Generalvikar Dr. Norbert Köster ein Jahr im Amt

Er sei eher jemand, der versucht, in der Kommunikation die Lösung zu finden, keiner, der einsam Entscheidungen fällt und sie dann durchdrückt. Das sagt der Generalvikar des Bistums Münster, Dr. Norbert Köster, über sich selbst. Am 1. Juli ist er ein Jahr im Amt des Verwaltungschefs der zweitgrößten Diözese Deutschlands.

Das Amt des Generalvikars hat für ihn viel mit Moderation und Diplomatie zu tun: "Ich bin oft dazwischen und muss versuchen, ausgleichend Lösungen zu finden", sagt er. Wichtig sei, dass die Kommunikation innerhalb der Bistumsverwaltung, des Bischöflichen Generalvikariats (BGV), aber auch die mit den Pfarreien auf Augenhöhe stattfinde.

In den ersten zwölf Monaten ist Köster bereits die nach seiner Einschätzung Hauptaufgabe und wichtigste Herausforderung des BGV angegangen: den Wandel, der in den Pfarreien in den kommenden Jahren eintreten wird, zu begleiten und sie zu stärken: "Wir müssen uns neu ausrichten auf das, was da notwendig ist", unterstreicht er und fährt fort: "Wir brauchen andere Instrumente, vielleicht auch hier und da eine andere Mentalität. Und wir brauchen neu definierte Ziele."

Der große Wandel im Bistum Münster besteht für den Generalvikar darin, dass es immer weniger Priester gibt. Allerdings sei das auch nur ein Teil des Ganzen, betont er. Denn vor allem gehe es um die Frage, wie künftig Gemeindeleben bis in das kleinste Dorf hinein aussehen könne: "Was kann selbständig aufrecht erhalten, gestaltet und neu initiiert werden und wo braucht es hauptamtliche Unterstützung", fragt er und betont, dass diese Fokussierung insbesondere auch die Rollen von Priestern und Pastoralreferenten sehr stark verändern werde.

Besonders wichtig ist Köster die Stärkung der Gemeinden, "denn die Gemeinde ist das Entscheidende". Dabei versteht er Gemeinde nicht als einen Club, der versucht, andere Menschen in diesen Club zu ziehen, sondern als "eine Gruppe von Menschen, die versucht, Christsein zu leben und auch mit Menschen außerhalb dieser Gemeinde ins Gespräch zu kommen." Diese Definition mache deutlich, dass es um den Versuch gehe, "aufzubrechen, dass wir uns nur mit uns selbst beschäftigen." Während die Gemeinde nicht nur territorial, sondern auch personal verstanden werden könne – "Gemeinde kann etwa auch in einer Schule entstehen" – sei die Pfarrei eine rechtliche Größe: "Wir müssen sehen, was auf Dauer auf der Pfarrei-Ebene angesiedelt sein wird."

Keine Sorgen macht sich der Verwaltungschef des Bistums darum, dass der Wandel in den Gemeinden nicht wahrgenommen werde. "Die Radikalität wird überall gesehen", ist Köster sich sicher. Die Frage müsse nun lauten, wie weit vor Ort und auf Ebene des Bistums darauf bereits reagiert werde und eine andere Art und Weise des pastoralen Arbeitens in Gang gekommen sei: "Da gibt es, so glaube ich, noch sehr viel zu tun." Dabei sieht der Generalvikar des Bistums Münster den Veränderungsprozess "ganz bewusst" nicht als einen Sparprozess. Der Druck für Veränderungen sei jedoch schon jetzt riesengroß. Er entstehe, "weil wir der Situation der Menschen in unserer Gesellschaft, die suchen und etwas Gutes von der Kirche wollen, nicht genügend entgegenkommen."

Angesprochen auf die Frage nach Frauen in Führungspositionen, betont er: "Es wäre zu einfach zu sagen, es liegt an der Institution Katholische Kirche, dass es im BGV noch keine Frau als Hauptabteilungsleiterin gibt. Denn auch in den Vorständen der Dax-Konzerne sieht das mit Frauen in Leitungspositionen nicht viel anders aus", erklärt der Generalvikar. Gemeinsam mit Bischof Dr. Felix Genn sei es ihm wichtig, "frei werdende Leitungspositionen mit Frauen besetzen." "Wir müssen etwa deutlich machen: eine Leitungsposition ist auch mit Familie vereinbar", sagt Köster. Es gebe erste Maßnahmen, aber sicherlich noch einiges zu tun. Eine Möglichkeit wäre, Führungspositionen auch in Teilzeit auszuüben. Auf die Frage, ob das denn möglich sei, resümiert Köster: "Kompliziert, aber nicht unlösbar."

Text: Bischöfliche Pressestelle / 23.06.17
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