesem Weg entdeckte Dunkelberg eine andere Seite in dem Apostel: den Bekehrten, dem das Herz übergeht. Was Paulus offenbart wurde, sollten auch die anderen Menschen verstehen. "Deshalb sucht er nach Worten, das Unbeschreibliche zu beschreiben. Er brennt für seine Erkenntnis und verzweifelt daran, dass die Menschen sind wie sie sind", erklärt Dunkelberg, der die Briefe in erster Linie als Liebesbriefe versteht. Und so liest er sie auch. "Paulus ist kein Belehrer, sondern ein Erklärer. Und da wird er oft plötzlich einfach und klar."
Der Galaterbrief sei dafür ein echtes Paradebeispiel. Seine Verzweiflung lasse Paulus wütend werden. Er könne es nicht fassen, dass die Menschen das bereits Erkannte so schnell wieder in Zweifel zögen und sich von anderen Stimmen irritieren ließen. "Er wäscht der Gemeinde regelrecht den Kopf und spart nicht mit drastischen Worten. So wie Eltern manchmal mit den Kindern schimpfen und streng handeln – aus Liebe zu ihnen", zieht der zweifache Vater eine Parallele. Aus Liebe zu den Menschen und zu Jesus Christus ringe der Apostel mit ihnen und versuche alles, um sie erneut auf den rechten Weg zu bringen, der für ihn so klar geworden ist. Er werde nicht müde das Unbegreifliche zu erklären – auch wenn er sich im Überschwang der Gefühle dabei schon mal im Ton vergreife. "Ich würde mir wünschen, dass auch heute mal wieder ein Paulus den Gemeinden in ihrem eingefahrenen Trott und Trotz gehörig den Kopf wäscht", sagt der Schauspieler.
Das Leitwort des Abends – "Glaube der befreit" – ist für Dunkelberg eine der wesentlichen Aussagen des Apostels in allen seinen Briefen. "Der Glaube an Jesus Christus macht frei von Zweifeln und Zwängen, von widersprüchlichen Meinungen und Hilfslosigkeit. Wer das einmal erkannt hat und sich danach ausrichtet, ist frei davon", erklärt Dunkelberg. Die Freiheit des Glaubens sei eines der Leitmotive des Paulus. "Im Galaterbrief treibt er es sprachlich und inhaltlich auf die Spitze. Er spricht gerade heraus, frisch von der Leber weg, nicht so ausladend oder philosophisch-theologisch wie in manch anderem Brief", sagt der Schauspieler und fügt hinzu: "Er bringt seine Überzeugung auf den Punkt und zeigt dabei das ganze Spektrum seiner Emotionen. Das ist sehr bewegend und nah an den Menschen – damals genauso wie heute."
Dunkelberg liest aus der neuen "Einheitsübersetzung". "Das finde ich ausgesprochen spannend, denn viele Stellen, die wir meinen in bestimmter Weise im Ohr zu haben, klingen plötzlich neu, fremd, vielleicht sogar irritierend. Es zwingt uns, unsere Hörgewohnheiten abzulegen und uns neu zu öffnen, neues zu entdecken, uns daran zu reiben und berühren zu lassen – das Wort Gottes zu mir sprechen zu lassen", freut er sich auf die Lesung.
Musikalisch erklingen an diesem Abend von Johann Sebastian Bach "Ein feste Burg" und Arien aus dem Oratorium "Paulus" von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Der Eintritt zu den Geistlichen Themenabenden ist frei. Es wird eine Kollekte gehalten, deren Erlös für ökumenische Projekte in der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen bestimmt ist. Alle Geistlichen Themenabende werden im Internet übertragen.
Interessierte können sie auf den Seiten www.bistum-muenster.de, www.paulusdom.de, www.kirche-und-leben.de, www.katholisch.de und www.bibeltv.de/livestreams live verfolgen.
Bildunterzeile: Am Mittwoch, 15. März, um 19.30 Uhr liest Schauspieler, Regisseur und Sprecher Sebastian Dunkelberg den Galaterbrief des Apostels Paulus beim Geistlichen Themenabend im St.-Paulus-Dom.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 10.03.17
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Jochen Quast
