Geschlossenes Auftreten in der Flüchtlingsfrage notwendig

Erstmals haben sich Mitglieder des geschäftsführenden FDP-Kreisvorstandes, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und die Dechanten im Kreis Warendorf zu einem Meinungsaustausch getroffen.

Die aktuelle Situation in der Flüchtlingspolitik stand im Mittelpunkt des Gesprächs in der Landvolksschule Freckenhorst.
Weihbischof Zekorn machte zunächst auf das beeindruckende Engagement vieler Menschen in der Flüchtlingsarbeit vor Ort aufmerksam. In Deutschland gebe es allein auf pfarrlicher Ebene über 100.000 Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit. Aber: `Die Stimmung kippt.´ Beigetragen hätten dazu unter anderem auch unverantwortliche Äußerungen mancher Politiker. Dennoch habe die Kirche eine klare Position: `Wir haben als Christen den Auftrag zu helfen, dürfen uns dabei aber natürlich nicht überfordern.´ Es gelte, politisch abgewogen mit der Situation umzugehen.

Henning Höne, Landtagsabgeordneter der FDP, stimmte Weihbischof Zekorn beim Thema Ehrenamt zu. Politik und Verwaltung wären `schon längst untergegangen ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer´, betonte er. Um einen richtigen Umgang mit der Situation zu finden, sei für ihn vor allem eine Frage entscheidend: `Haben die Menschen den Eindruck, dass jemand die Lage im Griff hat?´ Seiner Meinung nach bestehe dieses Gefühl aktuell nicht.

Auch Kreisdechant Peter Lenfers äußerte seine Bedenken: `Ich bin ehrlich besorgt, wie lange das mit Europa noch gut geht.´ Politik und Kirche müssten zusammenarbeiten, nur so könne man etwas erreichen. Das ist auch in den Augen von Dechant Michael Mombauer entscheidend. Ein geschlossenes Auftreten in der Öffentlichkeit von Verwaltung, Politik und Kirchengemeinden sei notwendig.

Ein anschauliches Beispiel für gelungene Integration lieferte Dr. Oliver Niedostadek, stellvertretender Vorsitzender des FDP-Kreisvorstandes und kaufmännischer Geschäftsführer des Internats Collegium Johanneum Schloss Loburg in Ostbevern. Vor einigen Wochen habe das Internat zwei Flüchtlinge aus Eritrea aufgenommen. `Der Umgang mit den beiden macht etwas mit unseren Schülern´, erzählte er. Er erlebe `eine unglaubliche Hilfsbereitschaft´. Wenn man die Menschen in Kontakt mit den Flüchtlingen bringe, seien Verständnis und Engagement nach wie vor vorhanden.
Abschließend ging Weihbischof Zekorn auf die finanzielle Herausforderung ein. Das Bistum habe in diesem Jahr zusätzlich 1,5 Millionen Euro an Sondermitteln für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt. Für das kommende Jahr seien sogar 3,5 Millionen Euro für die Betreuung von Ehrenamtlichen, für Projekte, für Fragen der Rechtsberatung sowie für Wohnraum eingeplant. Aber auch die Kommunen müssten vom Land mit entsprechenden Mitteln ausgestattet werden. Nur so könne man sich der Herausforderung stellen.

Intensiv diskutiert wurde außerdem ein Antrag der FDP-Kreistagsfraktion zur Verlängerung der Öffnungszeiten von Kindertagesstätten (Kita) im Kreis Warendorf. Vorsitzender Markus Diekhoff erklärte, die aktuellen Öffnungszeiten der Kitas gingen oft an der beruflichen Realität der Eltern vorbei. `Wir möchten, dass in jedem Ort im Kreis eine Kita mindestens von 6 bis 20 Uhr geöffnet hat´, sagte er. Die kirchlichen Vertreter versicherten, dass es sich weniger um eine Frage des Familienbildes als um eine finanzielle Frage handle. Schon jetzt würde ein hoher Betrag von Seiten des Bistums zusätzlich zu den vorgesehenen Mitteln in den Kindergarten-Bereich fließen. `Die Frage ist also: Wer finanziert wie flexiblere Öffnungszeiten?´, brachte Kreisdechant Lenfers die Diskussion auf den Punkt. Denn eine solche Änderung sei mit einem personellen Mehraufwand verbunden. Eine entsprechende Lösung müsse hier noch gesucht werden, waren sich beide Gesprächsparteien einig.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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