Ghanaer und Deutsche blicken auf Ergebnisse christlicher Mission

Zu einem Theologischen Seminar zum Thema "G2 – Missio inter gentes: Intercultural Theology between Ghana and Germany" (zu deutsch: Mission zwischen Nationen: Interkulturelle Theology zwischen Ghana und Deutschland) hat Prof. Dr. Norbert Hintersteiner am Mittwoch (25. Juni 2014) im Rahmen des diesjährigen Austausches zwischen den Partnergemeinden aus Tamale/Nordghana und Münster eingeladen.

In seinem Vortrag gab er Studierenden aus Ghana und Deutschland einen Einblick in die Entwicklung des Christentums und der christlichen Mission und erfragte deren Erfahrungen.

Noch bis Donnerstag (3. Juli 2014) sind 20 Studierende aus Tamale zu Besuch in Münster. Der Austausch basiert auf der seit 2002 bestehenden Partnerschaft zwischen der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) und der Gemeinde Saint Peter & Paul in Tamale. Seit 2006 gehören dieser Partnerschaft ebenfalls die Katholisch-Theologische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie das St. Victor’s Seminary and St. Augustine’s Millennium Seminary in Tamale an. Deutsche und ghanaische Studierende besuchen sich im jährlichen Wechsel, um Beziehungen zu pflegen und die andere Kultur kennen zu lernen.

Hintersteiner ist Professor und Institutsdirektor am Institut für Missionswissenschaft und außereuropäische Theologien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Hauptaspekt seines Theologischen Seminars am Mittwoch bildete die Entwicklung des Christentums im Hinblick auf die Missionierung von Afrika, Asien und Latein Amerika. Er ist der Meinung, dass sich die Missionierung von einer "Missio ad gentes", der Missionierung von einer Nation zu einer anderen Nationen, zu einer "Missio inter gentes", also der Missionierung zwischen Nationen, entwickelt hätte – so begründet er den Titel des Seminars.

Er berichtete unter anderem, dass das Christentum immer weiter zu einer nicht-westlichen und nicht-europäischen Religion werde, da der christliche Glaube deutlich "in Richtung Süden und Osten" gewandert sei. Das Christentum sei zwar weiterhin eine Weltreligion und die Zahl der Anhänger des christlichen Glaubens würde zunehmend größer, jedoch hätte sich der Schwerpunkt des Christentums weg von Europa in Richtung Afrika bewegt.

Diese Entwicklung war den ghanaischen Gästen ebenfalls aufgefallen. Ihre Befürchtung, dass die Katholische Kirche in Deutschland aussterbe und dadurch die Partnerschaft zu Münster bedroht sei, hatten sie bereits bei der Begegnung mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn geäußert. Dabei stellten beide Seiten ihre Meinungen da, sodass Weihbischof Zekorn zu dem Ergebnis kam, dass die alte "graue" Kirche in Deutschland von der jungen Kirche in Ghana lernen müsse.

Der Glaube, der in Afrika, Asien und Latein Amerika gelebte wird, unterscheidet sich laut Hintersteiner von dem Glauben, den Christen in Europa oder Amerika leben. "Mitchristen im Süden und Osten haben ihre eigene neue Theologie begründet." Eine Herausforderung sei dabei, dass die "neue Theologie" nirgends aufgeschrieben werde und man in keiner Bibliothek Literatur dazu finden würde. "Die Theologie wird dort mündlich weitergegeben", so Hintersteiner.

Dieser Aspekt sei auch den Studierenden aus Ghana und Deutschland aufgefallen, als sie Arbeiten für die Universität schreiben mussten. Hintersteiner und die Studierenden stellten sich die Frage, ob die neue Theologie und der neue Glaube möglicherweise verloren gehe, wenn die derzeitige Generation sterbe.

Hintersteiner gab den Studierenden weitere Anstöße, sich mit der Entwicklung des Christentums zu befassen. So erläuterte er eine weitere Folge, die durch die Verschiebung des Christentums "in Richtung Süden und Osten" hervorgerufen worden seien. So hätten sich andere Religionen mit dem christlichen Glauben vereint – zu "Hybrid-Religionen". Hintersteiner selbst empfinde diese Entwicklung als eine bereichernde Erfahrung, die jeden "zum Gewinner von mehr als einer kulturellen Erfahrung" mache.

Abschließend führte er "zukünftige Gebiete" der Missio und der Missionsforschung im 21. Jahrhundert auf, in dem er zum Ende des zweistündigen Seminars beispielsweise die Mission mit Globalisierung oder mit Umweltschutz in Verbindung setzte. Auf einem Ausdruck, den die Studierenden aus Ghana und Deutschland zu Beginn des Seminars erhielten, konnten sie Literaturangaben und einzelne Zitate zum Thema finden, um sich auch im Nachhinein mit "Missio inter gentes" auseinandersetzen zu können.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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