Generaloberin Schwester Sili Bouka erzählt von ihrer Arbeit 2014

Indonesien ist vom Bistum Münster aus betrachtet weit weg. Es rückt näher, wenn man mit der aus Epe (Gronau) stammenden Schwester Mathilde Franke und ihrer Generaloberin Schwester Sili Bouka vom Orden der Schwestern der Liebe vom Kostbaren Blut ins Gespräch kommt.

Gemeinsam haben sie auf der dortigen Insel Sumba unter anderem eine katholische Hochschule mit aufgebaut, gemeinsam berichten sie anlässlich eines Besuchs in Schwester Mathildes Heimat von ihrer Arbeit, vor allem aber auch von Schwester Silis Weg als gebürtige Indonesierin zur Generaloberin.

Von der Hochschule weiß Schwester Mathilde aktuell Gutes zu berichten. Nach einem mehrjährigen "schmerzhaften Entstehungsprozess", während dessen dem Projekt immer wieder von verschiedenen Seiten buchstäbliche Steine in den Weg gelegt wurden, hat die Hochschule kurz vor Weihnachten 2013 ihre staatliche Anerkennungsurkunde erhalten. "Noch ist die Situation behelfsmäßig und braucht die katholische Schulstiftung als Träger weitere Gelder, aber unsere Arbeit hat jetzt endlich ein Ziel und Sicherheit", berichtet Schwester Mathilde.

Diese Sicherheit und Verlässlichkeit sind in dem Inselstaat keine Selbstverständlichkeiten. Schwester Sili weiß, dass vor allem Korruption ein Problem ist. Damit habe nicht nur die katholische Hochschule zu kämpfen gehabt, und sie sei auch kein Mittel, um gezielt Christen zu unterdrücken. "Die Korruption ist mehr eine Frage der Einstellung der Menschen als eine Frage der Religionen, die an der Basis friedlich zusammenleben", berichtet sie, die selbst mit einer Muslima zusammenarbeitet. Frühere Unruhen seien oft von außen verursacht und von der Polizei künstlich geschürt worden, damit sich die Beamten hätten profilieren können.
Dass sie selbst in einem Land, in dem fast 90 Prozent der Einwohner Muslime sind, und trotz ihrer Eltern, die der einheimischen Naturreligion anhängen, Christin wurde, erklärt die Generaloberin mit ihrer Herkunft. Auf Sumba hätten seit 1957 Redemptoristen und seit 1958 katholische Schwestern gewirkt sowie beide Konfessionen Schulen errichtet. "Nachdem ich die Schwestern auf Sumba erlebt hatte, wollte ich eine werden", erinnert sich Schwester Sili.

Heute ist sie nicht nur Schwester, sondern – nachdem sie zuvor Krankenhausdirektorin gewesen war – seit 2011 Generaloberin. Als solche ist es ihre Aufgabe, "die Beschlüsse des Generalkapitels in allen Kommunitäten umzusetzen". 27 Kommunitäten (Gemeinschaften) des Ordens gibt es in Indonesien, denen insgesamt 160 Schwestern angehören.

Neben den organisatorischen Aufgaben möchte Schwester Sili ausdrücklich auch geistlich wirken. Ihr ist es wichtig, die Spiritualität der Ordensgründerin Schwester Seraphine Spiekermann "in die heutige Zeit zu übersetzen, damit sie in verschiedenen Kulturen verwirklicht werden kann." Dieses Anliegen nimmt sie mit, wenn sie zweimal in ihrer sechsjährigen Amtszeit jede Kommunität besucht, und bespricht es mit jeder einzelnen Schwester. "Am Ende meiner Amtszeit werde ich für mich überprüfen, was aus diesem meinem persönlichen Ziel geworden ist und wie die Spiritualität in den Kommunitäten gelebt wird", hat sich Schwester Sili vorgenommen. Sie betrachte das als Herausforderung, da die Schwestern aus unterschiedlichen Nationen stammen und unterschiedlichen Aufgaben nachgehen.
Welcher Aufgabe auch immer die Schwestern sich widmen, Schwester Sili legt als einen Teil der Spiritualität unter anderem Wert darauf, dass sie diese im Sinne von Papst Franziskus "unter den Armen erfüllen und bleiben, auch wenn es schwierig wird." So sind beispielsweise in den Krankenhäusern, in denen die Schwestern der Liebe vom Kostbaren Blut wirken, über 90 Prozent der Patienten Arme. "Wir weisen niemanden ab", betont Schwester Sili.

Der bewusste Umgang mit der Umwelt, der in Indonesien noch keineswegs selbstverständlich ist, ist ein weiterer Bestandteil ihrer Auffassung von Spiritualität. So erzählt Schwester Mathilde lächelnd, die Generaloberin lasse nie einen Rest Kaffeesatz in einer Tasse, sondern verwende diesen noch. Auch das letzte Reiskorn werde nach dem Essen noch vom Teller gekratzt und verzehrt. "Das sind Kleinigkeiten, damit eine entsprechende Haltung von innen wächst", bestätigt Schwester Sili, "schließlich wollen wir solidarisch mit den Armen sein und entsprechend sorgfältig umgehen mit dem, was wir haben."

Diesem Grundsatz ist sie auch während des Aufenthalts in Europa treu geblieben. Gewundert hat sie dabei im Münsterland, "dass es gar nicht so voll ist mit Gebäuden, wie ich mir Deutschland vorgestellt hatte. Ich war überrascht über die vielen Wälder, Felder und Gärten."

Umgekehrt wünscht sich Schwester Sili, dass die Deutschen ein positives Bild von Indonesien entwickeln. "Vieles verbessert sich. Es gibt eine Anti-Korruptions-Kommission, die vieles aufgedeckt hat, und im höchsten Gericht sitzen heute Leute, die das Recht schützen." Vermehrt kämen Menschen an verantwortliche Stellen mit "einer guten Einstellung fürs Volk". "Besonders dankbar bin ich dafür, dass überall, wo Katholiken in solchen Positionen sind, sie schon viel Gutes bewirkt haben", sagt Schwester Sili – eine Tatsache, an der auch sie, Schwester Mathilde und die übrigen Schwestern der Liebe vom Kostbaren Blut Anteil haben.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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